Ausprobiert: Skoda Kodiaq
(Bild: Skoda)
Ein halbes Jahr vor der Händlerpremiere ist das erste Kompakt-SUV von Skoda für letzte Tests unterwegs. Dabei zeigt sich, dass bis zum Schluss an Details gearbeitet wird. Dennoch macht der Kodiaq schon jetzt einen guten Eindruck
Weiterstadt, 7. Juli 2016 – Die Schnellsten sind sie bei Volkswagen bekanntermaßen nicht. Schon der der Tiguan war nicht gerade ein Vorreiter, in der Folge aber sehr gefragt. Fast zehn Jahre nach seiner Vorstellung verteilt Volkswagen nun die Basis des zweiten Tiguan auch an die Marken Skoda und Seat. Ganz dem zugedachten Image entsprechend, soll der Seat Ateca ein sportliches SUV sein, dem Skoda-Ableger fällt wieder einmal die Rolle des Pragmatikers zu. Dabei wird zumindest der Skoda Kodiaq einen vergleichbaren Tiguan als Gegner bekommen.
Kritik vom Vorstand
Auf letzten Abstimmungsfahrten konnten wir erkennen, dass die Techniker bis zur endgültigen Freigabe noch ein wenig zu tun haben. Das ist nicht ungewöhnlich, denn die Entwicklungszeiten werden immer kürzer. Dementsprechend wird bis zum Schluss an Details gearbeitet. Bei solchen Abnahmefahrten sind dann auch Mitglieder des Vorstandes dabei, die Technikern dann mitunter ziemlich unverblümt die Meinung sagen. Im Falle des Kodiaqs ist das unter anderem der Vorstandsvorsitzende Bernhard Maier, der befindet, dass „das Auto im Fahrmodus Sport beim Anbremsen vor einer Kurve runterschalten muss, damit im Scheitelpunkt der richtige Gang anliegt, um heraus zu beschleunigen“. Nun gut, Maier ist in solchen Dingen wohl vorbelastet als ehemaliger Marketingvorstand bei Porsche.
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Die sportlichere Getriebeabstimmung dürfte leichter zu bewerkstelligen sein als eine größere Spreizung zwischen den Fahrwerksmodi. Aktuell erscheint der Kodiaq selbst in „Sport“ ziemlich komfortabel. Auch die Lenkung wirkt noch nicht so direkt und transparent wie gefordert.
1.5 TSI kommt vorerst nicht
Alle Motoren sind aus anderen Modellen des Konzerns bekannt. Zum Start wird es den Zweiliter-Diesel mit 150 und 190 PS geben. Dazu kommen Benziner mit 125, 150 und 180 PS. Nach derzeitigem Stand bekommt der Kodiaq die alten 1,4-Liter-Benzinern und nicht die neuen 1,5-Liter-TSI. Möglich ist jedoch, dass die Konzernleitung sich das noch einmal überlegt. Relativ unwahrscheinlich ist jedoch, dass es bei maximal 190 PS bleibt. Denkbar wären der Zweiliter-Benziner aus dem Golf GTI oder auch der 280-PS-Benziner wie im Skoda Superb.
Spannend wird es beim Infotainment, denn der Kodiaq wird nicht nur die derzeit aktuelle Generation mit Achtzoll-Display bekommen, sondern auch eine neue mit einem 9,2-Zoll-Bildschirm. Die dürfte dann auch auf Gesten reagieren, was bei dieser Ausfahrt freilich keiner bestätigen wollte. Das restliche Angebot klingt nicht gerade innovativ: Karten von Google Earth, Onlinesuche, Bedienung per Sprache und eine Hotline, die nötigenfalls bei der Bedienung des Fahrzeugs hilft – eine Killerapplikation, die sonst keiner hat – ist nach derzeitigem Stand nicht dabei.
Fünf- und Siebensitzer
Der Kodiaq wird als Fünf- und als Siebensitzer angeboten. Die mittlere Sitzreihe im Siebensitzer ist verschiebbar. Natürlich ist das Platzangebot ganz hinten knapp, auf 4,7 Metern lassen sich nun mal keine Platzverhältnisse wie in einer Mercedes V-Klasse [3] schaffen. Sitzen aber nicht gerade drei Riesen hintereinander, kann man sich zumindest auf kurzen Strecken schon arrangieren. Allerdings schrumpft dann der Kofferraum auf 270 Liter. Maximal sind beim Fünfsitzer 2065 Liter möglich, 60 Liter mehr als beim Siebensitzer. Die Ladekante ist mit 75 Zentimetern ziemlich hoch.
Dazu hat sich Skoda wieder ein paar Kleinigkeiten einfallen lassen, die den Alltag mit dem Auto erleichtern sollen. Wer im Fond des Kodiaq schlafen will, findet an den äußeren Sitzen eine Art ausklappbares Ohr, an dem er seinen Kopf anlehnen kann. Ein kleiner Plastikschutz soll Kratzern an der Türkante vorbeugen. Erfunden hat Skoda das nicht, Ford bietet ein ganz ähnliches System schon seit Jahren an.
Basispreis um 25.000 Euro
Noch nichts sagen wollten die Verantwortlichen zu den Kodiaq-Preisen – kein Wunder, denn bis zur Händlerpremiere dürfte mindestens noch ein halbes Jahr vergehen. Wir rechnen damit, dass das Basismodell knapp unter 25.000 Euro kosten wird. Wie beim Superb dürften mit nur wenigen Extrawünschen 30.000 Euro schnell überschritten sein. Das Skoda mit dem ersten SUV in dieser Klasse kein Trendsetter ist, soll ja schließlich nicht etwa dahingehend missverstanden werden, dass man etwas zu verschenken habe. Der Kodiaq vermittelt nach dieser ersten Fahrt auch nicht unbedingt den Eindruck, als wenn dies nötig wäre. (mfz [4])
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