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ADAC: Gesetzentwurf fĂŒr die Pkw-Maut fehlt die Zweckbindung

Florian Pillau

AnlĂ€sslich der Entschlossenheit, mit der die CSU morgen den Gesetzentwurf zur Infrastrukturabgabe ins Bundeskabinett bringen möchte, gibt der ADAC zu bedenken, dass außer der EinwĂ€nde der EU-Verkehrskommission wegen der Diskriminierung von AuslĂ€ndern weitere Punkte zu klĂ€ren seien

AnlĂ€sslich der Entschlossenheit, mit der die CSU morgen den Gesetzentwurf zur Infrastrukturabgabe (vormals „Pkw-Maut“) ins Bundeskabinett bringen möchte, gibt der ADAC zu bedenken, dass außer der EinwĂ€nde der EU-Verkehrskommission wegen der Diskriminierung von AuslĂ€ndern weitere Punkte zu klĂ€ren seien:

Die beiden GesetzentwĂŒrfe, die Verkehrs- und Finanzministerium dem Bundeskabinett am Mittwoch vorlegen, enthalten zwar die Zusage, dass kein inlĂ€ndischer Autofahrer durch eine Pkw-Maut finanziell belastet wird. Der Club erwartet jedoch, dass diese Zusage nicht nur fĂŒr die EinfĂŒhrungsphase, sondern auch fĂŒr die Zukunft gilt. Sonst könne die Infrastrukturabgabe laut ADAC „sehr schnell und einfach zu finanziellen Mehrbelastungen [1] der deutschen Autofahrer fĂŒhren.“

PKW-Maut

Im Gesetzentwurf fĂŒr die Pkw-Maut fehlt die Zweckbindung der eingehobenen Mittel zu Straßenbau und anderen Verkehrskosten.

(Bild: ADAC)

Ferner bezweifelt der Club die Erwartung des Bundesverkehrsministeriums (BMVI), allein von auslÀndischen Pkw-Fahrern Brutto-Einnahmen in Höhe von 700 Millionen Euro jÀhrlich [2] zu erzielen. Eine Studie des Verkehrswissenschaftlers Ralf Ratzenberger kommt - obwohl höhere MautsÀtze angesetzt wurden - zu deutlich niedrigeren Einnahmeerwartungen. Hier erwartet der ADAC vom Verkehrsministerium, seine Berechnungen offenzulegen und transparent zu erlÀutern.

DarĂŒber hinaus findet sich im Gesetzentwurf bislang kein Hinweis auf eine eindeutige Zweckbindung möglicher Einnahmen. Dies ist jedoch eine der zentralen Vorgaben des Koalitionsvertrags: Die Einnahmen der Infrastrukturabgabe sollen in erster Linie fĂŒr den Erhalt und den Ausbau des Straßennetzes verwendet werden. Die hierfĂŒr notwendigen institutionellen Änderungen in der Verkehrshaushaltsfinanzierung sind laut ADAC derzeit nicht erkennbar.

BestĂ€tigt sieht sich der ADAC in seiner EinschĂ€tzung, dass das Mautkonzept [3] dem Diskriminierungsverbot der EU widerspricht. Die neue EU-Verkehrskommissarin Bulc hatte nach Medienberichten [4] jĂŒngst in einem Schreiben an das BMVI auf fehlende Vereinbarkeit des Gesetzentwurfs mit dem EU-Recht hingewiesen. (fpi [5])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-2497946

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Erhoehung-der-geplanten-Pkw-Maut-kann-auch-Deutsche-treffen-2469170.html
[2] https://www.heise.de/news/Pkw-Maut-soll-625-Millionen-Euro-pro-Jahr-bringen-2250226.html
[3] https://www.heise.de/meinung/Klartext-Pkw-Maut-Schluss-mit-dem-Unfug-2439897.html
[4] https://www.heise.de/news/EU-Kommission-nennt-deutsche-Mautplaene-unvereinbar-mit-EU-Recht-2497294.html
[5] mailto:fpi@heise.de