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Wenn Drohnen Umwege fliegen

Jamie Condliffe

Die Vision eines Himmels voller unbemannter FluggerĂ€te wird allmĂ€hlich zur RealitĂ€t. Der Google-Konzern Alphabet entwickelt deshalb eine automatisierte Lösung, um ZusammenstĂ¶ĂŸe im Luftraum zu verhindern.

Eine einzelne Drohne zu steuern, ist nicht besonders schwierig. Anders sieht es aber aus, wenn Tausende davon unterwegs sein sollen, ohne dass sie miteinander kollidieren. Das X Laboratory des Google-Konzerns Alphabet entwickelt deshalb eine automatisierte Lösung dafĂŒr.

Die Vision eines Himmels voller autonomer Flugzeuge ist nicht mehr so weit hergeholt, wie sie einst schien. In Großbritannien hat Amazon mit seinen Quadrocoptern bereits echte Bestellungen ausgeliefert [1], und ein Start-up namens Zipline hat gezeigt, dass es mit seinen FlĂŒgel-Drohnen Medikamente in abgelegene Gegenden bringen kann [2]. Wenn man dann noch Flugzeuge fĂŒr Bodenbeobachtung und Inspektionen von Infrastruktur hinzunimmt, ist durchaus vorstellbar, dass in nicht allzu langer Zeit massenhaft Drohnen unterwegs sein könnten.

Die große Frage dabei ist, wie sich verhindern lĂ€sst, dass es zu einem Chaos kommt. Denn viele der Drohnen werden in geringen Höhen ĂŒber dem begrenzten Luftraum von StĂ€dten unterwegs sein, so dass die Gefahr fĂŒr Kollisionen bei großen StĂŒckzahlen rapide zunimmt. TatsĂ€chlich wird das Fehlen einer Flugsicherung fĂŒr Drohnen hĂ€ufig als das grĂ¶ĂŸte Hindernis fĂŒr die EinfĂŒhrung von Warenlieferungen per Luftfracht genannt.

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Hier kommt das Project Wing von Alphabet ins Spiel, angesiedelt bei X als dem Alphabet-Labor, das besonders ambitionierte Zukunftsthemen erforscht. Zusammen mit der Nasa und der US-Luftaufsicht FAA werden darin neue Systeme entwickelt, die ZusammenstĂ¶ĂŸe von unbemannten FluggerĂ€ten verhindern sollen. Über Nasa-Versuche mit Ă€hnlichen Systemen wurde schon berichtet [7]. Vergangene Woche haben die Alphabet-Forscher ihre neue Technologie in dem von der FAA genehmigten Drohnen-Testgebiet des Virginia Polytechnic Institute getestet.

Bei dem Experiment [8] kamen insgesamt sechs Drohnen zum Einsatz. Drei davon gehörten zu Project Wing – wie bei echten Lieferungen holten sie Pakete ab und lieferten sie aus. Gleichzeitig flogen zwei Drohnen von Intel und eine von Virginia Tech simulierte Rettungsmissionen. Jedes der FluggerĂ€te wurden von seinem EigentĂŒmer gesteuert, wobei sie unterwegs mit Hilfe der Software "unmanned aircraft systems Air Traffic Management" (kurz UTM) drahtlos Informationen ĂŒber ihren Flugweg austauschten.

Das System erfasst kontinuierlich, in welche Richtung die Drohnen fliegen, erkennt, wo es zu Kollisionen kommen könnte, plant neue Routen und aktualisiert sie automatisch, ohne dass der jeweilige Pilot eingreifen muss (er wird aber ĂŒber die Änderung informiert). Mit demselben System könnte die FAA dynamisch Flugverbotszonen vorgeben, um Drohnen beispielsweise um ein Gebiet mit einem Brand herumzuleiten.

Die gute Nachricht: Es kam zu keinem Zusammenstoß unter den sechs Testdrohnen. Die schlechte Nachricht: Es waren nur sechs Drohnen an dem Versuch beteiligt. In Zukunft will Project Wing nach eigenen Angaben "mehr simultane FlĂŒge unterstĂŒtzen und in komplexeren Umgebungen navigieren". Doch auch dann dĂŒrften derartige Systeme noch nicht sofort zur weiten Verbreitung von Lieferdrohnen fĂŒhren: Die FAA geht davon aus, dass sie ihre Vorgaben zur Kollisionsvermeidung bei Drohnen nicht vor 2019 fertiggestellt haben wird [9].

(sma [10])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-3740894

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/newsticker/meldung/Amazon-liefert-erste-Bestellung-per-Drohne-in-Grossbritannien-aus-3570750.html
[2] https://www.heise.de/newsticker/meldung/Drohnen-Eisenbahnnetz-fuer-den-Himmel-3091961.html
[3] https://www.heise.de/hintergrund/Drohnen-gegen-Drogenschmuggler-3714130.html
[4] https://www.heise.de/hintergrund/DHL-Experimente-bitte-3683795.html
[5] https://www.heise.de/hintergrund/Post-aus-Japan-Die-kugelrunde-Displaydrohne-3715806.html
[6] https://www.heise.de/hintergrund/Drohne-statt-Biene-3622508.html
[7] https://www.technologyreview.com/s/531811/air-traffic-control-for-drones/
[8] https://blog.x.company/managing-traffic-in-the-skies-494e2d992358%5D
[9] https://www.technologyreview.com/s/602527/delivery-option-drone-arrival-estimate-2020/
[10] mailto:s.mattke@gmail.com