Bergwertung: Porsche Boxster RS 60 Spyder
Mit dem Boxster-Sondermodell zitiert Porsche den 718 RS 60 Spyder, der Anfang der 1960er Bergrennen wie das legendäre Targa Florio gewann. Kann der moderne Nachfolger dem großen Namen seines Ahnen gerecht werden?
Haar, 22. August 2008 – Der Boxster RS 60 Spyder soll an den Porsche 718 RS 60 Spyder erinnern, der von 1957 bis 1961 gebaut wurde und so legendäre Rennen wie die Targa Florio auf Sizilien gewann. Bergrennen sind aus der Mode gekommen, doch weniger Gewicht, mehr Leistung und ein tiefer Schwerpunkt sind auch heute noch Voraussetzung für mehr Sportlichkeit. Aber machen wir uns nichts vor, das Boxster-Sondermodell mag zwar RS 60 Spyder heißen, aber das macht ihn längst noch nicht zu einem reinrassigen Bergrenner, auch wenn er seinem Vorbild zumindest in Silber und mit rotem Leder ausstaffiert optisch recht nahe kommt.
Verbeugung vor der Historie
Im Grunde seines Herzens ist und bleibt der Spyder ein Boxster S. Grundsätzlich ist daran natürlich nichts auszusetzen: Obwohl der Baby-Porsche mit (größtenteils optionalen) Komfort-Goodies wie Sitzheizung, DVD-Navi oder Tempomat an den Start rollt, haben wir es hier mit dem wohl fahraktivsten und somit begehrenswertesten Vertreter seiner Klasse zu tun. Im Gegensatz zu anderen Lifestyle-Roadstern verschreibt sich der Stuttgarter schon beim Antriebskonzept der perfekten Fahrdynamik: Der Motor etwa ist dort eingebaut, wo er bei einem Sportwagen hingehört: in der Mitte. Das sorgt für eine perfekte Gewichtsverteilung und ein neutrales Fahrverhalten bis in den Grenzbereich.
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Besser in Rot
Diesen Grenzbereich auszuloten, gehört erfahrungsgemäß nicht zu den bevorzugten Aktivitäten des typischen Boxster-Besitzers. Und so verwundert es auch kaum, dass der knapp geschnittene Innenraum des Roadsters mit jedem erdenklichen Luxus aufgewertet werden kann. Aber selbst wer sich nicht in der ellenlangen Aufpreisliste austobt, muss im RS 60 Spyder nicht darben: Die exzellenten Porsche-Sportsitze bieten nicht nur sehr guten Seitenhalt, sie sind auch ab Werk komplett beledert. In unserem Testwagen ist zwar die alternativ lieferbare, schwarze Inneneinrichtung verbaut. Authentischer wirkt der RS 60 Spyder allerdings mit dem deutlich auffälligeren, knallroten Interieur, das in Kombination mit dem silbernen Lack gekonnt den Porsche-Look der Fifties zitiert. Der massive Alu-Schaltknauf schmeichelt der rechten Hand und das halbautomatische Verdeck öffnet in Ampelstopp-tauglichen zwölf Sekunden. Lediglich der zentrale Entrieglungshebel auf Höhe des Innenspiegels muss von Hand gezogen werden, den Rest erledigen die Elektromotoren.
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Wirklich kein Weichei
Die grundsätzliche Ergonomie des kleinen Schwaben begeistert auf Anhieb: Schalter und Hebel liegen perfekt und geben keine Rätsel auf. Zudem passt die Sitzposition für Menschen bis etwa 1,85 Meter wie ein Maßanzug, und sämtliche Kontrollen wie Pedale, Lenkung und Schaltung fühlen sich äußerst direkt und knackig an. Die Symbiose von Mensch und Maschine: Im Boxster ist sie erlebbar. Jetzt aber los: Den Schlüssel, Porsche-typisch, links neben dem Lenkrad ins Schloss, ein Dreh und schon bellt der 3,4-Liter-Sechszylinder hinter dem Fahrer eine kurze, unverschämt zornige Willkommensnote aus den beiden Endrohren. Bereits auf den ersten Metern wird klar, dass wir hier einen veritablen Sportwagen unterm Hintern haben. Kupplung und Lenkung erfordern trainierte Gliedmaßen, der Motor verfällt ab 4000 Touren in ein süchtig machendes, raues Timbre und das serienmäßige, adaptive Sportfahrwerk PASM teilt auf mittelschweren Unebenheiten fröhlich Stöße aus.
Die Spaßtaste
Endgültig zum Vollbluthengst mutiert der RS 60 Spyder allerdings, sobald die unscheinbare Sport-Taste auf der Mittelkonsole aktiv ist. Denn die schaltet das PASM auf straff, verschärft die Gasannahme, aktiviert den Sportauspuff und lockert die Zügel des ESP. Ferry Porsche sagte einst „Wenn man drauftritt, muss er schießen“, und genau das tut der Boxster jetzt. Der Motor hängt noch spontaner am Gas als im Normalmodus. Schon ein Streicheln des rechten Pedals quittiert er mit gierigem Hochdrehen und einem Sound, der in Innenstädten kleine Kinder erschreckt und dem Fahrer ein ums andere Mal wohlige Schauer über den Rücken jagt. Im Gegensatz zum normalen S-Modell liegt die Leistung um bescheidene acht PS höher. Verantwortlich hierfür zeichnet die Sportabgasanlage, die im RS 60 ab Werk verbaut ist.
