BMW zeigt Hybrid-Studie mit 3-Zylinder-Diesel auf der IAA
Der 2+2-Sitzer namens "Vision Efficient Dynamics" mit zwei E-Motoren verspricht 700 km Gesamt- bei 50 km elektrischer Reichweite und will Fahrleistungen eines M-BMW mit kleinwagentypischem Verbrauch vereinen
- rhi
München, 31. August 2009 – "Einzigartige Ästhetik" gepaart mit "hoher emotionaler Wirkung": Diese Attribute können nur wenige der heute erhältlichen Hybrid- oder Elektroautos für sich beanspruchen. Mit seiner jetzt für die IAA (17. bis 27. September) angekündigten Studie "Vision Efficient Dynamics" will BMW zeigen, wie sich Fahrleistungen "auf dem Niveau eines M-BMW" sowie eine aufregende Optik mit dem Durchschnittsverbrauch eines Kleinwagens unter einen Hut bringen lassen. Hierzu haben die Münchner einen Diesel-Plug-in-Hybrid in einer Leichtbaukarosserie mit Anleihen aus der Formel 1 untergebracht.
2+2-sitzige Flunder
Nur 1,24 Meter hoch, aber 1,90 Meter breit und 4,60 Meter lang kommt das Fahrzeug daher, der cW-Wert wird mit 0,22 angegeben. Ein Hingucker sind die beiden seitlich nach oben öffnenden Türen, die auch den Fondpassagiere einen bequemen Einstieg erlauben sollen. Allerdings hält sich die Zuladung des Konzeptautos mit 445 kg in Grenzen. Mit 150 Liter ist auch der Kofferraum im Normalzustand knapp bemessen, doch können die Lehnen einzeln umgeklappt werden.
BMW zeigt Hybrid-Studie mit 3-Zylinder-Diesel auf der IAA (32 Bilder)

Mit dieser spektakulären Studie fährt BMW zur IAA 2009.
Diesel-Hybrid
Trotz Leichtbaus bringt die Studie noch stämmige 1395 kg auf die Waage. Für den Antrieb sorgen ein Selbstzünder, der als Mittelmotor vor der Hinterachse platziert ist sowie zwei Elektromotoren, von denen einer die Vorder- und der andere die Hinterräder antreibt. Auch ein rein elektrisches Fortkommen ist möglich: BMW zufolge beträgt die rein elektrische Reichweite50 km. Außerdem besitzt der Wagen einen Tank für 25 Liter Diesel, der für eine Fahrstrecke von weiteren 650 km ausreichend sein soll.
BMW zeigt Hybrid-Studie mit 3-Zylinder-Diesel auf der IAA
Einer vorn, zwei hinten
Als Verbrennungsmotor dient ein Diesel mit drei Zylindern mit Common-Rail-Technik, der in der Studie erstmals gezeigt wird. Er holt 120 kW (163 PS) und 290 Nm aus 1,5 Litern Hubraum. Die Kraftübertragung erfolgt über ein Doppelkupplungsgetriebe (DKG) mit sechs Gängen auf die Hinterachse. Zwischen Verbrennungsmotor und DKG ist ein Elektromotor untergebracht, der dauerthaft eine Leistung von 25 kW und in Spitzen bis zu 38 kW leistet, sein Drehmonent beträgt 290 Nm. Je nach Fahrsituation wird die Kraft zum rein elektrischen Fahren oder zur Unterstützung des Verbrennungsmotors genutzt. In Brems- oder Schubphasen arbeitet die E-Maschine als Stromgenerator (Rekuperation). Ein zweiter Elektromotor wirkt auf die Vorderachse. Dieser stellt eine Dauerleistung von 60 kW und ein Drehmoment von 220 Nm zur Verfügung. 30 Sekunden lang können 84 kW, rund 10 Sekunden lang 104 kW abgerufen werden. Die Kraftübertragung erfolgt über ein zweistufiges Untersetzungsgetriebe. Die Gesamtsystemleistung gibt BMW mit 262 kW (356 PS), das maximale Drehmoment mit 800 Nm an. Als "prognostizierte Fahrleistungen" stehen eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 4,8 Sekunden und eine (elektronisch abgeregelte) Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h zu Buche.
Lithium-Polymer-Batterie im Mitteltunnel
Die BMW-Studie kann rein elektrisch, nur mit Diesel oder im kombinierten Betrieb bewegt werden. Durch den Einsatz je eines Elektromotors an der Vorder- und der Hinterachse kann das Fahrzeug auch im elektrischen Modus mit vier angetriebenen Rädern unterwegs sein. Je nach Fahrsituation werden die E-Motoren zur Energierückgewinnung genutzt. Die Energiespeicher sind in einem zentral längs verlaufenden Chassiselement untergebracht. Den vorderen Bereich nimmt die LiPo-Batterie ein, die aus 98 einzelnen Zellen mit einer Kapazität von jeweils 30 Ah besteht. Die Bruttospeicherkapazität der Akkus liegt bei 10,8 kWh. Dem Stromspeicher attestiert BMW eine "überdurchschnittlich hohe Entladefähigkeit" von 80 Prozent entsprechend 8,6 kWh, die für den Antrieb zur Verfügung sehen. Insgesamt wiegt der Speicher 85 kg. Auf eine aktive Kühlung der Batterie verzichtet BMW bei der Studie, da die für das Auto vorgesehene Betriebsstrategie einschließlich eines vorausschauenden Energiemanagements, das zum Beispiel Daten des Navigationssystems einbezieht, die thermische Belastung des Energiespeichers weit genug reduziert werde.
BMW zeigt Hybrid-Studie mit 3-Zylinder-Diesel auf der IAA
Strom und Diesel tanken
Um Strom zu zapfen, ist im vorderen rechten Kotflügel ein Stromanschluss installiert. Am Haushaltstromnetz mit 220 V/16 A soll der Ladevorgang maximal zweieinhalb Stunden dauern, an einem 380-V-Drehstromanschluss mit 32 A verringert sich nach Angaben von BMW die Ladezeit auf 44 Minuten. Zusätzlich ist im hinteren Bereich des Chassistunnels ein Kraftstofftank montiert, der 25 Liter fasst.
Eine Frage des Verbrauchs
Nach den Kriterien des aktuell vorgeschriebenen EU-Testzyklus soll der Durchschnittsverbrauch 3,76 Liter Diesel auf 100 Kilometer betragen – entsprechend 99 Gramm CO2 pro Kilometer. Zur Ermittlung dieser Werte wird eine ausgeglichene interne Strombilanz zugrunde gelegt. Damit ist gemeint, dass die an Bord des Autos befindlichen Stromspeicher bei Fahrtbeginn- und -ende in gleichem Umfang gefüllt sind und während des Testzyklus unterwegs nur durch die Bordsysteme aufgeladen werden. Den Stromverbrauch im rein elektrischen Betrieb beziffert BMW auf 17,5 kWh pro 100 Kilometer. Daraus ergebe sich unter Berücksichtigung der zur Stromerzeugung genutzten Energieträger ("EU-Strommix") ein CO2-Wert von 50 Gramm pro Kilometer. (ssu/heise Autos) / (rh)