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AllgegenwÀrtige Infotechnik vs. informationelle Selbstbestimmung?

Stefan Krempl

Zeit.de und Humboldt-Uni starten eine Online-Umfrage zu den Auswirkungen, die Data Mining mittels Kundenkarten, Ubiquitous Computing oder RFID auf die PrivatsphÀre haben.

Die Wochenzeitung Die Zeit hat gemeinsam mit der Berliner Humboldt-UniversitĂ€t eine Online-Umfrage [1] zu den Auswirkungen von Ubiquitous Computing [2], RFID, Data Mining mit Kundenkarten und Scoring [3] auf die PrivatsphĂ€re gestartet. Die Erhebung soll Erkenntnisse fĂŒr das Bundesministerium fĂŒr Bildung und Forschung (BMBF [4]) und das Projekt Taucis [5] (Technikfolgen-AbschĂ€tzung UbiquitĂ€res Computing und Informationelle Selbstbestimmung) bringen, welches das Institut fĂŒr Wirtschaftsinformatik der Uni gemeinsam mit dem UnabhĂ€ngigen Landeszentrum fĂŒr Datenschutz in Schleswig-Holstein durchfĂŒhrt. Ein Schwerpunkt von Taucis stellt die Frage dar, inwieweit die in immer mehr Lebensbereiche eindringende, allgegenwĂ€rtig werdende Informationstechnik die (informationelle) Selbstbestimmung des Menschen einschrĂ€nkt und inwiefern sich die BĂŒrger eine GĂ€ngelung durch die Maschinen gefallen lassen.

Die Vision des sensorengesteuerten Ubiquitous oder Pervasive Computing bezieht sich laut der an Taucis beteiligten Forscherin Sarah Spiekermann vor allem darauf, dass "Objekte in Zukunft automatisch beziehungsweise von sich aus ihre Umwelt erkennen und dann darauf reagieren sollen". Als Beispiel fĂŒhrt sie in einem Interview mit der Zeit [6] ein Auto an, "welches sich selbst wartet und bei Erkennung von MĂ€ngeln automatisch die Werkstatt kontaktiert oder zumindest den Besitzer warnt". Die Wissenschaftlerin erinnert zudem an das bereits hĂ€ufig bemĂŒhte Szenario des intelligenten KĂŒhlschranks, "der erkennt, welche Produkte in ihm stehen, und von sich aus Ersatz nachbestellt".

NĂŒtzlich fĂŒr die Verbraucher sieht Spiekermann angesichts der Verchippung von AlltagsgegenstĂ€nden die sich daraus potenziell ergebende Zeitersparnis und eine ausfĂŒhrlichere Informationen ĂŒber Produkte. Sie hĂ€lt es aber auch fĂŒr möglich, dass die ubiquitĂ€re Computertechnik die Nutzer an vielen Fronten einschrĂ€nkt und hat in diesem Zusammenhang vor einem "technologischen Paternalismus [7]" gewarnt. Als Beispiel nennt sie etwa die Anschnallwarnungen in modernen Autos, bei der die Technik mit lautem Piepsen den Fahrer mehr oder weniger zum Anlegen des Sicherheitsgurtes zwingt.

In der Umfrage selbst, fĂŒr deren Beantwortung man gut 20 Minuten einplanen sollte, werden den Interessierten hauptsĂ€chlich Szenarien aus der kommenden Welt des allgegenwĂ€rtigen Rechnereinsatzes zur Bewertung vorgelegt. Dabei geht es etwa um die Bewertung von Sinn und Zweck eines elektronischen Einkaufszettels mit automatischen Nachbestellungsfunktionen am KĂŒhlschrank oder um die Durchsetzung einer automatischen Geschwindigkeitsbegrenzung im Autoverkehr. Dazu kommen allgemeine Fragen zum Datenschutz und zum Stand der Überwachungsgesellschaft. Die Teilnehmer sollen etwa schĂ€tzen, wie viele Videokameras in Großbritannien bereits im öffentlichen Raum installiert sind oder wie viele Menschen in einem Jahr von TelefonĂŒberwachung betroffen sind. Auch mögliche Folgen des Einsatzes von Kundenkarten oder von Scoring-Ausleseverfahren am Beispiel von unterschiedlichen Wartezeiten in Telefon-Hotlines sollen beurteilt werden. Unter den Teilnehmern werden eine Wochenendreise nach Paris, iPods sowie Jahresabos verlost. (Stefan Krempl) / (jk [8])


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https://www.heise.de/-144313

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.zeit.de/online/2005/45/umfrage_technikvonmorgen
[2] https://www.heise.de/news/Allgegenwaertige-Computer-in-Tokio-130290.html
[3] https://www.heise.de/news/Der-digitale-Verbraucher-glaesern-mit-RFID-Kundenkarten-und-Scoring-Update-155361.html
[4] http://www.bmbf.bund.de/
[5] http://www.taucis.hu-berlin.de/
[6] http://www.zeit.de/2005/45/Interv_Spiekermann
[7] https://www.heise.de/news/RFID-Furcht-vor-technologischem-Paternalismus-106629.html
[8] mailto:jk@heise.de