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Bilderbuchstart von Venus Express

Peter-Michael Ziegler

Die europĂ€ische Raumsonde Venus Express ist am heutigen Mittwochmorgen um kurz nach halb fĂŒnf planmĂ€ĂŸig vom kasachischen Kosmodrom Baikonur aus ins All gestartet. Bislang verlĂ€uft die Mission ohne Probleme.

Die europĂ€ische Raumsonde Venus Express [1] ist am heutigen Mittwochmorgen um kurz nach halb fĂŒnf planmĂ€ĂŸig vom kasachischen Kosmodrom Baikonur aus ins All gestartet. Mehr als 300 geladene GĂ€ste erlebten den Bilderbuchstart der Sonde, die unseren Schwesterplaneten im FrĂŒhjahr 2006 erreichen soll, live im European Space Operations Centre (ESOC [2]) der ESA in Darmstadt mit. Erste Bilder aus Baikonur ĂŒbertrug die ESA via Satellitenfernsehen eine Viertelstunde vor dem Lift-Off ins ESOC.

Bei bedecktem Himmel und Temperaturen knapp ĂŒber dem Gefrierpunkt hatte die TrĂ€gerrakete mit ihrer 1,2 Tonnen schweren Fracht die Nacht ĂŒber im Freien verbracht. WĂ€hrend des Countdowns versorgte Flight Operations Director Paolo Ferri die Besucher im Zuschauerraum mit letzten Informationen aus dem ESOC-Hauptkontrollraum, wo den Verantwortlichen der enorme Druck – vor einem Monat hatte die ESA den Forschungssatelliten Cryosat wegen eines Software-Fehlers [3] in der oberen Raketenstufe einer umgebauten russischen Atomrakete vom Typ SS-19 verloren – kaum anzumerken war.

Um 4:33 Uhr erfolgte dann die ZĂŒndung der vier Booster-Raketen, die den Launcher insgesamt 118 Sekunden mit dem nötigen Schub fĂŒr das Abheben von der Startplattform versorgten. Auch die drei Raketenstufen der vom russischen Unternehmen Starsem gebauten Sojus-Fregat-Rakete funktionierten einwandfrei und konnten ebenso wie die Booster nach dem Ausbrennen ohne Probleme abgesprengt werden. Mittels der vierten Stufe (Fregat) schwenkte Venus Express anschließend in eine Umlaufbahn (Parking Position) um die Erde ein, bevor sie ein zweiter Fregat-Burn schließlich Richtung Venus beschleunigte.

Ein spannender Moment war noch gegen 6:30 Uhr zu ĂŒberstehen, als das Mission Control Team (MCT) im ESOC erstmals Funkkontakt zur Sonde herstellen und damit selbst die Kontrolle ĂŒber den Flug ĂŒbernehmen konnte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte das Schicksal von Venus Express noch in den HĂ€nden der fĂŒr die Startphase verantwortlichen russischen Kollegen gelegen. Den ersten Starttermin von Venus Express am 26. Oktober hatten Starsem [4] und die ESA abgesagt [5], nachdem Verunreinigungen in der SchutzhĂŒlle der TrĂ€gerrakete entdeckt worden waren.

Venus Express soll nach rund fĂŒnfmonatiger Reise in eine polare Umlaufbahn um unseren Schwesterplaneten einschwenken und seine AtmosphĂ€re, die IonosphĂ€re sowie die PlanetenoberflĂ€che erforschen. Von den Erkenntnissen erhoffen sich die Wissenschaftler weitere Hinweise zur Entstehung unseres Sonnensystems und ein besseres VerstĂ€ndnis der klimatischen VerĂ€nderungsprozesse auf der Erde. Angelegt ist die Forschungsmission auf mindestens 500 Erdentage, oder zwei komplette Eigenrotationen der Venus. Der Treibstoff an Bord reicht laut ESA aber auch fĂŒr eine doppelt so lange Mission.

Zu Venus Express siehe auch:

Siehe dazu auch in Telepolis: (pmz [11])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-146068

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.esa.int/SPECIALS/Venus_Express/index.html
[2] http://www.esa.int/spacecraftops/index.html
[3] https://www.heise.de/news/Cryosat-Absturz-aufgeklaert-142540.html
[4] http://www.starsem.com/
[5] https://www.heise.de/news/Cryosat-Absturz-aufgeklaert-142540.html
[6] http://www.heise.de/kiosk/archiv/ct/2005/22/100
[7] http://www.heise.de/kiosk/archiv/ct/2005/22/106
[8] https://www.heise.de/hintergrund/Blick-unter-die-Huellen-der-Venus-277653.html
[9] http://www.heise.de/tr/aktuell/meldung/65279
[10] https://www.heise.de/hintergrund/Express-zur-Venus-277813.html
[11] mailto:pmz@ct.de
[12] http://www.heise.de/tp/r4/inhalt/raum.html