BMW: Erste Details zum i4
BMW verrät, in welche Richtung es mittelfristig bei seinen E-Autos geht. Die werden kräftig und weitreichend. Die ersten Modelle werden SUV und sollen ab dem kommenden Jahr verkauft werden. 2021 folgt der i4
- Stefan Grundhoff
- pressinform
„Ist die deutsche Autoindustrie noch zu retten?“, fragte sich kürzlich der stets kontrovers formulierende Franz Alt bei den Kollegen von Telepolis in einem Kommentar. Wie so an so vielen Orten wurde auch hier der „quirlige“ Tesla-Gründer Elon Musk als leuchtendes Vorbild präsentiert, an dem sich die „alten und behäbig gewordenen, deutschen Automobilproduzenten“ ein Beispiel nehmen könnten.
Wer gewinnt?
Was bei aller Musk-Begeisterung hin und wieder übersehen wird: Der wirtschaftliche Durchbruch von Tesla steht wieder einmal unmittelbar bevor. Unglücklicherweise tut er das schon eine ganze Weile, während die von Idealisten so verachtete, deutsche Autoindustrie weltweit auch finanziell Erfolg hat. Für Tesla werden die Zeiten nicht unbedingt einfacher, denn die „alten und behäbigen“ Autohersteller steigen just zu dem Zeitpunkt groß in den E-Auto-Markt ein, ab dem er nachhaltige Gewinne andeutet.
BMW: Erste Details zum i4 (13 Bilder)

Die Bayern sich vergleichsweise früh und mutig vorgewagt, der BMW i3 (Test) ging ganz bewusst eigene Wege. Der Konzern hat in den vergangenen Jahren oft betont, mit den Absatzzahlen des Technologieträgers zufrieden zu sein, doch künftig rudert man ein Stück zurück in Richtung Massenmarkt. Der i4 wird eine Limousine im aktuellen Stil des Hauses. Anders als der i3 wird sie, was die Materialien betrifft, konventionell sein. Größere Fortschritte sind dagegen bei der Batterietechnik zu erwarten.
Auf den Markt kommen soll der i4 in anderthalb Jahren. Er wird zwar in München gebaut, doch die Batteriezellen kauft BMW extern hinzu und sorgt sich am Stammsitz in der bayrischen Landeshauptstadt allein um die Entwicklung von Batterien und Elektroantrieben. Daher wurde im Münchner Norden ein neues „Kompetenzzentrum für Batterietechnik“ eröffnet. Die Bayern wollten wissen, was sie von den aktuellen Akkuzulieferern wie CATL oder Samsung einkaufen, um jederzeit Herr der Lage zu sein, heißt es durchaus selbstbewusst bei BMW. „Von der heutigen Technologie des BMW i3 ausgehend verdoppeln wir die Energiedichte unserer Batteriezellen bis 2030 und damit auch die Reichweite für unsere Kunden“, sagt der neue BMW-Vorstandsvorsitzende Oliver Zipse.
Einzigartige Position
Ab 2021, wenn die fünfte Generation der Elektroantriebe Einzug hält, will man in Marokko und Australien sogar die Rohstoffe selbst einkaufen und dann an die Zulieferer für die Verwendung weitergeben. Das neue Kompetenzzentrum Batteriezelle bringe BMW in eine einzigartige Position, argumentiert Zipse, denn dadurch ließen sich die funktionale Leistung und die Kosten der Batterie beeinflussen.
Batteriefortschritt
Der i4 ist technisch eng mit der aktuellen 3er-Reihe verbunden und wird die elektrifizierte Version des 4er Gran Coupé, das ab Ende 2020 mit Verbrennungsmotoren angeboten wird. Im i4 soll es verschiedene Konstellationen geben – wahlweise ist nur hinten ein E-Motor eingebaut oder je einer vorne und hinten. Die Batterien sind flach unter dem Boden in einem Rahmen verbaut. Bei ähnlicher Leistung sind die einzelnen Batteriepakete rund 40 Prozent flacher und auch deutlich kleiner als im i3.
BMW E-Autos mit reichlich Leistung
Die groben Zielvorgaben stehen bereits fest: Die Antriebsstränge sollen in etwa ein Leistungsspektrum zwischen 220 kW (knapp 300 PS) und 390 kW (530 PS) abdecken. Die starken Versionen sind damit problemlos bei der M GmbH unterzubringen, was auch so kommen dürfte. BMW nennt für den i4 als grobe Orientierung unter 4 Sekunden im Standardsprint und mehr als 200 km/h Höchstgeschwindigkeit. Die Nachteile hinsichtlich der Fahrdynamik durch das Mehrgewicht im Vergleich zu einem 4er Gran Coupé mit Verbrenner sollen im i4 mit deutlich mehr Leistung, einer höheren Karosseriesteifigkeit und einen niedrigeren Schwerpunkt ausgeglichen werden.
Ohne seltene Erden
Leistungselektronik, Ladeeinheit und Hochvoltbatterie will BMW in Eigenregie entwickeln. Seltene Erden, bisher elementarer Bestandteil von Elektroautos, sind in der Antriebstechnik des i4 kein Thema mehr. Die Batterie soll rund 550 kg wiegen und eine Kapazität von 80 kWh haben. BMW rechnet mit einer maximalen Reichweite von 500 bis 600 km. Aufgeladen werden kann mit bis zu 150 kW, wobei dies nur der aktuelle Stand sein dürfte. Im Serienmodell sind durchaus auch höhere Ladeleistungen denkbar, schließlich entsteht ja an deutschen Autobahnen eine leistungsstärkere Infrastruktur, die beispielsweise der Porsche Taycan schon nutzen kann.
Der Kunde darf sich freuen
Der stark wachsende E-Auto-Markt hat derzeit global so viel Potenzial, dass alle wachsen können. Die Verdrängung auf einem gesättigten Markt liegt noch in weiter Ferne, was Tesla durchaus helfen könnte. Die anderen Hersteller dürfen sich indes freuen, dass einer vorangegangen ist und den Weg bereitet hat. Der wird in den kommenden Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit so breit sein, dass weitere Mitstreiter den Markt eher beleben, als sich gegenseitig auf die Füße zu treten. Profiteure sind aber vor allem wir Kunden, denn nach inzwischen einigen Kilometern in diversen E-Autos lässt sich festhalten: Was da auf uns zurollt, dürfte vielen gut gefallen. (mfz)