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Berliner Abgeordnete verlangen Zeitplan fĂŒr Linux-Migration

Stefan Krempl

Der Hauptausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses hat den Senat aufgefordert, bis MĂ€rz einen Fahrplan zur Umstellung auf Open Source in der Hauptstadt vorzulegen.

Der Hauptausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses [1] fordert vom Berliner Senat bis MĂ€rz einen Fahrplan zur Migration auf Linux in der Hauptstadt. Einen entsprechenden Antrag der rot-roten Regierungskoalition haben die Parlamentarier wĂ€hrend ihrer noch andauernden Haushaltsdebatten jĂŒngst einstimmig verabschiedet. Demnach soll der Senat bis Ende des 1. Quartals 2006 eine IT-Strategie fĂŒr das Land vorlegen, der diese Vorgabe berĂŒcksichtigt.

Konkret verlangen die Abgeordneten einen "Zeit-, Maßnahmen- und Finanzierungsplan zur Umstellung zunĂ€chst der Server-Betriebsystem-Ebene auf Open-Source-Systeme". Dem soll ein entsprechender Rahmen auch fĂŒr die Umstellung der rund 58.000 in der Hauptverwaltung benutzten Arbeitsplatzcomputer auf alternative Betriebssysteme sowie Desktop- und Anwendungssoftware aus dem Open-Source-Bereich folgen. Weiter pochen die Parlamentarier darauf, dass bei der Beschaffung neuer Hardware auf die Eignung fĂŒr die Verwendung freier Software "ohne EinschrĂ€nkungen" geachtet wird. Der Wechsel weg von Microsoft-Produkten scheint in Berlin damit unaufhaltbar.

Auch beim Austausch bestehender IT-AusrĂŒstungsgegenstĂ€nde wollen die Abgeordneten Linux fest mit in der Verwaltung verankern. "Bei herstellerbedingtem Generationswechsel von Betriebssystemen und Anwendungssoftware ist zunĂ€chst unter vergleichenden Kosten- und Wirtschaftlichkeitsaspekten sowie den angestrebten offenen Standards die EinfĂŒhrung von Open-Source-Lösungen darzustellen", heißt es in dem Antrag. Insbesondere seien dabei "Anschaffungs-, Wartungs- und Lizenzkosten sowie die Kosten fĂŒr die Bereitstellung und Aktualisierung der notwendigen Sicherheitssoftware" zu berĂŒcksichtigen. Der Hauptausschuss fordert darĂŒber hinaus einen Überblick ĂŒber alle bestehenden LizenzvertrĂ€ge im IT-Bereich.

Insgesamt soll die Berliner IT-Landschaft dem Bestreben der Parlamentarier nach offener werden, wovon sie sich mehr Wettbewerb, weniger AbhÀngigkeiten und letztlich Kostenersparnisse erhoffen. "Es muss sichergestellt sein, dass bei der Beschaffung von Software offene Standards (Schnittstellen, Dokumentenformate) als Beschaffungskriterium gegeben sind", halten sie daher fest. Bei allen SoftwarekÀufen und bei der Erstellung eigener IT-Lösungen sei "strikt auf Schnittstellen- und Dokumentenformatoffenheit" zu achten. "TatsÀchliche Standards, wie beispielsweise Open Document Format (ODF) oder Extensible Markup Language (XML)" seien zudem im Gegensatz zu "herstellerabhÀngigen Quasi-Standards" den Beschaffungs- und IT-LösungsansÀtzen zu Grunde zu legen.

Der Streit um eine Linux-Migration in Berlin hatte sich im Lauf des Jahres verschĂ€rft. Nachdem die Senatsverwaltung fĂŒr Inneres eine Umstellung in der Berliner Hauptverwaltung von Microsoft-Software auf Open Source Mitte des Jahres grundsĂ€tzlich fĂŒr machbar erklĂ€rt [2] hatte, bemĂŒhte sich Microsoft Mitte August noch einmal im Rahmen eines umstrittenen Lobby-Abends [3] direkt im Abgeordnetenhaus um die Gunst der Volksvertreter. Als Pinguine verkleidete Linux-Aktivisten verliehen der Versammlung bei BĂŒffet und Bier allerdings eine ungewöhnliche Note [4]. (Stefan Krempl) / (jk [5])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-156416

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.parlament-berlin.de/
[2] https://www.heise.de/news/Berliner-Hauptverwaltung-auf-dem-Weg-zu-Linux-123894.html
[3] https://www.heise.de/news/Microsoft-rueckt-in-den-parlamentarischen-Raum-vor-122342.html
[4] https://www.heise.de/news/Aktivisten-stoeren-Microsoft-Lobbyabend-im-Berliner-Abgeordnetenhaus-123990.html
[5] mailto:jk@heise.de