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50 Jahre Deutsche Welle: VerÀnderungen stehen ins Haus

Das Radio-, Fernseh- und Internetangebot der DW in mehr als 30 Sprachen werde nach wie vor gebraucht, auch als Informationsquelle fĂŒr Menschen, die in totalitĂ€ren Staaten leben, meint der Intendant.

Ihr 50. Geburtstag beschert der Deutschen Welle [1] einen Umzug. Vom Asbest belasteten Wolkenkratzer in Köln geht es in den weitlĂ€ufigen SchĂŒrmannbau in Bonn. Am 27. Juni werden Geburtstag und Ortswechsel feierlich begangen. Nach den vielen UmwĂ€lzungen der vergangenen Jahre -- deutsche Einheit, Personalabbau und Herausforderungen durch die Krisen auf dem Balkan, in Afghanistan und Irak -- signalisiert der Umzug einen neuen Anfang. Und auch die Mitarbeiter des Auslandsrundfunks der Bundesrepublik Deutschland mĂŒssen auf weitere VerĂ€nderungen gefasst sein.

An einem lĂ€sst Intendant Erik Bettermann keinen Zweifel: Die Deutsche Welle (DW) mit ihren Radio-, Fernseh- und Internetangeboten in mehr als 30 Sprachen werde nach wie vor gebraucht, fĂŒr die Außendarstellung Deutschlands und als Informationsquelle fĂŒr Menschen, die in totalitĂ€ren Staaten leben mĂŒssen. "Die Erwartungen an Deutschland sind viel grĂ¶ĂŸer, als das hier in Deutschland selbst wahrgenommen wird", sagt Bettermann. JĂŒngstes Beispiel ist der Irak-Krieg. Wieder einmal machte die DW Krisenradio und -fernsehen, lieferte Informationen aus der Region in die Region, ergĂ€nzt um die deutsche EinschĂ€tzung. "Man erkennt einmal mehr, wie wichtig die DW als BrĂŒcke zwischen dem Westen und anderen Teilen der Welt ist", sagt Khaoula Saleh vom arabischen Programm.

Das Ziel verfolgte die DW auch schon bei frĂŒheren Krisen, ob mit Programmen in den Sprachen Paschtu und Dari fĂŒr Afghanistan oder auf Serbisch, Kroatisch und Albanisch fĂŒr den Balkan. Immer wollen die DW-Macher auch Multiplikatoren und Entscheider in den Regionen erreichen. Dabei gehe es aber nicht um platte Werbung fĂŒr Deutschland, sagt DW-Sprecher Johannes Hoffmann: "Das A und O ist die GlaubwĂŒrdigkeit."

Bei ihrer Arbeit steht die DW seit Jahren unter Sparzwang. Die Zahl der Mitarbeiter sank von 2200 auf 1500. Der Etat, der aus Steuermitteln finanziert wird, ging in den vergangenen fĂŒnf Jahren von 320 Millionen auf 277 Millionen Euro zurĂŒck. Es gibt Kritiker, die nach dem Sinn eines nationalen Auslandsrundfunks im Zeitalter von Internet, Satellitenfernsehen und europĂ€ischer Einigung fragen.

WĂ€hrend die Hörfunkprogramme aus Köln und demnĂ€chst Bonn kommen, machen 500 DW-Mitarbeiter in Berlin Fernsehen. Ihr Chef Christoph Lanz widerspricht vehement der Ansicht, es reiche doch, die ARD oder das ZDF weltweit zu verbreiten, statt zusĂ€tzlich die DW zu betreiben. "Nehmen Sie nur die Bundeswehrreform als Beispiel", sagt Lanz, "bei den Inlandssendern steht natĂŒrlich im Vordergrund, welche Kasernen geschlossen werden. Das interessiert international aber niemanden. Weltweit ist vielmehr die Nachricht interessant, dass sich die Bundeswehr noch mehr auf AuslandseinsĂ€tze einstellt und vorbereitet. Damit haben wir unsere Sendungen natĂŒrlich aufgemacht."

Auch wenn das Deutsche-Welle-Gesetz, das zur Novellierung ansteht, die Zukunft des Auslandssenders sichert, wird er sich weiter Ă€ndern mĂŒssen. Bei den Mitarbeitern löst das auch Sorgen aus. Einerseits sollen sie auf Krisen in der Welt mit gezielten Programmen reagieren. Andererseits können afghanische Redakteure nicht ĂŒber Nacht Programme fĂŒr arabische LĂ€nder machen, wenn der eine Krisenherd den anderen ablöst. Außerdem sei BestĂ€ndigkeit wichtig, betont Hoffmann: In Afghanistan habe die DW nur deshalb so viel Resonanz, weil sie schon lange vor dem 11. September 2001 mit ihren Programmen prĂ€sent war.

Eine VerĂ€nderung lĂ€sst viele aber hoffen -- die digitale Kurzwelle [2]. Das Knistern verschwindet, die Programme klingen glasklar. Gesendet wird bei der DW schon in der neuen Technik, hören kann sie aber noch kaum jemand, denn dazu sind neue Radios nötig. In ein paar Jahren sollen sie nicht mehr teurer sein als KurzwellengerĂ€te heute, und das, meinen Experten, werde das Auslandsradio revolutionieren. (JĂŒrgen Hein, dpa) / (jk [3])


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https://www.heise.de/-80889

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.dw-world.de
[2] https://www.heise.de/news/Digital-Radio-Mondiale-on-air-80623.html
[3] mailto:jk@heise.de