Analyse: Was wird aus Continental und VDO?
Amerikanische Studie zu dem Ergebnis, dass Continental zusammen mit VDO ein ernst zunehmender Wettbewerber für die großen Automobilzulieferer sein wird – vor allem für Bosch
Das amerikanische Consulting-Unternehmen Strategy Analytics hat eine Untersuchung über die Folgen des Zusammenschlusses von Continental und Siemens VDO [1] veröffentlicht. Wie bereits bekannt geworden war, steigt das neue Unternehmen zur Nummer 5 unter den Automobilzulieferern auf. Continental hatte zuvor auf Platz 15 rangiert, Siemens VDO auf Platz 11. Auf Platz 1 liegt nach wie vor Bosch.
Zweitgrößter Anbieter von Automobilelektronik
In einer vorläufigen Analyse kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass das neue Unternehmen im Bereich Automobilelektronik der zweitgrößte Automobilzulieferer hinter Bosch sein könnte. Die Ausgaben von Conti / VDO für Halbleiter werden demnach vermutlich 1,5 Millionen Euro übersteigen, betrachte man das breite Angebot von Automobilelektronik beider Unternehmen.
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Da andererseits Bosch, Delphi oder Denso zu einem großen Teil eigene Halbleiter einsetzen, könnte Conti / VDO zum größten Halbleiterkunden der Branche werden. Genau das könnte aber die Preise drücken. Möglicherweise profitiere davon der deutsche Halbleiterhersteller Infineon, auf Kosten von Firmen wie Freescale, TI, ST, NEC oder Renesas.
Conti und VDO passen gut zusammen
Die Produkte beider Unternehmen passen nach Meinung der Analysten sehr gut zusammen. denn Continental hätten bisher elektronische Produkte für den Antriebsstrang völlig gefehlt, Siemens VDO dagegen habe einen erheblichen Marktanteil bei Motorsteuerungen und Einspritzsystemen, vor allem auch Piezo-Injektoren.
Bei Komponenten wie Anzeigeinstrumenten, Infotainment, Navigation oder Body-Elektronik hält Strategy Analytics Siemens VDO für führend. Er passe zudem sehr gut zusammen mit dem Automotive-Geschäftsbereich von Motorola, den Continental 2006 kaufte. Motorola hat seine Stärken vor allem im Bereich der Telematik, bisher habe es jedoch etwas an der Expertise gemangelt, die Verbindung zum Infotainment zu schaffen.
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VDO fehlten bisher mechanische Komponenten für Fahrwerkselektronik
Siemens VDO ist auch im Bereich von Fahrwerk- und Sicherheitssystemen tätig. In der Fahrwerkelektronik habe das Unternehmen bisher aber nicht die mechanischen Komponenten liefern können, wie es bei der Konkurrenz der Fall ist. Einen Versuch in diese Richtung habe Siemens VDO mit der Keilbremse unternommen. Das Fahrwerk sei jedoch eine der Stärken von Continental, das sowohl die elektronischen als auch die mechanischen Komponenten anbieten könne.
Siemens VDO habe zwar eine führende Position bei Airbag-Steuergeräten, bei der Vermarktung von Fahrerassistenzsystemen sei es jedoch bisher wenig erfolgreich gewesen. Auch das wird von Continental aufgefangen, das beispielsweise Mercedes-Benz und Maybach mit Cruise-Control-Systemen beliefert, und in Kürze auch Audi mit einem Spurwarnsystem.
Continental / VDO wird ein starker Wettbewerber
Insgesamt kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass Continental zusammen mit VDO ein sehr ernst zunehmender Wettbewerber für die anderen großen Zulieferer sein wird – und im Bereich der Automobilelektronik einer der größten Zulieferer. Am meisten habe dabei möglicherweise Bosch zu verlieren.
Bosch sei zurzeit die Nummer 1 bei Automobilelektronik, die Firma sei aber wohl traditioneller und weniger dynamisch ausgerichtet als Continental. Delphi habe im Moment mehr mit Finanzproblemen zu kämpfen als Continental und VDO, konkurrenzfähig sei Delphi nur, wenn es diese in den Griff bekomme. Der japanische Zulieferer Denso sei in einer starken Position, da auch Hauptkunden wie Toyota zurzeit sehr erfolgreich seien.
Was wird aus der Keilbremse?
Eine interessante Aussage macht Strategy Analytics zur Keilbremse von Siemens VDO: Entweder Continental stelle sich mit seiner Kompetenz hinter dieses Projekt, oder es werde einen leisen Tod sterben.
(ggo [4])
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