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"Arbeitswelt im digitalen Zeitalter": Firmen sollen durch IT erreichte Automatisierungsdividende abtreten

Stefan Krempl

Lothar Schröder von ver.di und Hackerin Constanze Kurz plĂ€dieren dafĂŒr, die ProduktivitĂ€tszuwĂ€chse durch die digitale Wirtschaft aufzuteilen. Die digitale Arbeitswelt dĂŒrfe nicht nur von "Solo-SelbstĂ€ndigkeit" und prekĂ€ren VerhĂ€ltnissen geprĂ€gt sein.

Gewerkschaftler und Aktivisten waren sich auf dem Kongress "Arbeitswelt, Selbstbestimmung und Demokratie im digitalen Zeitalter [1]" am Mittwoch in Berlin einig, dass die digitale Arbeitswelt nicht nur von "Solo-SelbstĂ€ndigkeit" und prekĂ€ren VerhĂ€ltnissen geprĂ€gt sein muss. Durch die Vernetzung sei in der Wirtschaft ein "irrsinniger gesellschaftlicher ProduktivitĂ€tszuwachs entstanden", konstatierte Lothar Schröder, Mitglied des ver.di-Bundesvorstands. "Dessen Umverteilung wĂŒrde sich lohnen."

Stefan Krempl / heise online

Skaleneffekte, Automatisierungsdividende: Lothar Schröder und Constanze Kurz warfen die Frage auf, was denn mit den ProduktivitÀsfortschritten durch IT geschehen soll.

(Bild: Stefan Krempl / heise online)

Allein WhatsApp habe als kostengĂŒnstige Alternative zur SMS gigantische Skaleneffekte geschaffen und eine unglaubliche Wertschöpfung generiert mit rund 50 BeschĂ€ftigten, fĂŒhrte Schröder aus, der auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Telekom ist. Zusammengenommen stellten sich in der Internetbranche und den mit dem Netz arbeitenden Unternehmen große Gewinne ein, ĂŒber deren Nutzung und Verbleib zu diskutieren sei.

Ganz Ă€hnlich warf auch Constanze Kurz vom Chaos Computer Club (CCC [2]) die Frage auf, "was wir mit der Automatisierungsdividende machen". Diesen Aspekt mĂŒssten die Gewerkschaften spĂ€testens im nĂ€chsten Wahlkampf stĂ€rker beackern. Das Personal ganzer Firmen werde mittlerweile automatisiert und durch Software ersetzt bis hin zur Entscheidungsfindung auf Managementebene, erklĂ€rte die Co-Autorin des Buchs "Arbeitsfrei". Das "Coole an Technik" sei aber, "dass wir sie auch in unserem Interesse nutzen können". In der Gestaltungs- und Verteilungsdebatte sei nur darauf zu achten, "dass kommerzielle Lobbyisten nicht die Oberhand gewinnen".

Nur rosig sieht Schröder die schöne neue Arbeitswelt aber nicht. "Wir werden kĂŒnftig Herrschaftskonflikte in den Betrieben um Daten fĂŒhren.". Die Digitalisierung stehe zudem fĂŒr eine "Totalisierung des ZĂ€hlbaren". Firmen, Standorte oder Prozesse wĂŒrden so stĂ€ndig miteinander verglichen.

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Wolfgang Coy betrachtet autonome Systeme als die technische Basis fĂŒr den umgreifenden digitalen Wandel.

(Bild: Stefan Krempl / heise online)

Entsprechendes "Benchmarking" sei bereits soweit verbreitet, dass immer mehr Individuen Opfer von Scoring-Werten wĂŒrden und sich zumindest einer Vorauswahl durch Algorithmen unterwerfen mĂŒssten. Dies treibe immer mehr Effizienz und EffektivitĂ€t in die Arbeitswelt hinein.

Autonome Systeme bildeten die technische Basis fĂŒr den umgreifenden digitalen Wandel, beleuchtete der Berliner Informatikprofessor Wolfgang Coy die Entwicklung nĂ€her. Roboterautos etwa prophezeit er aber zumindest hierzulande vorerst keine große Zukunft: "Sie stoßen auf die Mauer der Straßenverkehrsordnung." Zudem wollten die Deutschen lieber selbst fahren, als gefahren zu werden. Die "oliv angezogene Truppe" sei ein grĂ¶ĂŸerer Interessent fĂŒr autonome Systeme in Form von "Kampdrohnen oder Killerbots".

In IT-Trends wie Big Data konnte Coy wenig Neues erkennen. So habe es schon bei den frĂŒheren datengestĂŒtzten Expertensystemen geheißen: "Die Algorithmen machen das schon." Social Media tat er als "arbeitsplatznahe Überwachung oder Datendiebstahl" ab. Der eigenen Zunft redete der Informatiker ins Gewissen, "sichere Systeme zu bauen". Diese dĂŒrften nicht tun, was sie nicht tun sollten, und mĂŒssten in einem Höchstmaß verfĂŒgbar sein. Insgesamt sei Technik nicht zwangslĂ€ufig, sondern es gebe diverse Einflussmöglichkeiten. (jk [3])


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[2] http://www.ccc.de/
[3] mailto:jk@heise.de