Bahnchef kritisiert Umsetzung des deutschen E-MobilitÀtsprogramms
RĂŒdiger Grube, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Deutschen Bahn, sorgt sich, dass das Thema ElektromobilitĂ€t hierzulande nur "halbherzig" vorangetrieben wird. Der chinesische Wissenschaftsminister Wan Gang betonte, dass E-Autos "ein Muss" darstellten.
RĂŒdiger Grube, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Deutschen Bahn, sorgt sich, dass das Thema ElektromobilitĂ€t hierzulande nur "halbherzig" vorangetrieben wird. Er habe etwa "groĂe Magenschmerzen", dass E-Autos nicht mit innovativen Marketingkonzepten an den Kunden gebracht wĂŒrden, erklĂ€rte der Konzernchef am Montag auf der Internationalen Konferenz fĂŒr E-MobilitĂ€t [1]. Es sei zwar "klasse", was Politik, Wirtschaft und Wissenschaft im Rahmen der Nationalen Plattform ElektromobilitĂ€t [2] leisteten, aber das sei noch viel zu wenig.
(Bild:Â Stefan Krempl)
Firmen redete Grube ins Gewissen, mit gutem Beispiel voranzugehen. Die Bahn selbst werde 2500 E-Fahrzeuge einkaufen fĂŒr den Eigenbetrieb. Und man arbeite mit Siemens und der Deutschen Telekom an einer Initiative, 10.000 elektrische Firmenautos einzusetzen. Die Bahn sei zudem schon heute mit ihrer Carsharing-Plattform Flinkster, die 500 emissionslose Kleinwagen im Betrieb habe, der gröĂte Betreiber von Elektrofahrzeugen in Deutschland. Dabei mĂŒsse man auch offen sein fĂŒr Mischkalkulationen. So investiere der Konzern zehn Prozent der mit dem Wohlwollen der Kunden generierten Mehreinnahmen in erneuerbare Energien.
FĂŒr Opel-Chef Karl-Thomas Neumann liegt der SchlĂŒssel zum Durchbruch in der Kohlendioxid-Gesetzgebung. Die Niederlande etwa hĂ€tten hier sehr scharfe Vorgaben erlassen, sodass der Hybridwagen Ampera sich dort gut verkaufe. Andererseits werde der Fahrzeugtyp in anderen EU-LĂ€ndern nicht einmal als abgasarm eingestuft, sodass noch Harmonisierungsbedarf bestehe. Auch Einsparmöglichkeiten bei City-Mauts oder vereinfachte Anmeldeverfahren stellten politische Stellschrauben dar. Ein Listenpreis von 45.900 Euro fĂŒr den Ampera sei hoch, rĂ€umte Neumann ein. Damit verliere der Autobauer aber Geld und subventioniere das Fahrzeug so intern.
Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach sich dafĂŒr aus, Prozesse und Systeme rund um die ElektromobilitĂ€t stĂ€rker zusammenzufĂŒhren. AuĂerdem machte sie einen engen Zusammenhang mit der Energiewende aus. Sonst verfĂŒge auch das "scheinbar so tolle Elektroauto" ĂŒber keine emissionsarme Fahrweise. ZusĂ€tzlich sei es wichtig, "schnellstmöglich eine gute Ladeinfrastruktur hinzubekommen". Um die Integrationserfordernisse zu meistern, warb Merkel fĂŒr "viel Zusammenarbeit zwischen LĂ€ndern". Dazu sei die Normung "die halbe Miete im GeschĂ€ft". Merkel begrĂŒĂte daher den Vorschlag der EU-Kommission [3], "unseren Lieblingsstecker" fĂŒr Ladestationen europaweit verbindlich zu machen.
Zugleich stellte sich die Kanzlerin hinter die Forderung von Autobauern wie Daimler, die Kohlendioxidgrenzen fĂŒr Autos mit den sogenannten Supercredits stĂ€rker auf den Flottendurchschnitt eines Herstellers anzurechnen. Kritiker wie Greenpeace sehen dahinter ein Reinwaschen der Industrie, der nur daran gelegen sei, weiter Luxuskarossen zu fabrizieren. Die Regierungschefin hielt dagegen, dass Innovationstreiber oft gerade aus der Entwicklung "gröĂerer" Autos stammten und "diese Wertschöpfungskette nicht kaputt" gemacht werden solle.
(Bild:Â Stefan Krempl)
Unisono mit Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler lehnte Merkel "KaufprĂ€mien" und weitere Subventionen ab. FĂŒr die Akzeptanz beim Kunden sei es wichtiger, "groĂartige Fahrzeuge hervorzubringen", da diese dann "automatisch" angenommen wĂŒrden, meinte der FDP-Politiker. Dabei werde sich auch die Gesellschaft verĂ€ndern, wenn etwa mehr Fahrzeuge "geteilt" wĂŒrden.
Der chinesische Wissenschaftsminister Wan Gang betonte, dass Elektrofahrzeuge "ein Muss" darstellten. Es gebe trotz eines "sehr zĂ€hen Prozesses" bei der Verbreitung der Technik keine Alternative dazu, um Erdölimporte und den Kohlendioxidausstoss zu verringern. Ziel seiner Regierung sei es, bis 2015 rund 500.000 Busse und zwei Millionen private Autos mit E-Antrieb auf die StraĂe zu bringen. Bis Ende 2012 seien 27.400 Fahrzeuge erreicht worden. Zum Vergleich: Die Bundesregierung will bis 2020 eine Million E-Autos auf deutschen StraĂen, derzeit sind es einige tausend.
400 Millionen Pfund habe die britische Regierung fĂŒr die Förderung der E-MobilitĂ€t derzeit bereitgestellt, fĂŒhrte der aus London angereiste TransportstaatssekretĂ€r Norman Baker aus. 20 Modelle wĂŒrden im nĂ€chsten Jahr erwartet. Als erfolgreich bezeichnete er Versuche mit "kabellosem Laden", die die Technik nutzerfreundlicher machen sollen.
Bernhard Rohleder, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Hightech-Verbands Bitkom, drĂ€ngte derweil auf einen "ganzheitlicheren Ansatz bei der Förderung". Im Zentrum der ElektromobilitĂ€t stehe ein hochkomplexes Informations- und Kommunikationsnetz, von dem Fahrzeuge, Energiebereitstellung und Verkehrsströme gemanagt wĂŒrden. Im Fokus der Entwicklung solle daher "das System E-MobilitĂ€t" als Kern intelligenter Verkehrs- und Energienetze stehen. (mho [4])
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[2] http://www.bmu.de/themen/luft-laerm-verkehr/verkehr/elektromobilitaet/n%20ationale-plattform-elektromobilitaet/
[3] https://www.heise.de/news/EU-Kommission-will-die-saubere-Mobilitaet-befluegeln-1790869.html
[4] mailto:mho@heise.de
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