26C3: Hacker verbrauchen Rekord-Bandbreite
Die Besucher des 26. Chaos Communication Congress saugten ein Datenvolumen in Höhe von 123 Terabyte aus dem lokalen Konferenznetzwerk ab, hörten 90 VortrÀge und konsumierten dabei 11.000 Flaschen Club-Mate.
Der 26. Chaos Communication Congress (26C3 [1]) unter dem Motto "Here be Dragons" endete am gestrigen Mittwoch in Berlin mit dem Setzen neuer Höchstmarken. Bei der Abschlusskundgebung sprach Frank Rieger vom Chaos Computer Club (CCC [2]), der die viertĂ€gige Hackerkonferenz ausrichtet, zunĂ€chst von einem neuen Teilnehmerrekord mit ĂŒber 9000 Leuten. Die Zahl lĂ€sst sich aber nicht mit dem Vorjahr vergleichen, in dem 4230 Tickets ausgegeben wurden: FĂŒr dieses Jahr hatte Rieger die Besucher der weltweit rund 30 Kongressableger mit Streaming-Versorgung [3] mit einbezogen.
Auf jeden Fall ging es im Berliner Congress Center (bcc [4]) am Alexanderplatz auch in diesem Jahr dicht gedrĂ€ngt zu. Schon kurz nach dem Start des Kongresses am Sonntag waren die Dauerkarten ausverkauft. Erstmals sorgte zudem bei den VortrĂ€gen im Hauptsaal in den Abendstunden ein "Einpeitscher" mit mal mehr und mal weniger Charme dafĂŒr, dass tatsĂ€chlich jeder Platz belegt und das sonst ĂŒbliche Sitzen auf dem Boden rigoros unterbunden wurde, um die NotausgĂ€nge freizuhalten. Die kleineren SĂ€le im Erdgeschoss galten von Anfang an als hoffnungslos ĂŒberfĂŒllt.
Die rĂ€umliche Enge soll die Hacker sehr durstig gemacht haben: Rieger zufolge wurden am Rande von 90 VortrĂ€gen und rund 25 Workshops 11.000 Flaschen der koffeinhaltigen Brause Club-Mate geleert. Mit gesundheitlichen Problemen hĂ€tten aber nur 40 Personen gekĂ€mpft, wĂ€hrend das kongresseigene medizinische Versorgungsteam in den vergangenen Jahren jeweils rund 100 FĂ€lle versorgen musste. FĂŒrs nĂ€chste Jahr werde ĂŒber eine Vorverkaufsphase fĂŒr Dauertickets nachgedacht.
Einen neuen Rekord vermeldete auch das Network Operation Center (NOC). Die (virtuellen) Besucher hĂ€tten 123 Terabyte an Daten aus dem Kongressnetz gesaugt, freute sich Alex aus der Administrator-Crew. Erstmals hĂ€tten die Netzwerkbetreiber die Hacker nicht mit den sonst immer omniprĂ€senten Schildern darauf hinweisen mĂŒssen, mehr Bandbreite zu nutzen. Der Techniker rĂ€umte Schwierigkeiten mit dem Aufbau des Netzwerks ein, die am ersten Kongresstag zu gröĂeren AusfĂ€llen fĂŒhrten und auch die Videostreams beeintrĂ€chtigten. Es habe Probleme mit der im bcc verlegten Glasfaser-Infrastruktur und einem Uplink ins Internet gegeben. Beide FĂ€lle hĂ€tten aber dank dem tatkrĂ€ftigen Einsatz unermĂŒdlicher Helfer behoben werden können.
Im Anschluss stand den Datenreisenden eine satte 20-Gigabit-Ethernet-Verbindung zur VerfĂŒgung, die dem NOC zufolge in Spitzenzeiten mehr als zur HĂ€lfte ausgelastet gewesen sei. Insgesamt seien 7581 ans interne Netz angeschlossene Rechner gezĂ€hlt worden, wovon einmal 2600 gleichzeitig online gewesen sein sollen. Vielfach hĂ€tten die Hacker das WLAN in Anspruch genommen, das auf 2,4 GHz und auf 5 GHz trotz des Ansturms recht gut funktioniert habe. Einziger echter Wermutstropfen fĂŒr die NOC-Crew: Sie vermisste zur offiziellen Schlussrunde einen Switch, den ein ĂŒbermĂŒdeter Sicherheitsexperte eventuell versehentlich im Hackcenter als Ruhekissen benutzt hatte.
Die Nutzung des auf dem dem CCC-Jahrestreffen erstmals aufgebaute GSM-Netz [5] blieb hinter der Nutzung von LAN und WLAN zurĂŒck. Das GSM-Netz verfĂŒgte ĂŒber vier verknĂŒpfte Sende- und Empfangsstationen, an das allerdings nur einige hundert Mobiltelefone angeschlossen gewesen seien, beklagte Harald Welte aus dem GSM-Team. Er forderte die Hacker auf, im nĂ€chsten Jahr "mehr Handys mitzubringen" und in das Testnetz einzubinden. Beim Zusammenspiel mit dem bereits seit Jahren zum Kongress gehörenden gĂ€ngigen Telefonnetzwerk auf Basis des nicht mehr als sicher geltenden [6] DECT-Standards, das bei den Besuchern stĂ€rker als die neue GSM-Variante in Anspruch genommen wurde, habe es keine Probleme gegeben.
Keine Stellung wollte der CCC zu den Hacks von Webseiten aus der rechten Szene wie der Partnerbörse MA Flirt nehmen. Die Aktionen waren unter den Kongressteilnehmern heftig umstritten und warfen Fragen rund um die Einhaltung der vielfach gepredigten Hackerethik [7] auf. Man gebe "keine Kommentare zu bestimmten Wiki-Seiten ab", meinte Rieger, da diese bald "irrelevant" wĂŒrden. Viele Unterverzeichnisse der Kongress-Wikis werden nicht archiviert; vor allem die Ăbersicht zu gehackten oder entstellten Seiten soll zeitnah wieder gelöscht werden. Rieger zufolge war auch in diesem Jahr eine "Ethik-Hotline [8]" geschaltet. Dort seien ein paar "sensible Anrufe" eingegangen, ĂŒber deren Inhalte man wohl im kommenden Jahr in Form von Pressemitteilungen informieren werde. Am ebenfalls geschalteten "Abuse-Telefon" habe es keine ernsthaft empörten Anrufe gegeben.
(ghi [9])
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[2] http://www.ccc.de/
[3] http://events.ccc.de/congress/2009/wiki/Dragons_everywhere
[4] http://www.bcc-berlin.de/
[5] https://www.heise.de/news/26C3-CCC-fordert-staerkere-Verschluesselung-des-GSM-Mobilfunks-893739.html
[6] https://www.heise.de/news/26C3-Verschluesselungscode-fuer-DECT-Funktelefone-geknackt-893693.html
[7] http://www.ccc.de/hackerethics
[8] https://www.heise.de/news/22C3-Hackerethik-Hotline-soll-Massen-Cracks-verhindern-161247.html
[9] mailto:ghi@ct.de
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