Am laufenden Band: 100 Jahre Ford T
Seit ihrem Verkaufsstart vor 100 Jahren hat die "Tin Lizzy" Maßstäbe gesetzt – als erstes am Fließband gebautes Auto kam es auf über 15 Millionen Stück. Wir werfen einen Blick auf die zahlreichen Varianten des Klassikers
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München/Köln, 29. Oktober 2008 – Vor 100 Jahren liefen die ersten Exemplare des Ford T vom Band. Dass es die "Tin Lizzy" zwei Jahrzehnte später auf über 15 Millionen Stück bringen würde, hätte damals wohl niemand geahnt. Das Deutsche Museum in München würdigt die Auto-Legende nun mit einer Sonderschau in seinem Verkehrszentrum, die noch bis zum 15. Februar 2009 geöffnet ist.
Meistgebautes Auto bis zum Käfer
Insgesamt 15,4 Millionen Exemplare der Tin Lizzy wurden zwischen 1908 und 1927 gebaut. Das war ein Rekord, der erst 1972 vom VW Käfer gebrochen werden sollte. Mit der legendären Tin Lizzy schuf Industriepionier Henry Ford I nicht nur ein bezahlbares Auto für Jedermann, sondern er führte auch mit der Fließbandfertigung die neue Produktionstechnik ein, mit der seither verschiedenste Gebrauchsgüter gefertigt werden.
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20 PS aus 2,9 Litern Hubraum
Das Model T wurde von einem 2,9 Liter großen, 20 PS starken Vierzylinder angetrieben. Die Konstruktion bestand aus einem einfachen Leiterahmen mit vernieteten Stahlprofilen, der neben Motor und Hinterradantrieb auch die Karosserie und die geschmiedeten Deichselachsen mit ihren quer liegenden, halbelliptischen Blattfedern trug. Das Planetengetriebe wies zwei Gänge auf, die per Fußpedal aktiviert wurden – ebenso wie der Rückwärtsgang und die Bremse. Gas gaben T-Fahrer mit einem Hebel am Lenkrad.
Der Einstiegspreis der Tin Lizzy betrug bei ihrer Vorstellung im Oktober 1908 850 US-Dollar – etwa das Zweieinhalbfache des damaligen Pro-Kopf-Jahreseinkommens. Das galt damals als günstiger Preis für ein Automobil, das übrigens eine Höchstgeschwindigkeit von fast 70 km/h erreichen konnte.
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Fließbandfertigung ab 1914
Die Nachfrage übertraf alle Erwartungen. Die Jahresproduktion schnellte bereits 1909 auf 10.600 Einheiten empor – mehr, als alle deutschen Hersteller damals zusammen auf die Räder stellten. 1914 startete Henry Ford I schließlich die Fließbandmontage. Die Idee hierzu, so die Legende, war dem Amerikaner im Chicagoer Schlachthof angesichts der Hängebahnen für Rinderhälften eingefallen. Die Anzahl der im Dreischichtbetrieb gefertigten Fahrzeuge verdoppelte sich schlagartig auf 200.000 Exemplare. Fast zeitgleich erhöhte Henry Ford I den durchschnittlichen Tagesverdienst seiner Beschäftigten von 2,30 auf 5 US-Dollar. Das Model T blieb für viele weitere Jahre Verkaufsschlager und beherrschte nicht nur in den USA – wo jeder zweite Pkw ein Ford war – das Straßenbild. Auch in Europa setzte sich die Blechliesel bald durch.
Schwarzmalerei
Die meisten wurden in Schwarz ausgeliefert, weil diese Farbe besonders schnell trocknete. Daraufhin wurde Henry Ford I der berühmte Satz "You can have it in any color as long as it’s black" („Sie können ihn in jeder Farbe haben, sofern es Schwarz ist“) zugeschrieben. Dass es dennoch eine bunte Vielfalt an T-Modellen für die unterschiedlichsten Einsatzzwecke gegeben hat, zeigt ein Blick in unsere Bildergalerie.
Anfänge von Ford in Deutschland
1925 wurde die Ford Motor Company Berlin gegründet. Um Importzölle zu umgehen, richtete das Unternehmen 1926 im Westhafen der Hauptstadt eine Montageproduktion ein, wo bis 1931 pro Tag etwa 50 T-Modelle aus importierten Einzelteilen montiert wurden. Dann wechselte Ford nach Köln-Niehl. Dort schlug Ford ein neues, bis heute andauerndes Kapitel der Unternehmensgeschichte auf. (imp)