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Betrug mit Internet-Kontaktanzeigen

Michael Kurzidim

Die hannoversche Firma Audiofon geriet wegen Internet-Kontaktanzeigen und 0190-Nummern jetzt ins Fadenkreuz der Ermittler.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Firma Audiofon Chat & Play GmbH aus Hannover: Das Unternehmen soll bundesweit MĂ€nner mit fingierten Internet-Kontaktanzeigen betrogen haben, berichtet die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ [1]).

Die Masche ist immer die gleiche: Angeblich liebe, einsame Frauen suchen auf den Kontaktbörsen des Web einen seriösen Partner fĂŒr Kochen, Kino, Wandern und vielleicht fĂŒr mehr. Wer daraufhin eine E-Mail schreibt, bekommt Antwort -- aber nicht von seiner AuserwĂ€hlten. Man schreibe Standardantworten zurĂŒck, 40 pro Stunde seien Pflicht, verriet ein Insider, der auf monatelange Erfahrung bei Audiofon zurĂŒckblicken kann, gegenĂŒber der Zeitung.

Liebeshungrige MĂ€nner, die sich von Standardantworten nicht abschrecken lassen und eine der 0190-Nummern wĂ€hlen, landen im Service-Center von Audiofon, und werden dort mit den Frauen in den Telefonkabinen verbunden. Die Frauen versuchen alles, um die MĂ€nner möglichst lange an der Strippe zu halten -- mindestens drei Minuten, so steht es in ihrem Arbeitsvertrag. Der Insider erzĂ€hlt von herzzerreißenden Briefen kontaktsuchender MĂ€nner, teilweise ĂŒber vier Seiten liebevoll aufgeschrieben. "Und keiner von denen weiß, dass es nur darum geht, sie auszunehmen."

Pikanterweise ist Audiofon Mitglied im Verein Freiwillige Selbstkontrolle Telefonmehrwertdienste [2] (FST), der sich besonders dem Jugend- und Verbraucherschutz verpflichtet fĂŒhlt. (ku)


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-64028

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.haz.de/
[2] http://www.fst-ev.org/