Zweitverwertung
FĂŒr einen PC weniger zahlen als fĂŒr eine TankfĂŒllung? Wenn es ein Gebrauchter sein darf, kein Problem. Das spart nicht nur Geld, sondern man erhĂ€lt mit etwas GlĂŒck einen hochwertigen Markenrechner, der prima zum Surfen, E-Mailen sowie Textverarbeiten und Co. taugt.
Der Wert eines PC sinkt im ersten Jahr nach dem Kauf ebenso schnell wie der eines Autos. Doch wĂ€hrend Gebrauchtwagen durchaus salonfĂ€hig sind und auch nach vielen Jahren ihren Zweck noch tadellos erfĂŒllen, gilt der High-End-Rechner schon nach zwei oder drei Jahren als âaltes Eisenâ. Zu Unrecht, denn er erledigt fast alle Routineaufgaben weiterhin mĂŒhelos. Briefeschreiben, E-Mailen, Websurfen, Archivieren der Urlaubsfotos und Abspielen von Videos, all das gehörte bereits vor drei oder vier Jahren zum Alltag.
Die Anforderungen an einen PC steigen lĂ€ngst nicht so schnell, wie die PC-Industrie das vielleicht gerne hĂ€tte. Lediglich bei PC-Spielen insbesondere 3D-Egoshootern, beim Transcodieren von Videos und einigen anderen SpezialfĂ€llen kann ein moderner PC wirklich auftrumpfen. Doch als Fileserver, Router, Schreibmaschine oder Multimediaplayer eignet sich ein PC im âbesten Alterâ genauso gut.
FĂŒr rund 100 Euro gehen MarkengerĂ€te ĂŒber den Tisch, die womöglich weniger Kummer verursachen als ein nagelneues Discount-âSchnĂ€ppchenâ; selbst eine Garantie von einem Jahr Garantie ist fĂŒr Gebraucht-PCs mittlerweile Standard. Das Risiko eines Fehlkaufes entfĂ€llt dadurch fast völlig. Funktioniert ein Second-Hand-Rechner nicht auf Anhieb, steht der VerkĂ€ufer in der Pflicht.
Ein Gebraucht-PC verlockt nicht nur durch den niedrigen Anschaffungspreis, sondern beruhigt auch das ökologische Gewissen. VerlĂ€ngerte Produktlebenszeiten fĂŒhren zu weniger schwer entsorgbarem Elektronikschrott und effizienterer Nutzung der verwendeten Rohstoffe und Resourcen. AuĂerdem wandeln Ă€ltere CPUs deutlich weniger elektrische Energie in WĂ€rme um als die meisten aktuellen Chips. Besonders bei Rechnern im Dauerbetrieb wirken sich Unterschiede von 20 bis 60 Watt durchaus auch auf die Stromrechnung aus.
Marktplatz
Zentrale Anlaufstelle fĂŒr gebrauchte PCs ist mittlerweile das Online-Auktionshaus Ebay. Allerdings dominieren bei PCs nicht die privaten Angebote von einzelnen ausrangierten Rechnern, sondern die Offerten einer ganzen Riege professioneller HĂ€ndler. Die Liste solcher Auktionen ist zwar lang, doch von Produktvielfalt kann nicht die Rede sein. Die meisten Rechner stammen aus der Scenic-Reihe von Fujitsu Siemens oder der Netvista-Familie von IBM. Daneben sieht man noch oft Deskpros von Compaq und Vectras von HP. Diese Modelle waren vor drei bis vier Jahren als Business-PCs beliebt, sind mittlerweile steuerlich abgeschrieben und fliegen nun bei Versicherungen, Banken und Co. raus. ZwischenhĂ€ndler erwerben die abgeschriebenen Business-PCs, löschen die Festplatten und checken die PCs im Idealfall komplett durch.
Die GroĂfirmen legen beim PC-Kauf viel Wert auf QualitĂ€t und greifen gewöhnlich nicht zu Discount-Rechnern. Solide mechanischer Verarbeitung und ein langjĂ€hriger Treiber- und Ersatzteilservice sind vorrangige Auswahlkriterien. So verwundert es auch nicht weiter, dass in einigen MHz-Rubriken bei Ebay bestimmte Rechnertypen massenhaft auftreten und andere ĂŒberhaupt nicht. Beispielsweise bietet praktisch niemand PCs mit AMD-Prozessoren an - vor vier Jahren spielten sie bei den Office-PCs keine Rolle. Die Liga bis 1 GHz dominierten zum Redaktionsschluss eindeutig Scenic-PCs von Fujitsu Siemens.
SchnÀppchen-Jagd
Sieben PCs aus anonymen EinkĂ€ufen zeigen in unserem Test stellvertretend fĂŒr die Gattung der âGebrauchtenâ, ob sie ihrem Ruf als zuverlĂ€ssige Arbeitspferde noch gerecht werden. Sie kosteten jeweils um die 100 Euro zuzĂŒglich 15 bis 25 Euro Versandspesen. Diese Preiskategorie scheint uns am attraktivsten: Darunter zahlt man - in Relation zum Warenwert - zu viel Versandspesen, und fĂŒr etwas ĂŒber 200 Euro bekommt man schon die billigsten Neurechner. Die Vorgabe fĂŒr die TestkĂ€ufe engte die Auswahl bei Ebay auf die Rubrik âRechner ab 600 MHzâ ein, in der Rubrik fĂŒr âRechner ab 1 GHzâ liegen die Preise meist schon deutlich höher.
