Wieder mehr Insolvenzen in Deutschland
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland ist zum ersten Mal seit langer Zeit wieder gestiegen. Am hÀrtesten traf es HÀndler und Dienstleister.
Die Creditreform [1] meldet fĂŒr das erste Halbjahr 2012 einen Anstieg der Unternehmensinsolvenzen [2]. Mit 15.200 Pleiten bzw. 0,7 Prozent Plus im Vergleich zum Vorjahresquartal fĂ€llt der Anstieg auf den ersten Blick zwar sehr moderat aus, dennoch könnte er der Vorbote einer Trendwende sein.
Der volkswirtschaftliche Schaden [3], der durch die Firmenpleiten [4] entstanden ist, ist nĂ€mlich im Vergleich zum Vorjahr deutlich stĂ€rker ausgefallen. FĂŒr das erste Halbjahr 2012 wird er auf rund 16,2 Milliarden Euro beziffert, im Vergleichszeitraum des Vorjahres lag er mit 10,4 Milliarden Euro deutlich niedriger. Von den 16,2 Millarden Euro mĂŒssen 4,6 Milliarden bei der öffentlichen Hand abgeschrieben werden, die restlichen 11,6 Mrd. Euro mĂŒssen die privaten GlĂ€ubiger [5] tragen. Damit haben private GlĂ€ubiger laut Creditreform pro Insolvenzfall im Durchschnitt 763.000 Euro verloren. Auch dies ist gegenĂŒber dem Vorjahr ein massiver Anstieg: damals lag der Durchschnitt bei 484.000 Euro.
Und auch an anderer Stelle hat der kleine Anstieg um 0,7 Prozent durchaus groĂe Nebenwirkungen. So mĂŒssen derzeit 150.000 Arbeitnehmer [6] aufgrund der Insolvenz [7] ihres Arbeitgebers um ihren Job fĂŒrchten, im Vorjahreszeitraum waren es "nur" 110.000. Das entspricht einem Anstieg um 36,6 Prozent.
Wie die Statistik zeigt, hat es einzelne Branchen besonders stark getroffen. WĂ€hrend sich die Situation im Verarbeitenden Gewerbe und im Bausektor weiter entspannt, sah es vor allem fĂŒr den Handel [8] schlimm aus: Hier stieg die Zahl der Insolvenzen im ersten Halbjahr um 7,9 Prozent auf aktuell 3.140 FĂ€lle. Im Dienstleistungssektor wurde mit 8.700 InsolvenzfĂ€llen ein Anstieg von 1,8 Prozent verzeichnet.
Besonders hĂ€ufig hat es im ersten Halbjahr GroĂunternehmen erwischt. Ihr Anteil am Insolvenzgeschehen ist um 33,3 Prozent gestiegen. Dennoch entfallen die meisten Insolvenzen nach wie vor auf Kleinstbetriebe mit bis zu fĂŒnf BeschĂ€ftigten. Auf sie entfielen 79,5 Prozent der Insolvenzen. (gs [9])
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[1] http://www.creditreform.de
[2] https://www.heise.de/hintergrund/Insolvenz-des-Geschaeftspartners-Hilfsbereitschaft-wird-bestraft-1614829.html
[3] https://www.heise.de/hintergrund/Bessere-Chancen-auf-eine-Sanierung-1369596.html
[4] https://www.heise.de/hintergrund/Insolvenzverfahren-Arbeitgeber-muss-Abfindung-nicht-zahlen-1378179.html
[5] https://www.heise.de/hintergrund/Gesetz-zur-Erleichterung-der-Firmensanierung-ist-in-Kraft-1474010.html
[6] https://www.heise.de/hintergrund/Insolvenzverfahren-rechtfertigt-keine-fristlose-Kuendigung-1343890.html
[7] https://www.heise.de/hintergrund/Reform-des-Insolvenzrechts-Die-wichtigsten-Inhalte-des-Regierungsentwurfs-1231703.html
[8] https://www.heise.de/hintergrund/Haftungsfallen-fuer-GmbH-Geschaeftsfuehrer-1168677.html
[9] mailto:gs@ct.de
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