Langstreckentauglich
Die insgesamt 303 PS erlauben eine Höchstgeschwindigkeit von 274 km/h. Somit ist der Boxster auch für längere Autobahnetappen geeignet. Der Tank ist zwar nicht wirklich üppig bemessen, seine 64 Liter reichen aber 400 bis 500 Kilometer weit – etwas Selbstdisziplin vorausgesetzt. Auch bei geöffnetem Dach lässt es sich in der kleinen, kuscheligen Kabine gut aushalten: Bis etwa 140 km/h sind Konversationen mit dem Beifahrer ohne Megaphon möglich. Allerdings fanden einige Kollegen das Klima im offenen Boxster unangenehm zugig. Als Roadster hat er nun mal keine hinteren Seitenscheiben und durch diese seitlichen Lücken finden Turbulenzen schnell ihren Weg ins Innere und in den Fahrernacken. Im geschlossenen Wagen lärmt der Wind ab etwa 180 Sachen störend, trotz des zweilagigen und Waschstraßen-sicheren Verdecks. Wirklich zuhause fühlt sich der Zweisitzer aber nicht auf der Autobahn, sondern auf kurvigen Landstraßen. Wenn es sein muss, liegt in 5,4 Sekunden das erlaubte Reisetempo von 100 km/h an, allerdings muss man sich beim schnellen Ritt über Land schon ein wenig zurücknehmen, um nicht ständig mit deutlich erhöhter Geschwindigkeit über den Asphalt zu fliegen.
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Kurvenkünstler
Die ungestüme Art und Weise, in der sich der Boxster auf die Kurve stürzt, um sich gleich danach die nächste vorzuknöpfen, ist faszinierend. Das perfekt abgestimmte Chassis bietet souveränen Grip und bleibt stoisch neutral – das sanft regelnde ESP ist praktisch arbeitslos. Der Aluhebel flutscht präzise und mit einem wunderbar mechanischen Gefühl durch die Schaltgasse, die Anschlüsse der Gänge passen perfekt und der bissige Boxermotor stürmt ungezügelt dem Begrenzer entgegen. Die serienmäßige Stahlbremse ist dabei stets Herr der Lage, verzögert auf Wunsch mit vehementem Nachdruck und bietet einen fein definierten Druckpunkt im Pedal.
Hydraulik statt Elektrik
Die wohl wichtigste Rolle bei der Kommunikation zwischen Fahrer und Wagen übernimmt aber die Lenkung. Im Boxster schafft sie eine direkte Verbindung zwischen Straße, Rädern und Lenkrad – auf schlechtem Geläuf wird dies dadurch deutlich, dass Stöße bis ins Volant weiter geleitet werden. Kurzum: Dieses Auto muss man nicht quälen oder übermäßig hart ran nehmen, die schnelle Fortbewegung liegt ihm schlicht in den Genen. Im Gegenzug muss man allerdings mit leichten Komforteinbußen klar kommen.
Für den kleinen Geldbeutel ungeeignet
Nichts im Leben ist umsonst. Diese Binsenweisheit gilt in verschärfter Form, wenn sich die Firma Porsche für Fahrspaß entlohnen lässt. Mit 63.873 Euro ist auch der RS 60 Spyder wahrhaftig kein Sonderangebot. Zum Vergleich: Ein Audi TTS Roadster mit 272 PS kostet 47.750, ein Mercedes SLK 350 mit 305 PS 46.975. Euro. Diese Vergleiche hinken natürlich ein wenig, da es sich beim RS 60 um ein gut ausgestattetes Sondermodell handelt. Ein normaler Boxster S steht mit 57.352 Euro in der Liste. Immerhin: Bis auf Kleinigkeiten sind alle Extras des limitierten Boxster auch für die Serie zu haben. Wer das S-Modell mit dem silbernen Sonderlack, roter Lederausstattung, Sportauspuff oder 19-Zoll-Rädern auf das Niveau des RS konfiguriert, landet allerdings bei deutlich über 70.000 Euro.