Da wir Wert auf Garantie legten, kamen nur âSofort-Kaufen-Angeboteâ von HĂ€ndlern in die engere Auswahl. Die echten Auktionen von Privatanbietern blieben auĂen vor. NatĂŒrlich hatten wir dabei auch Gelegenheit, zu erkunden, wie die HĂ€ndler den Garantiebegriff im Problemfall auslegten.
FĂŒr welches Betriebssystem, fĂŒr welche Anwendungen sind die Ă€lteren Rechner ĂŒberhaupt noch geeignet? Diesen Frage gehen wir in zwei weiteren Artikeln ausfĂŒhrlich nach: Ohne groĂe UmstĂ€nde stellt sich auch ein 700-MHz-Rechner mit Windows XP fast allen Herausforderungen (siehe Seite 114, c't 21/05). Wer kein Geld fĂŒr ein Betriebssystem ausgeben möchte, greift zu Linux (siehe Seite 118, c't 21/05). Einen aktuellen Marktpreisspiegel liefern die Ergebnisse unsere Gebraucht-PC-Umfrage ab Seite 122, c't 21/05.
Zwar Ă€ndert sich das Angebot an gebrauchten Rechnern ĂŒber einen relativ langen Zeitraum kaum, jedes Exemplar ist aber in gewisser Weise ein EinzelstĂŒck. Der BĂŒro-PC eines AuĂendienstmitarbeiters mag nur wenige Betriebsstunden absolviert, sein SchwestergerĂ€t im Sekretariat könnte hingegen schon viel erduldet haben. Da es somit auch kaum sinnvoll ist, ein bestimmtes Modell zu empfehlen, fassen wir unsere Erfahrungen zusammen. Die Leistungsdaten der sieben Systeme finden sich wie ĂŒblich in den Tabellen.
Testfeld
Sechs der insgesamt sieben gebrauchten Rechner stammen aus Ebay-Sofort-Kauf-Angeboten, den siebten bezogen wir aus dem Online-Shop eines HĂ€ndlers. Mit einem Preis von 74 Euro bildet ein Scenic PIII 700 MHz (Pentium III, 256 MByte RAM) das untere Ende der Preisskala. FĂŒr je 89 Euro erwarben wir einen Scenic PIII 866 MHz mit 256 MByte Speicher und einen Scenic PIII 933 MHz mit 128 MByte RAM. Im preislichen Mittelfeld liegt ein Maxdata-PC mit 933 MHz und 256 MByte RAM fĂŒr 109 Euro. Das teuerste Modell (129 Euro plus Versand) stammt ebenfalls von Fujitsu Siemens und besitzt einen 1-GHz-Prozessor und 256 MByte Speicher. Mit nur 128 MByte, ansonsten aber vergleichbarer Ausstattung bot ein HĂ€ndler auch einen IBM Netvista inklusive 19:â-Monitor an. Lediglich die Versandspesen klettern dann von 15 auf 25 Euro. MHz-Spitzenreiter ist ein 1,2-GHz Celeron (Scenic D, 256 MByte RAM) fĂŒr 99 Euro.
In fast allen gekauften Rechnern steckt ein Intel-i815-Chipsatz, teils mit integrierter Grafik. Ebenfalls vertreten sind die etwas Ă€lteren i440BX-Chips. Daher verfĂŒgen zwar alle Systeme ĂŒber USB, aber nur nach dem 1.1-Standard (12 MBit/s). Den ACâ97-Sound liefert bei fast allen Kandidaten das Mainboard, nur in zwei Rechnern steckt eine PCI-Soundkarte.
Die restliche Ausstattung variiert nur minimal: CD-ROM-, Floppy-Laufwerk und 20 GByte Festplatte sowie Netzwerkkarte sind ĂŒblich, DVD-Laufwerke oder gar Brenner eher die Ausnahme. Modelle mit 128 MByte Speicher tauchen ebenso auf wie GerĂ€te mit 256 MByte. Der Lieferumfang hingegen enttĂ€uscht bei fast allen Auktionen; auĂer dem obligatorischen KaltgerĂ€tekabel gibt es bestenfalls Maus und Tastatur dazu. HandbĂŒcher und Treiber-CDs suchten wir in fast allen Kartons vergeblich, lediglich zwei Rechnern lagen selbst gebrannte CDs mit ein paar Treibern bei.
| "Die wahren SchnÀppchen" | |
| Weitere Artikel zum Thema "Gebraucht-PCs" finden Sie in der c't 21/2005: | |
| Gebraucht-PCs der 100-Euro-Klasse im Test | S. 104 |
| Windows und Anwendungen | S. 114 |
| Legale Software-SchnÀppchen | S. 117 |
| Linux auf Gebraucht-PCs | S. 118 |
| Ergebnisse der c't-Umfrage | S. 122 |
(bbe [1])
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