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BMW lässt C1 als Elektroroller aufleben

Gernot Goppelt

Der BMW C1-E wirkt wie eine moderne Ausgabe des C1 der Jahrtausendwende. Der Elektroroller soll ein Unikat bleiben, zeigt aber, dass BMW die Elektromobilität auch für Zweiräder vorantreiben will

München, 6. Oktober 2009 – Der BMW C1, der einzige Roller, der ohne Helm gefahren werden darf, ist heute fast schon ein Liebhaberstück, denn er wurde ab 2000 nur drei Jahre lang gebaut. Einige Exemplare wurden zuletzt noch günstig abverkauft. Ein wesentlicher Grund für das Aus des C1 bestand darin, dass er als Neufahrzeug mit ein paar Extras kaum unter 13.000 DM zu bekommen war und damit weit teurer als übliche Roller war. Dennoch – wirtschaftlich zahlte sich der C1 für BMW nicht aus.

Jetzt hat BMW einen C1 zum Elektroroller namens C1-E umgebaut, um damit zu demonstrieren, wie ein umweltfreundliches "Einspurfahrzeug" für den Stadtverkehr aussehen könnte. Optisch wirkt der C1-E eher wie ein moderner Nachfolger als ein Umbau. Als Antrieb greift BMW auf Komponenten des amerikanischen Herstellers Vectrix zurück, dessen großer Elektroroller VX1 [1] hierzulande übrigens für knapp 10.000 Euro zu haben ist. Als Energiespeicher dient ihm eine Lithium-Ionen-Batterie mit einer Kapazität von 3,7 kWh. Das genügt laut Vectrix für eine Strecke von 50 bis 110 Kilometer, je nach Fahrweise. Mit 27 PS und 65 Nm steht für den angepeilten Einsatz genügend Kraft zur Verfügung. Ob die Studie genau diesen Antrieb hat, sagt BMW nicht, doch derartige Werte wären allemal stadttauglich.

BMW lässt C1 als Elektroroller aufleben (0 Bilder) [2]

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BMW betont, dass die Studie "momentan" ein Unikat bleiben soll, doch man darf annehmen, dass mit Hilfe des C1-E die Reaktionen eines möglichen Publikums getestet werden sollen. Zur Zeit des C1 mit Verbrennungsmotor dachte noch kaum jemand an Elektroroller, doch das hat sich geändert. Wie BMW selbst sagt, "bieten Zweiräder die große Chance, den urbanen Verkehr flüssig, umweltfreundlich und individuell zu gestalten". Das gilt mit Elektroantrieb natürlich erst recht.

Außerdem ist die Batterie für einen Roller einigermaßen erschwinglich: Knapp 4 kWh sollten mittelfristig für etwa 2000 Euro machbar sein, längerfristig müssten 1200 Euro genügen, wenn man manchen Experten [4] glauben mag. Das wäre erheblich günstiger als eine Antriebsbatterie für Autos. Dort sind Kapazitäten unter 15 kWh kaum sinnvoll, wenn man wenigstens 100 Kilometer weit fahren will. Angesichts derzeitiger Preise wären 8000 Euro für einen Elektroroller von BMW deshalb keine Utopie.

Es bleibt allerdings das Problem der geringeren passiven Sicherheit von Zweirädern – doch genau deswegen haben die Bayern noch einmal den C1 zum Leben erweckt. Sein Sicherheitskonzept zeigt sich noch immer mindestens auf Höhe der Zeit. Man ist in einer Art Sicherheitszelle untergebracht, die aus Überrollbügeln geformt ist. Vorne gibt es ein energieverzehrendes Aufprallelement und man ist wie im Auto angeschnallt. Deswegen ist in den meisten Ländern das Fahren ohne Helm erlaubt und eine Press-Frisur bleibt einem erspart.

Erkenntnisse aus dem Projekt könnten in die Entwicklung zukünftiger Einspurfahrzeuge einfließen, schreibt BMW, und das klingt auch plausibel. BMW bemüht sich seit langem um mehr Zweiradsicherheit, Merkmale wie ABS oder eine Schlupfregelung gibt es heute in Serie. Zudem verweist der Auto- und Motorradhersteller auf das Projekt eSUM, einer Kooperation zwischen Städten wie Paris, Rom, Barcelona und London auf der einen und den Zweiradherstellern BMW und Piaggio auf der anderen Seite. Das gemeinsame Ziel sei die Identifizierung, Entwicklung und praktische Demonstration von Maßnahmen, die in Zukunft ein sichereres Motorrad- und Rollerfahren im Innenstadtverkehr gewährleisten können.

Im Zweiradbereich ist BMW zumindest im deutschen Vergleich in einer günstigen Situation: Es gibt die Zweirad-Expertise im eigenen Hause, falls Elektroroller tatsächlich vom Markt verlangt werden. Unwahrscheinlich ist das nicht, weil ein solches Fahrzeug für Privatleute einigermaßen erschwinglich wäre – im Gegensatz zu Elektroautos, bei denen die Batteriepreise noch über längere Zeit die Kauflust dämpfen werden. Deswegen könnte übrigens auch stimmen, was vor kurzem eine große Motorradzeitschrift über das Interesse von Volkswagen an Suzuki geäußert hat: Man bekäme damit auch einen Zweiradhersteller ins Haus, der sich noch als wertvoll erweisen könnte. (ggo [5])


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[3] https://www.heise.de/bilderstrecke/4721306.html?back=813280;back=813280
[4] https://www.heise.de/news/Erster-Deutscher-Elektro-Mobil-Kongress-in-Bonn-455757.html
[5] mailto:ggo@heise.de