Arcor will ländliche Regionen mit WiMax erschließen
Der Telekom-Konkurrent sucht eine Alternative zu den Anschlussleitungen des Ex-Monopolisten. Netzinvestitionen könnten in den nächsten 24 Monaten erfolgen.
Der Anbieter von Sprach- und Datendiensten im Festnetz Arcor [1] prüft, mit WiMax Kunden außerhalb von Ballungszentren drahtlos mit Breitbanddiensten zu versorgen. Das berichtet das Handelsblatt in seiner heutigen Ausgabe. In dünn besiedelten Regionen sind kaum DSL-Anschlüsse erhältlich. Hierfür gibt es vor allem technische Gründe, da sich über eine Kupferleitung mit zunehmender Länge immer weniger Daten via DSL übertragen lassen. Die Zeitung zitiert Arcor-Chef Harald Stöber: "Mit Wimax gibt es eine Technologie, die uns in ländlichen Regionen weiterbringt." Im Falle einer Entscheidung wolle sein Unternehmen innerhalb der nächsten 24 Monate mit enstprechenden Netzinvestitionen beginnen. Ein Arcor-Sprecher bestätigte diese Darstellung gegenüber heise online.
Die nichtzelluläre Breitbandtechnik Worldwide Interoperability for Microwave Access (WiMAX) ist für bis zu 48 Kilometer Reichweite und maximal 70 MBit/s ausgelegt [2]. Zu den Mitgliedern des WiMAX-Forums [3] zählen neben zahlreichen Hardwareherstellern auch klassische Telcos wie British Telecom oder France Télécom. In Deutschland gibt es seit der Öffnung der TK-Märkte 1998 immer wieder Auseinandersetzungen um den Preis der so genannten Teilnehmeranschlussleitung (TAL). Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP [4]) legt mit den Entgelten für die TAL die Preise fest, zu denen die Konkurrenten der Deutschen Telekom die Anschlussleitungen des Ex-Monopolisten mieten können. So betreiben zahlreiche DSL-Anbieter lediglich ein "Resale" von T-DSL-Anschlüssen, die sie unter neuem Label und mit eigener Rechnungsstellung weiterverkaufen [5].
Dieser Resale schränkt nicht nur die Produktpalette der Telekom-Wettbewerber ein, vielmehr bringt jeder "untervermietete" DSL- oder Telefonanschluss auch dem Ex-Monopolisten Deutsche Telekom Umsatz. Frühere Versuche der Telekom-Konkurrenz, ihre Kunden mit alternativen, drahtlosen Techniken anzuschließen, waren entweder technisch oder wirtschaftlich nicht erfolgreich: Die Bandbreite der gescheiterten Versuche reicht von Reihenhaussiedlungen, die testweise via DECT an das Telefonnetz angeschlossen worden waren, bis zur PMP-Richtfunkversorgung (Punkt-zu-Multi-Punkt [6]). Im Jahr 2000 wurde diese Technologie von verschiedenen Carriern als Wireless Local Loop (WLL) vermarktet -- etwa, um von einem Frankfurter Wolkenkratzer Gewerbegebiete im umliegenden Taunus drahtlos zu versorgen. Zu den ambitioniert auftretenden Anbietern zählte seinerzeit auch die Arcor-Tochter ArcTel, die sich jedoch -- wie die PMP-Mitbewerber -- während der Krise im TK-Markt ab 2001 aus dem Markt verabschiedet [7] hatte. (ssu [8])
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[1] http://www.arcor.de/
[2] https://www.heise.de/news/IDF-Intel-bringt-WiMax-Chip-103961.html
[3] http://www.wimaxforum.org/home/
[4] http://www.regtp.de/
[5] https://www.heise.de/news/GMX-mit-eigenen-DSL-Komplettpaketen-111219.html
[6] https://www.heise.de/news/Wettbewerb-im-Ortsnetz-kommt-in-Schwung-32665.html
[7] https://www.heise.de/news/Keine-Wireless-Local-Loop-mehr-von-Arcor-53079.html
[8] mailto:ssu@ct.de
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