Auf dem Weg zum Elektroauto – ist der Hybrid überflüssig?
Auf der Tokyo Motor Show wird diskutiert, ob es nicht an der Zeit ist, Hybridkonzepte aufzugeben und direkt den Sprung zum reinen Elektroauto zu wagen. Denn nur so seien Fahrzeuge ohne Emissionen möglich.
- Gernot Goppelt
Hannover, 24. Oktober 2007 – Wenn es um die Frage geht, welche Rolle die Elektrifizierung von Automobilantrieben spielen wird, gehen große Automobilhersteller aufeinander los, wie man es sonst nur aus dem Silicon Valley kennt – das meint zumindest das „Wall Street Journal Online“ in einem Artikel vom 24. Oktober anlässlich der Tokyo Motor Show. Eigentlich sei man bisher einen zahmeren Umgang miteinander gewohnt gewesen.
Auf der Motor Show sei in dieser Woche ein Streit darüber entstanden, ob es nicht an der Zeit sei, die teilweise Elektrifizierung von Autos – also Hybridkonzepte mit Verbrennungsmotor – kurzerhand zu überspringen und lieber gleich die Idee des reinen Elektroautos wiederzubeleben.
Auf dem Weg zum Elektroauto – ist der Hybrid überflüssig? (4 Bilder)

Der G4e Concept von Subaru soll nur mit Strom 200 km weit kommen.
Wurde der Elektroantrieb kleingehalten?
Das Sachmotiv ist klar: Behörden in den USA und Europa werden die Automobilhersteller zwingen, den Spritverbrauch zukünftiger Fahrzeuge dramatisch zu reduzieren, selbst die Forderung nach null Emissisonen ist denkbar. Toyota und General Motors haben jedoch laut Wall Street Jounal die Bedeutung des reinen Elektroantriebs bisher zugunsten von Hybridkonzepten heruntergespielt, wenn sie auch in der konkreten Umsetzung unterschiedliche Ansätze favorisieren.
So zeigten sich Renault/Nissan und Honda in Tokio skeptisch, was die „ökonomische Weisheit“ von Hybriden betrifft und machten sich für reine Elektroautos stark. Dahinter könnte jedoch auch Marketing stecken, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Denn Renault/Nissan liegt derzeit im Bereich der Hybridtechnik nicht unbedingt an der Spitze; Honda dagegen ist mit Hybridfahrzeugen durchaus erfolgreich, engagiert sich bei der Entwicklung von Brennstoffzellenfahrzeugen, und gehört zu den Pionieren bei reinen Elektrofahrzeugen. Das Unternehmen kann also dem Ausgang politischer Diskussion gelassen entgegesehen.
Auf dem Weg zum Elektroauto – ist der Hybrid überflüssig?
Reine Elektroautos sinnvoller als Hybridfahrzeuge?
Renault/Nissan-Chef Carlos Ghosn und Hondas Präsident Takeo Fukui sagten laut Bericht gestern in zwei Interviews, das reine Elektroautos sinnvoller seien – sowohl ökonomisch und ökologisch als auch politisch – vorausgesetzt, es gebe Fortschritte bei der Lithium-Ionen-Batterietechnik. Denn diese würde die Reichweite von Elektrofahrzeugen deutlich erhöhen, ist aber noch nicht serienreif. Interessanterweise ist es übrigens ausgerechnet die Firma General Motors, die seit einiger Zeit die Lithium-Ionen-Technik mit Entwicklungspartners erklärtermaßen vorantreibt und dies sicherlich nicht nur für Hybridfahrzeuge.
Gleichwohl spricht keiner der großen Automobilhersteller davon, die Technik der Verbrennungsmotoren in näherer Zukunft aufgeben zu wollen. Aber die Sorge, staatlich erzwungene Emissionsgrenzwerte immer schwerer einhalten zu können, lässt die Hersteller natürlich fieberhaft nach Alternativen suchen.
Renault/Nissan will bis 2012 Elektroautos in den Markt bringen
Carlos Ghosn sagte dem Bericht nach in einem Interview, dass sein französisch-japanisches Unternehmen bis 2012 „eine beträchtliche Anzahl von Elektroautos“ in den Markt bringen will. Man glaube, dass Hybridfahrzeuge mit Ottomotor die „Regulatoren“ in Europa und USA nicht zufriedenstellen würden. Und noch konkreter: „Wir glauben, dass in Städten wie Paris und London Autos verboten werden, wenn es keine Zero-Emission-Cars sind“. Ghosn glaube daran, dass die Lithium-Ionen-Technik bald die Reife habe, um den Antrieb rein elektrischer Stadtfahrzeuge versorgen zu können, Renault/Nissan wolle aber deswegen nicht die gesamte Fahrzeugflotte auf Elektroantrieb umstellen.
Auf dem Weg zum Elektroauto – ist der Hybrid überflüssig?
Honda-Chef findet Plug-in-Hybride überflüssig
Honda-Chef Fukai äußerte sich skeptisch über die so genannten Plug-in-Hybride, wie sie in jüngerer Vergangenheit beispielsweise GM, Volvo und Toyota vorgestellt haben. Zusätzlich zum „konventionellen“ Hybridbetrieb lassen sich diese Autos an der Steckdose laden, um teilweise einen rein elektrischen Fahrbetrieb zu ermöglichen. Fukai sieht diese Fahrzeuge als batteriebetriebene Elektrofahrzeuge, die überflüssigerweise einen Verbrennungsmotor und Benzintank mit sich herumschleppen.
Mit diesen Äußerungen entsteht eine neue Qualität in die Diskussion um den Antrieb der Zukunft, nachdem man in letzter Zeit den Eindruck gewinnen konnte, es hätte sich ein Konsens in Richtung des Hybridantriebs herausgebildet. Inwieweit sich die Argumentation für reine Elektrofahrzeuge technisch unterfüttern lässt, wird sich zeigen müssen. Denn auch den Strom gibt es bekanntlich nicht umsonst und regenerative Energien zu seiner Erzeugung stehen noch nicht annähernd ausreichend zur Verfügung.
Neue Verwirrung auf der Suche nach dem Antrieb der Zukunft
Immerhin könnte es so gelingen, neue Verwirrung zu stiften und das vielleicht mit Absicht. Nachdem sich nun auch deutsche Automobilhersteller mit dem Hybridantrieb anfreunden können, kann es ja nicht schaden, neue Diskussionsfronten zu eröffnen. Denn wie gesagt: Vor allem Renault kann bisher wenig anbieten, weder im Hybridbereich, noch bei Elektrofahrzeugen. Und Honda darf in aller Ruhe verfolgen, ob sich andere Hersteller auf die Diskussion einlassen, gewappnet ist das Unternehmen allemal.
(ggo)