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15-Jähriger knackte DVD-Video

Gerald Himmelein

Hinter dem Crack des Kopierschutzes für Video-DVDs steckt ein 15-jähriger Gymnasiast aus Norwegen.

Ein Albtraum der Hollywood-Studios ist wahr geworden: Das kleine Cracker-Tool DeCSS entschlüsselt mühelos DVD-Videos und kopiert deren ungeschützte Datenströme auf die Festplatte.

Hinter dem DVD-Video-Cracker DeCSS stecken der 15-jährige norwegische Gymnasiast Jon Johansen und zwei anonyme Hacker. In einem Interview mit der Osloer Zeitung "Aftenposten" gibt sich der Jugendliche überrascht: "Ich hab wirklich nicht geglaubt, dass jemand in meinem Alter einfach den Kopierschutz bei DVD-Filmen außer Kraft setzen kann. Das zeigt doch, wie schlecht er sein muss."

In einem Gespräch mit Wired News [1] gibt Johansen allerdings zu, dass DeCSS sich im Wesentlichen einen Implementierungsfehler des Software-DVD-Players von Xing Labs zu Nutze macht. Die Entwickler von XingDVD (Test in c't 20/99) haben ihren Player Key offenbar ungenügend geschützt.

Die Verträge des DVD-Forums mit den Herstellern von DVD-Playern und Decodern drohen demjenigen, der seinen Player Key nicht mit der nötigen Sorgfaltspflicht schützt, hohe Vertragsstrafen an. Bei Xing Labs geht derzeit nur noch ein Anrufbeantworter an den Apparat -- vor wenigen Wochen hat der Streaming-Spezialist RealNetworks das Unternehmen übernommen.

Nach DeCSS tauchten im Internet in rascher Folge Methoden zur Brute-Force-Attacken gegen das Schlüsselsystem auf und schließlich sogar eine Auflistung aller 400 Player-Keys. Damit genügt es nicht mehr, den Xing-Schlüssel auf zukünftigen DVD-Titeln zu deaktivieren: Mit minimalem Aufwand könnten die Cracker ihre Tools auf einen anderen der bekannten Player Keys umstellen.

Hier zu Lande sehen die meisten Hersteller von DVD-Videos dem Crack vermutlich eher gelassen entgegen: Da der Verschlüsselungsalgorithmus lizenziert werden muss, benutzen nur die wenigsten in Deutschland erstellten DVDs derzeit einen CSS-"Schutz". (ghi [2])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-22986

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.wired.com/news/print/0,1294,32263,00.html
[2] mailto:ghi@ct.de