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Bertelsmann: Keine Milliardeninvestitionen in nÀchsten zwei Jahren

Der Medienkonzern will vor allem aus eigener Kraft wachsen, sagt Vorstandschef Gunther Thielen.

Beim Medienkonzern Bertelsmann sind in den nĂ€chsten zwei Jahren keine Milliarden-Investitionen zu erwarten. Das Unternehmen wolle vor allem aus eigener Kraft wachsen, sagte der seit sechs Wochen amtierende Vorstandschefs Gunther Thielen [1] am heutigen Donnerstag in Frankfurt vor Journalisten. Allerdings schaue Bertelsmann bei den derzeit angebotenen Unternehmensteilen großer Medienkonzerne wie Vivendi Universal [2] "schon intensiv hin, und wir können uns im Rahmen unseres Budgets auch einiges leisten".

ZunĂ€chst "mĂŒssen wir erst einmal unsere Hausaufgaben machen", sagte Thielen, der schon mehr als zwei Jahrzehnte als Chef der Dienstleistungssparte dem Bertelsmann-Vorstand angehört. Derzeit befinde sich Bertelsmann ĂŒber der hausinternen Verschuldungsquote. Wie Finanzvorstand Siegfried Luther mitteilte, werde man Ende 2002 wieder unter der Grenze von vier Milliarden Euro liegen. Eine geplante Milliarden-Anleihe liege wegen des schlechten Marktumfeldes weiterhin auf Eis.

Es bleibe beim Verkauf [3] der Fachinformationssparte BertelsmannSpringer, "wenn der Preis stimmt", sagte Thielen. Bis zum 1. Quartal 2003 rechne er mit dem Vollzug. Zur Zukunft der Multimedia-Agentur Pixelpark, an der Bertelsmann maßgeblich beteiligt ist [4], sagte Thielen, das Unternehmen gehöre zwar nicht zum KerngeschĂ€ft, man suche aber nach einer unternehmerischen Lösung, die in neuer Partnerschaft, neuen Produkten oder dem Verkauf bestehen könnte.

Sein Ziel sei es, wie schon von seinem VorgĂ€nger [5] Thomas Middelhoff formuliert, die Rendite des Unternehmens trotz schwieriger Konjunkturlage nachhaltig auf 10 Prozent bis zum Jahr 2005 zu steigern. Zu diesem Zeitpunkt kann der Bertelsmann-Minderheitsgesellschafter, die belgisch-kanadische Finanzholding GBL, ihre Anteile von 25,1 Prozent theoretisch an die Börse bringen. Wie Thielen bekrĂ€ftigte, haben aber die Mehrheitsgesellschafter (17,3 Prozent hĂ€lt die Familie Mohn, 57,6 Prozent die Bertelsmann-Stiftung) fĂŒr die GBL-Anteile ein Vorkaufsrecht.

Aus FinanzgrĂŒnden mĂŒsse Bertelsmann nicht an die Börse gebracht werden, so der Vorstandschef. Ein jĂ€hrliches Wachstum von acht bis zehn Prozent könne das Unternehmen aus eigener Kraft finanzieren. Bereits fĂŒr das 2. Halbjahr 2002 sagte Thielen eine "erhebliche" Gewinnverbesserung voraus. Ein starker Gewinnbringer sei das Fernsehen. Bertelsmann ist mit rund 90 Prozent an Europas grĂ¶ĂŸter Radio- und TV-Holding RTL Group beteiligt. Ungeachtet der schlechten Werbekonjunktur sei dieser GeschĂ€ftszweig als einziger Bertelsmann-Bereich in diesem Jahr gewachsen.

Im 1. Halbjahr schrumpfte der Konzernumsatz wegen der dramatischen EinbrĂŒche auf dem Werbemarkt auf 8,83 Milliarden Euro nach 9,29 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Der JahresĂŒberschuss hingegen verdreifachte sich von 577 Millionen auf 1,63 Milliarden Euro. Der operative Gewinn wurde mit 157 Millionen Euro ausgewiesen. (dpa) / (anw [6])


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[1] https://www.heise.de/news/Medienkonzern-Bertelsmann-bekommt-einen-neuen-Chef-66295.html
[2] https://www.heise.de/news/Vivendi-will-Verlagsbereich-abstossen-56115.html
[3] https://www.heise.de/news/Bertelsmann-bereitet-Verkauf-der-Fachverlagsgruppe-vor-67489.html
[4] https://www.heise.de/news/Internet-Dienstleister-Pixelpark-steckt-in-Turbulenzen-58519.html
[5] https://www.heise.de/news/Hans-Eichel-und-Telekom-Chef-Sihler-haben-keinen-Job-fuer-Middelhoff-68477.html
[6] mailto:anw@heise.de