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Noch angemessener Verbrauch
Noch mehr ist für unseren gut ausgestatteten Testwagen fällig: Details wie die Bi-Xenon-Scheinwerfer, das Bildschirm-Navi mit Telefonmodul und Bose-Sound oder das Sport Chrono Paket Plus treiben den Gesamtpreis auf heftige 73.321 Euro. Die Porsche-Politik, im Inneren lediglich Teile in Metall-Optik, nicht etwa aus Aluminium zu verbauen, stößt angesichts dieser Summe schon ein wenig sauer auf. Beim Verbrauch steht der Boxster hingegen nicht schlecht da: Porsche nennt als Gesamtwert 10,6 Liter auf 100 Kilometer, im Alltag genehmigte sich unser Modell insgesamt 12,6 Liter Super Plus. Damit liegt er zwar in den Werksangaben deutlich über dem schwächeren Audi TTS Roadster (8,2 Liter pro 100 Kilometer), allerdings ist dessen 2,0-Liter-Turbo in der Realität – und wenn es flott voran gehen soll – auch nicht gerade ein Kostverächter. Die Betriebskosten für den Porsche sind entsprechend hoch: Laut ADAC-Kostenübersicht (www.adac-autokosten.de) sind pro Kilometer 90 Cent fällig, beim Audi reichen für die gleiche Strecke 68.
Datenblatt
| Modell | Porsche Boxster RS 60 Spyder |
| Motorart | Boxermotor |
| Zylinder | 6 |
| Ventile pro Zylinder | 4 |
| Hubraum in ccm | 3.387 |
| Leistung in PS | 303 |
| Leistung in kW | 223 |
| bei U/min | 6.250 |
| Drehmoment in Nm | 340 |
| bei U/min | 4.400 bis 6.000 |
| Antrieb | Heckantrieb |
| Gänge | 6 |
| Getriebe | Schaltgetriebe |
| Spurweite vorn in mm | 1.491 |
| Spurweite hinten in mm | 1.533 |
| Radaufhängung vorn | McPherson |
| Radaufhängung hinten | Einzelradaufhängung an Querlenkern, Stabilisator |
| Bremsen vorn | Scheiben, innenbelüftet, gelocht, 318 mm |
| Bremsen hinten | Scheiben, innenbelüftet, gelocht, 299 mm |
| Wendekreis in m | 11,1 |
| Räder, Reifen vorn |
235/35 ZR 19 auf 8J x 19-Alufelgen |
| Räder, Reifen hinten |
265/35 ZR 19 auf 9,5J x 19-Alufelgen |
| Lenkung | Zahnstangen-Servolenkung, hydraulisch |
| Länge in mm | 4.329 |
| Breite in mm | 1.801 |
| Höhe in mm | 1.282 |
| Radstand in mm | 2.415 |
| Leergewicht in kg nach EU inklusive 68 kg Fahrer und 7 kg Gepäck | 1.430 |
| Zuladung in kg | 200 |
| Kofferraumvolumen in Liter | 150/130 (vorne/hinten) |
| Tankinhalt in Liter | 64 |
| Kraftstoffart | Super Plus |
| Höchstgeschwindigkeit in km/h | 274 |
| Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden | 5,4 |
| Elastizität von 80-120 km/h in Sekunden | 6.6 |
| EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km | 10,6 |
| EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km | 15,3 |
| EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km | 7,8 |
| CO2-Emission in g/km | 254 |
| Schadstoffklasse | Euro 4 |
| Steuer pro Jahr in Euro | 229 |
| Haftpflicht-Klasse | 13 |
| Teilkasko-Klasse | 28 |
| Vollkasko-Klasse | 26 |
| Service-Intervalle | 30.000 km oder alle 2 Jahre |
| Garantie | 2 Jahre ohne km-Begrenzung, 10 Jahre gegen Durchrostung |
| Autonews Datenblatt-ID | 22329 |
Preisliste
| ASR | Serie |
| ABS | Serie |
| ESP | Serie |
| Währung | Euro |
| Grundpreis | 63.873 |
| Airbag Fahrer | Serie |
| Airbag Beifahrer | Serie |
| Seitenairbags vorn | Serie |
| Kopfairbags vorn | Serie |
| elektr. Fensterheber vorn | Serie |
| elektr. verstellbare Außenspiegel | Serie |
| Manuelle Klimaanlage | Serie |
| Klimaautomatik | 464 |
| Zentralverriegelung mit Fernbed. | Serie |
| Automatikgetriebe | 2.642 |
| Navigationssystem | 2.921 |
| CD-Player | Serie (inkl. MP3-Funktion) |
| Metallic-Lackierung | Serie |
| Leichtmetallfelgen | 19-Zöller Serie |
| Sitzhöheneinstellung | Serie |
| Tempomat | 440 |
| Lederausstattung | Serie |
| Xenon-Scheinwerfer | 1.059 |
| Nebelscheinwerfer | Serie |
| Modell | Porsche Boxster RS 60 Spyder |
| Hardtop | 2.249 |
| Windschott | 327 |
| Keramikbremse (PCCB) | 8.032 |
| Sport Chrono Paket Plus | 797 |
| Hardtop | 2.249 |
| Windschott | 327 |
| Keramikbremse (PCCB) | 8.032 |
| Sport Chrono Paket Plus | 797 |
| Hardtop | 2.249 |
| Windschott | 327 |
| Keramikbremse (PCCB) | 8.032 |
| Sport Chrono Paket Plus | 797 |
| Hardtop | 2.249 |
| Windschott | 327 |
| Keramikbremse (PCCB) | 8.032 |
| Sport Chrono Paket Plus | 797 |
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