Apple veröffentlicht Zuliefererbericht
Nach verschiedenen VorfĂ€llen bei asiatischen Lieferanten hat der Mac- und iPhone-Hersteller versprochen, regelmĂ€Ăige Audits durchzufĂŒhren. Im Report 2011 geht das Unternehmen unter anderem auf Selbstmorde von Arbeitern in China ein.
Apple [1] ist nur einer von vielen Hardware-Herstellern, die ihre Produkte vor allem von OEMs in Asien produzieren lassen â doch steht der Konzern aufgrund seines Markenimages stĂ€rker im Rampenlicht als andere. Nach Kritik von Gewerkschaftern und Menschenrechtsaktivisten, die den Auftragsherstellern schlechte Arbeitsbedingungen vorwarfen und Apple deren Duldung unterstellten, hat der Computerkonzern seine Audits in den letzten vier Jahren verstĂ€rkt. Seit 2007 gibt der Mac- und iPhone-Hersteller jĂ€hrlich einen "Supplier Responsibility Report" [2] ab, der auf die Gesamtlage, aber auch einzelne VorfĂ€lle eingeht.
Das Papier fĂŒr 2011 liegt nun in Form eines PDF-Dokuments [3] mit 25 Seiten vor. Darin zeigt sich, dass Apple nach wie vor diverse Vergehen bei seinen Auftragsherstellern einrĂ€umen muss. So fanden Audits insgesamt 91 minderjĂ€hrige Arbeitnehmer, die vor dem in China zulĂ€ssigen Arbeitsalter von 16 Jahren eingestellt wurden. Davon betroffen waren insgesamt zehn Betriebe, einer davon stellte mit 42 Kinderarbeitern den Löwenanteil. Welcher OEM hier betroffen war, gab Apple nicht an. Allerdings habe man mit der Fabrik "das GeschĂ€ftsverhĂ€ltnis beendet". Aufgedeckt wurden auch BestechungsfĂ€lle. Dabei versuchte ein Fabrikmanager, Mitarbeiter der von Apple beauftragten Audit-Firma dazu zu bringen, die Anzahl der ĂberprĂŒfungen zu senken; auch hier wurde das VertragsverhĂ€ltnis mit der betroffenen Fabrik laut Apple gelöst.
Zwei VorfĂ€lle, die weltweit fĂŒr Schlagzeilen sorgten, behandelt Apple in seinem "Supplier Responsibility Report" ebenfalls. So traten beim Auftragshersteller Wintek, der beispielsweise Touchscreens zuliefert, Erkrankungen von 137 Arbeitnehmern auf, die mit dem giftigen N-Hexan-Gas [4] in BerĂŒhrung kamen. Apple habe den Einsatz des Materials, das NervenschĂ€den und LĂ€hmungen hervorrufen kann, einstellen lassen, heiĂt es in dem Bericht. AuĂerdem seien Verbesserungen bei den LĂŒftungssystemen und dem allgemeinen Management der Fabrik angemahnt worden. Alle betroffenen Arbeitnehmer seien darĂŒber hinaus "erfolgreich behandelt" worden. Apple beobachte die Entwicklung, Wintek habe fĂŒr medizinische Behandlung, Nahrung und Verdienstausfall gezahlt. "Eine Mehrzahl der Arbeitnehmer arbeitet wieder in der Fabrik", erklĂ€rt Apple.
Ein weiterer viel publizierter Vorfall waren die Selbstmorde [5] beim groĂen taiwanisch-chinesischen Auftragsfertiger Foxconn, auch unter dem Namen seiner Mutterfirma Hon Hai bekannt. Hier sei Apple-Chief Operating Officer Tim Cook, der derzeit Steve Jobs vertritt [6], zusammen mit anderen Managern im Juni 2010 selbst ins Werk nach Shenzhen gereist. Dort habe man die Lage mit Foxconn-Chef Terry Gou besprochen und eine unabhĂ€ngige Untersuchung durch psychologische Experten einleiten lassen. Mehr als 1000 Mitarbeiter seien nach LebensqualitĂ€t, Stress und geistiger Gesundheit befragt worden. Foxconn habe daraufhin psychologische Beratungsangebote ebenso eingefĂŒhrt wie ein "24-Stunden-Hilfszentrum". Zudem habe man Netze an den Fabrik- und WohngebĂ€uden angebracht, um "Impulsselbstmorde" zu verhindern. Apple werde hier weiter mit Foxconn arbeiten, hieĂ es auĂerdem.
Insgesamt fĂŒhrte Apple bei seinen OEMs im Jahr 2010 127 einzelne Audits durch, 30 davon bei bereits frĂŒher ĂŒberprĂŒften Fabriken, 97 bei neuen Betrieben. Von dem Hersteller beauftragte Untersuchungsteams haben damit seit 2007 knapp 280 Fabriken besucht.
Bislang gibt es noch keine unabhĂ€ngige Bewertung von Apples "Supplier Responsibility Report 2011". Entsprechende Stellungnahmen von Gewerkschaftern und Menschenrechtsorganisationen dĂŒrften in den nĂ€chsten Tagen eintreffen. (bsc [7])
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[1] http://www.apple.com
[2] http://www.apple.com/supplierresponsibility/
[3] http://images.apple.com/supplierresponsibility/pdf/Apple_SR_2011_Progress_Report.pdf
[4] https://www.heise.de/news/Gesundheitsgefaehrdung-und-Ausbeutung-in-Handy-Fabriken-121610.html
[5] https://www.heise.de/news/IT-Unternehmen-untersuchen-nach-Selbsttoetungen-Arbeitsbedingungen-bei-Foxconn-1008100.html
[6] https://www.heise.de/news/Steve-Jobs-nimmt-erneut-krankheitsbedingt-Auszeit-1170667.html
[7] mailto:bsc@heise.de
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