Kommentar: Mehr Kleinwagen wagen
Bye, bye, Fiesta!
(Bild: Ford)
Die Zeiten des ungebremsten "höher, schneller, schwerer" sind eigentlich vorbei. Doch deutsche Autobauer steuern unverdrossen in die entgegengesetzte Richtung.
Auch wenn der Ford Fiesta [1] nicht wirklich zu den charismatischsten Modellen der Automobilgeschichte zĂ€hlte: Dass er nun â wie BMW i3 [2], Smart [3] und die Mercedes A-Klasse [4] â aus dem Programm verschwindet, ist eine schlechte Nachricht. Wieder ein Kleinwagen weniger. An mangelnder Nachfrage dĂŒrfte das eigentlich nicht liegen, eher an mangelnder Marge. Der kleine VW-up [5] etwa verkauft sich offenbar wie geschnitten Brot.
Schon lange werden technische Verbesserungen beim Verbrauch durch immer gröĂere und schwerere Wagen [6] aufgefressen â der klassische "Rebound"-Effekt [7]. Dieser scheint sich durch die Elektrifizierung noch zu verstĂ€rken. Dabei ist es aus Klimasicht wurscht, dass Autos immer effizienter werden. Entscheidend ist der absolute Verbrauch an Energie und Ressourcen.
Ein Problem bleibt der Luftwiderstand bei gröĂeren Autos
Das reine Gewicht ist bei E-Autos [8] zwar weniger problematisch als bei Verbrennern, weil zumindest ein Teil der Beschleunigungsenergie beim Rekuperieren wieder zurĂŒckgewonnen werden kann. Aber was ein Problem bleibt, ist eine groĂe StirnflĂ€che und der damit verbundene Luftwiderstand. Weniger StirnflĂ€che heiĂt weniger Verbrauch heiĂt kleinere Batterie heiĂt weniger Ressourcen- und Stromverbrauch. AuĂerdem emittierten groĂe und starke E-SUVs auch mehr Feinstaub durch Reifenabrieb.
Ein Nebeneffekt der deutschen Fixierung auf Luxuskarossen wie den neuen 7er-BMW [9]: Die AbhĂ€ngigkeit von China steigt weiter. Die chinesischen Hersteller brĂ€chten inzwischen gĂŒnstige Elektromodelle mit neuer Technik und neuen Konzepten nach Europa, zitiert der Spiegel [10] den PwC-Branchenexperte Felix Kuhnert. "Als Ergebnis sehen wir, dass es kein europĂ€isches Modell in die Top 5 der meistverkauften E-Autos weltweit schafft."
Schon lange zeichnet sich ab, dass die Zeiten des "Höher, schneller, schwerer" vorbei sind. Von allen EinschrÀnkungen unseres Wohlstands, die auf uns zu kommen werden, ist der Umstieg auf ein kleineres Auto die harmloseste. Doch einige Autobauer und Kunden steuern genau in die gegenteilige Richtung. Deutlicher können sie nicht machen, wie egal ihnen die Welt ist.
(grh [12])
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[1] https://www.heise.de/news/Ford-Elektroautos-kommen-ab-2023-Fiesta-wird-eingestellt-7320862.html
[2] https://www.heise.de/hintergrund/Elektroauto-BMW-beendet-die-Produktion-des-Elektro-Kleinwagens-BMW-i3-im-Juni-6341906.html
[3] https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/autokatalog/marken-modelle/smart/smart-1/
[4] https://www.handelsblatt.com/unternehmen/automodelle-mercedes-streicht-die-a-klasse-eine-zaesur-die-kritik-ausloest/28456068.html
[5] https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/Bestseller-von-VW-Wird-der-Golf-8-das-Auslaufmodell,golf590.html
[6] https://www.sueddeutsche.de/auto/design-autos-mit-fettsucht-1.2860340
[7] https://www.heise.de/hintergrund/Klimapaket-Der-Rebound-Effekt-laesst-gruessen-4617111.html
[8] https://www.heise.de/hintergrund/Ist-Leichtbau-ueberschaetzt-4356412.html
[9] https://www.heise.de/meinung/Kommentar-Quo-vadis-Autodesign-Innen-Biedermeier-aussen-Grosskotzigkeit-7060370.html
[10] https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/europa-wird-laut-pwc-studie-2025-zum-autoimporteur-e-fahrzeuge-aus-china-a-dc899532-7bec-42ba-862e-3f3eae5ded69
[11] https://www.instagram.com/technologyreview_de/
[12] mailto:grh@technology-review.de
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