Zahlen, bitte! Trouble mit 1.771.551 Tribbles
Ab Donnerstag lĂ€uft "Star Trek Beyond" in den deutschen Kinos. Zeit fĂŒr einen Blick zurĂŒck auf die Crew, mit der alles begann, und die legendĂ€re Folge mit den Tribbles. Wie berechnet Mr. Spock die genaue Anzahl der Tribbles? Metin Tolan hat nachgerechnet.
In der 15. Folge der 2. Staffel der "The Original Series" mit dem Titel "Kennen Sie Tribbles?" [2] schenkt der HĂ€ndler Cyrano Jones auf der Raumstation K-7 Lieutenant Uhura einen Tribble, den diese mit auf die Enterprise bringt. Tribbles sind kleine faustgroĂe flauschige Tiere, die ein beruhigendes "Gurren" von sich geben und deswegen von allen sehr geliebt werden. Leider haben sie zwei negative Eigenschaften. Sie vermehren sich sehr stark, und sie haben einen sehr groĂen Hunger. Auf der Enterprise wimmelt es daher nach kurzer Zeit nur so vor Tribbles. Auch auf der Raumstation K-7 haben sich die Tribbles rasant vermehrt. Allerdings lagert dort ein gröĂerer Vorrat des Getreides Quadrotriticale, welches fĂŒr die Besiedelung des Sherman-Planeten benötigt wird. Dieses Getreide wird von zwei Crewmitgliedern der Enterprise bewacht, um die Nilz Baris gebeten hat.
Ein Getreidespeicher voller Tribbles
Baris ist ein FunktionĂ€r der Sternenflotte, der in diesem Sektor fĂŒr die Besiedlung neuer Planeten verantwortlich ist. Man muss verhindern, dass die gefrĂ€Ăigen Tribbles mit dem Getreide in Kontakt kommen. Als Captain Kirk dies am Ende der Folge vorsichtshalber ĂŒberprĂŒfen will, indem er eine Luke des Getreidespeichers öffnet, rieseln unzĂ€hlige Tribbles auf ihn herab. Dabei ergibt sich nach einigen Sekunden das folgende GesprĂ€ch:
Kirk (guckt verzweifelt aus einem Haufen von Tribbles heraus): Ehhhhh!
Spock (greift sich einen Tribble): Die sind gut im Futter.
Nilz Baris: Gut im Futter? Von unserem Getreide? DafĂŒr mache ich Sie verantwortlich. Da krabbeln ja Tausende rum...
Kirk: Hunderttausende!
Spock: Eine MillionsiebenhunderteinundsiebzigtausendfĂŒnfhunderteinundfĂŒnfzig. Diese Zahl beruht auf der Annahme, dass ein Tribble im Allgemeinen tĂ€glich zehn Junge wirft, und das ĂŒber einen Zeitraum von drei Tagen.
Kirk: Sie sind also davon ĂŒberzeugt, dass die schon drei Tage hier drin sind.
Spock: Meine Berechnungen beruhen auf der GröĂe des Vorratsraumes und der Menge des verzehrten Getreides.
(Bild:Â CBS Television Studios / Paramount Pictures, 1967)
Hmmm, tun sie das wirklich? Spock hat also eine Zahl von 1.771.551 Tribbles berechnet. Wie kommt er auf genau diesen Wert? Tribbles werden schwanger geboren und scheinen zudem bisexuell zu sein. Sie können also von sich aus Nachkommen produzieren, und wir können fĂŒr unsere Rechnung einzelne Tribbles verwenden. Spock sagt, dass ein Tribble pro Tag zehn Junge wirft, also wird offenbar alle 2,4 Stunden ein Nachkomme geboren. FĂŒr die von Spock genannten drei Tage heiĂt dies nun, dass wir 30 Vermehrungszyklen zugrunde legen mĂŒssen. Da Tribbles aber bereits schwanger geboren werden, kommt ein Vermehrungszyklus hinzu. Die Zahl der Tribbles ist dann die 31. Zahl der sogenannten Fibonacci-Folge [3], mit der schon im 12. Jahrhundert die Vermehrungsrate von Kaninchen bestimmt wurde. Diese Zahl lautet 1.346.269. Das ist zwar durchaus in der NĂ€he der von Spock genannten 1.771.551 Tribbles, aber kann Spock sich wirklich so verrechnet haben? Immerhin ist die Differenz ja gröĂer als 400.000 Tribbles!
Mr. Spock: Star Treks RechenkĂŒnstler
Offenbar hat Spock doch etwas anderes ausgerechnet. Aber was? Man kommt der Lösung etwas nĂ€her, wenn man sich die Zahl 1.771.551 genauer ansieht. Die Quadratwurzel aus 1.771.551 ist nĂ€mlich 1 330,996 ⊠Das ist sehr dicht an 1.331. Und 1.331 ist 11 â 11 â 11 oder 113. Die Zahl 1.771.551 ist also ungefĂ€hr 11 â 11 â 11 â 11 â 11 â 11 oder kĂŒrzer 116. Wenn das mit den zehn Nachkommen in Spocks ErklĂ€rung so gemeint ist, dass immer nach einem Vermehrungszyklus zehn Tribbles auf einmal geboren werden, dann macht das jeweils 11-mal mehr als im Zyklus vorher, wenn man den Ausgangstribble mitzĂ€hlt. Allerdings mĂŒssten wir dann sechs Vermehrungszyklen annehmen, was aber Spocks Aussage widerspricht. Er sagt, dass ein Tribble pro Tag zehn Junge wirft und dies ĂŒber drei Tage passiert sein soll. Das wĂ€ren also nur drei Vermehrungszyklen und somit insgesamt nur 113 = 1.331 Tribbles. Trotzdem sind wir auf der richtigen Spur. Die Lösung ergibt sich, wenn wir uns den englischen Originalton anhören. Dort sagt Spock das Folgende:
Spock: One millionsevenhundredseventy onethousandfivehundred SIXTYone. Thatâs assuming one tribble, multiplying with an average litter of ten, producing a new generation every TWELVE hours over a period of three days.
Tribbles mit zehn Nachkommen alle 12 Stunden
Aha! Im Englischen sagt Spock also, dass ein Tribble zehn Nachkommen alle zwölf Stunden und nicht etwa pro Tag produziert. Das macht sechs Vermehrungsperioden in drei Tagen, was damit also die 116 erklĂ€rt. Und noch etwas ist anders. Spock sagt im Original, dass es 1.771.561 Tribbles sind, wĂ€hrend in der deutschen Ăbersetzung von 1.771.551 die Rede ist. Hier wurde einfach nur schlampig ĂŒbersetzt, denn 116 ist exakt 1.771.561! Spock hat also tatsĂ€chlich alles exakt ausgerechnet. Nichts anderes hĂ€tte man von dem analytischen Vulkanier auch erwartet!
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Metin Tolan, ist Professor fĂŒr Experimentelle Physik an der TU Dortmund und Autor des Buchs âDie Star Trek Physik. Warum die Enterprise nur 158 Kilo wiegt und andere galaktische Erkenntnisseâ © 2016 Piper Verlag GmbH, MĂŒnchen
(jle [5])
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[2] http://de.memory-alpha.wikia.com/wiki/Kennen_Sie_Tribbles%3F
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Fibonacci-Folge
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