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2009 wird ein hartes Jahr fĂŒr Handy-Hersteller

Die Bereitschaft der Verbraucher, Geld fĂŒr neue Mobiltelefone auszugeben, sinkt, je lĂ€nger die Weltwirtschaft in der Krise steckt. Experten sehen außerdem eine zunehmende SĂ€ttigung des Marktes.

Es wird ein hartes Jahr fĂŒr die Handy-Hersteller. Die Bereitschaft der Verbraucher, Geld fĂŒr neue Mobiltelefone auszugeben, sinkt, je lĂ€nger die Weltwirtschaft in der Krise steckt. Experten sehen außerdem eine zunehmende SĂ€ttigung des Marktes: In vielen LĂ€ndern kommt auf jeden Menschen rein rechnerisch bereits mehr als ein Handy. Die Branche rĂŒstet sich fĂŒr einen drastischen RĂŒckgang der Verkaufszahlen in diesem Jahr – den ersten seit 2001 [1].

Auch der erfolgsverwöhnte Branchenprimus Nokia kann der Krise nicht mehr entkommen: Das Schlussquartal beendeten die Finnen mit einem Umsatz- und Gewinneinbruch [2]. Und ihre Prognose fĂŒr das kommende Jahr ist dĂŒster: Einen AbsatzrĂŒckgang von zehn Prozent erwartet Nokia 2009 fĂŒr die gesamte Branche. Die SchĂ€tzungen der Analysten des Marktforschungsinstituts Gartner sind etwas optimistischer: Sie rechnen mit einem RĂŒckgang der HandyverkĂ€ufe im niedrigen einstelligen Bereich. "Nach wie vor ist die Lage schwer einzuschĂ€tzen", fasst WestLB-Analyst Thomas Langer zusammen.

Die Menschen hĂ€tten in der Wirtschaftskrise andere PrioritĂ€ten, als ein neues Handy zu kaufen, erklĂ€rt Gartner-Analystin Carolina Milanesi. Vor allem in Europa seien außerdem die lĂ€ngeren Laufzeiten bei Handy-VertrĂ€gen ein Problem, die sie Kunden an ihr GerĂ€t binden. Ein RĂŒckgang der Subventionen von Mobilfunkunternehmen fĂŒr neue Handys sei noch nicht zu beobachten. "Die Betreiber werden sich aber in Zukunft ganz genau ĂŒberlegen, welches Handy sie unterstĂŒtzten." Statt des Telefons mit 8-Megapixel-Kamera werde wohl eher das GerĂ€t mit dem integrierten Browser subventioniert, das dem Netzbetreiber zusĂ€tzliche DatenumsĂ€tze bescheren könnte.

Dabei leidet Nokia nicht allein: Der Konkurrenz geht es kaum besser. Bereits in der vergangenen Woche hatte der Konkurrent Sony Ericsson eine bittere Bilanz [3] des abgelaufenen Quartals gezogen und einen negativen Ausblick fĂŒr den Gesamtmarkt gegeben. Motorola verkaufte vorlĂ€ufigen Zahlen zufolge im vierten Quartal halb so viele Handys [4] wie im Jahr zuvor. Die sĂŒdkoreanische LG Electronics konnte hingegen im abgelaufenen Quartal 25,7 Millionen Handys absetzen und sieht sich besser fĂŒr die Krise gewappnet als die Konkurrenz.

GrundsĂ€tzlich mĂŒssen die Hersteller nach Meinung von Analysten alle Handy-Preisklassen bedienen. Wenig Probleme sieht Milanesi bislang bei den teuren Smartphones. Die GerĂ€te im mittleren bis höheren Preissegment dĂŒrften dagegen im nĂ€chsten Jahr am meisten unter Preisdruck stehen, was sich auch auf die BilliggerĂ€te ausweiten dĂŒrfte, sagt die Analystin. Dort herrscht bereits ein erbitterter Preiskampf, der selbst Branchenprimus Nokia unter Druck setzt und den durchschnittlichen Verkaufspreis der Finnen binnen eines Jahres um knapp zehn Euro drĂŒckte. Gleichzeitig werde die Nachfrage nach sehr billigen GerĂ€ten vor allem in den SchwellenlĂ€ndern weiter steigen, prognostiziert Milanesi.

Eine einfache Lösung fĂŒr die Probleme der Branche sehen die Experten nicht. Nach Ansicht von Milanesi sollten die Hersteller bei der Ausstattung noch genauer auf die WĂŒnsche der Konsumenten eingehen und nur solche Anwendungen auf den Markt bringen, die auch nachgefragt werden. Außerdem könnte der Wert der Handys mit mehr Zubehör gesteigert werden. "Statt eines Preisnachlasses kann zum Beispiel eine bessere Speicherkarte eingebaut werden, um die QualitĂ€t des Handys zu steigern." Außerdem mĂŒssen die Unternehmen die LagerbestĂ€nde im Auge behalten.

Denn hier tĂŒrmen sich bereits die Probleme: Analysten warnen bereits vor hohen LagerbestĂ€nden – nicht nur bei den Herstellern selbst, sondern auch bei den Vertriebspartnern. "Die Halbjahreszahlen 2009 könnten beunruhigend ausfallen", schreibt etwa WestLB-Analyst Langer ĂŒber die Situation bei Nokia. Denn mit den hohen LagerbestĂ€nden dĂŒrften die Absatzzahlen der Hersteller vor allem im ersten Quartal 2009 noch einmal krĂ€ftig sinken. (Annika Graf, dpa-AFX) / (anw [5])


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https://www.heise.de/-201208

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Studie-Der-Handymarkt-erholt-sich-2002-56249.html
[2] https://www.heise.de/news/Nokia-mit-Gewinneinbruch-zum-Jahresabschluss-201077.html
[3] https://www.heise.de/news/Sony-Ericsson-rutscht-in-die-Verlustzone-198467.html
[4] https://www.heise.de/news/Motorola-streicht-weitere-4000-Stellen-197978.html
[5] mailto:anw@heise.de