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Astronomie: FĂŒr 1000 Jahre keine globale Gefahr durch Asteroideneinschlag

Martin Holland

(Bild: ImageBank4u/Shutterstock.com)

Asteroiden mit einem Durchmesser von einem Kilometer und mehr könnten die Menschheit auslöschen. In den nÀchsten 1000 Jahren droht aber keine solche Kollision.

Die Erde wird in den nĂ€chsten 1000 Jahren aller Voraussicht nach nicht von einem Asteroiden getroffen, der einen Durchmesser von einem Kilometer oder mehr hat. Das haben vier US-amerikanische Forscher auf Basis der aktuell verfĂŒgbaren Daten und verbesserter Modellierungen ermittelt. Zwar könnten EinschlĂ€ge kleinerer Objekte immer noch regional oder gar auf einem ganzen Kontinent verheerende SchĂ€den anrichten, aber die Gefahr eines Einschlags, der die gesamte menschliche Zivilisation gefĂ€hrdet, ist wohl gebannt. Bislang konnten Prognosen zu Einschlagwahrscheinlichkeiten nicht so weit in die Zukunft hinein getĂ€tigt werden. Studienleiter Oscar Fuentes-Muñoz von der UniversitĂ€t von Colorado spricht von einer "guten Nachricht".

Die als Vorabveröffentlichung einsehbare [1] und zur Veröffentlichung im Astronomical Journal angenommen Arbeit basiert auf den seit einigen Jahren deutlich verstĂ€rkten BemĂŒhungen, alle potenziell gefĂ€hrlichen Asteroiden zu finden und zu katalogisieren. Vor allem fĂŒr die grĂ¶ĂŸten Objekte ist der Katalog nahezu komplett, die Forscher gehen davon aus, dass wir ungefĂ€hr 95 Prozent aller erdnahen Asteroiden kennen, die mehr als einen Kilometer groß sind. Als "erdnah" gelten Himmelskörper, deren Orbit der Umlaufbahn der Erde nahekommt, die mĂŒssen dabei nicht unbedingt der Erde selbst nahekommen. Mit einer neuen Methode hat das Team um Fuentes-Muñoz nun deutlich weiter in die Zukunft vorausberechnet, wie sich die grĂ¶ĂŸte ErdannĂ€herung der Objekte entwickelt.

Als gefĂ€hrlichster Asteroid unter den grĂ¶ĂŸten wurde 1994 PC1 ermittelt. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,00151 Prozent wird er in den nĂ€chsten 1000 Jahren einmal in einer geringeren Entfernung an der Erde vorbeirasen als der Mond. Das sei zehnmal wahrscheinlicher als bei jedem anderen analysierten Asteroiden und wĂŒrde auch erst gegen Ende des Jahrtausends passieren. WĂ€hrend der besonders gut untersuchte 1994 PC1 der Erde auf seiner Bahn aber regelmĂ€ĂŸig nahe kommt, gibt es einige Asteroiden, die sich in den nĂ€chsten Jahrhunderten kontinuierlich annĂ€hern, wĂ€hrend sich andere entfernen und wieder andere nur einmal "vorbeikommen". Erschwert werden vor allem langfristige Prognosen dadurch, dass jede AnnĂ€herung an die Erde die Bahnen der Asteroiden verĂ€ndern.

Insgesamt kennen wir gegenwĂ€rtig 854 erdnahe Asteroiden mit einem Durchmesser von mindestens einem Kilometer, die Zahl der bekannten Asteroiden mit einem Mindestdurchmesser von 140 Metern liegt bei ĂŒber 10.400. Insgesamt wissen wir sogar von knapp 32.000 erdnahen Asteroiden [2]. Zusammengetragen werden sie unter anderem in der Datenbank des Center for Near Earth Object Studies (CNEOS, Zentrum fĂŒr erdnahe Objekte) der NASA. Die Funde sind Ergebnis von verschiedenen Maßnahmen, dank derer die Suche seit etwa 20 Jahren merklich an Fahrt aufgenommen hat. Damit will man die planetare Verteidigung stĂ€rken und dem Sachverhalt Rechnung tragen, dass AsteroideneinschlĂ€ge zu den wenigen Naturkatastrophen gehören, die vom Menschen verhindert werden können.

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(mho [4])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-9060015

Links in diesem Artikel:
[1] https://arxiv.org/pdf/2305.04896.pdf
[2] https://cneos.jpl.nasa.gov/stats/totals.html
[3] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[4] mailto:mho@heise.de