Weniger Firmeninsolvenzen im ersten Halbjahr
Im ersten Halbjahr 2012 ist die Zahl der Firmeninsolvenzen weiter gesunken. In der zweiten JahreshÀlfte rechnen die Experten jedoch mit einer Trendumkehr.
Im ersten Halbjahr 2012 war bei der Entwicklung der Firmeninsolvenzen [1] noch nichts von einer europĂ€ischen Schuldenkrise zu spĂŒren. So meldeten nach Angaben der Hamburger Wirtschaftsauskunftei BĂŒrgel [2] in diesem Zeitraum insgesamz 15.082 Unternehmen Insolvenz an. Das sind 1,4 Prozent weniger [3] als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Allerdings rechnen die Wirtschaftsexperten bei den Zahlen fĂŒr die zweite JahreshĂ€lfte mit einer Trendumkehr. Die hiesige Wirtschaft schwĂ€che sich aktuell ab, was zwangslĂ€ufig zu einer steigenden Zahl an Firmeninsolvenzen [4] fĂŒhren werde. Ein Indikator dafĂŒr sei vor allem die derzeit abnehmende BonitĂ€t [5] der deutschen Unternehmen. FĂŒr das gesamte Jahr 2012 prognostiziert BĂŒrgel deshalb 31.000 Firmeninsolvenzen.
Besonders schwer haben es erneut vor allem die Jungunternehmen [6]. Der Anteil der bis zu zwei Jahre alten Firmen an Insolvenzstatistik betrÀgt aktuell 26,5 Prozent. Im ersten Halbjahr waren es 3.993 Pleiten und damit 1,6 Prozent mehr als in der VorjahreshÀlfte. Auch bei den Unternehmen [7], die erst drei bis vier Jahre am Markt sind, stieg die Zahl der Insolvenzen, mit einem Plus von 0,5 Prozent fiel der Zuwachs allerdings deutlich geringer aus. Insgesamt haben die drei- und vierjÀhrigen Firmen einen 12,3-prozentigen Anteil an der aktuellen Insolvenzstatistik.
Am stĂ€rksten ist Nordrhein-Westfalen von den Unternehmenspleiten betroffen (5.697 Firmenpleiten absolut bzw. 87 FĂ€lle je 10.000 Unternehmen). Weit ĂŒber dem Bundesdurchschnitt von 47 FĂ€llen je 10.000 Firmen liegen auch Sachsen-Anhalt (58 je 10.000 Firmen) und Schleswig-Holstein (54). Die wenigsten Firmeninsolvenzen gab es in Baden-WĂŒrttemberg (27 Pleiten je 10.000 Unternehmen), Bayern (31), Hessen und Mecklenburg-Vorpommern (je 35).
Insgesamt stieg die Zahl der Firmenpleiten im Vergleich zum Vorjahr in insgesamt vier BundeslÀndern an: in Schleswig-Holstein gab es mit 6,6 Prozent den höchsten Anstieg, es folgten Bayern (plus 4,4 Prozent), Hessen (plus 1,7 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (plus 0,3 Prozent). das höchste Minus hat Mecklenburg-Vorpommern mit 13,4 Prozent weniger Firmeninsolvenzen zu verzeichnen, gefolgt von Rheinland-Pfalz (minus 9,6 Prozent) und Niedersachsen (9,0 Prozent).
Nach Rechtsformen [8] betrachtet, betrafen 42 Prozent der Pleiten im ersten Halbjahr Gewerbetreibende und Einzelunternehmen [9]. 38,6 Prozent der Firmenpleiten gehen auf das Konto von GmbHs [10]. Mit groĂem Abstand folgt die Unternehmergesellschaft [11] (haftungsbeschrĂ€nkt) mit einem Anteil von 5,3 Prozent. Allerdings gab es hier einen massiven Anstieg der Fallzahlen um 75 Prozent.
Als hĂ€ufigsten Grund fĂŒr die aktuellen Insolvenzen haben die Analysten das Ausbleiben neuer oder die Stornierung bzw. die Verschiebung bereits erteilter AuftrĂ€ge ausgemacht. Viele Firmen werden von zahlungsunfĂ€higen Kunden mit in die Pleite gerissen. Erst auf den weiteren PlĂ€tzen folgen innerbetriebliche Fehler, etwa im Management, sowie fehlendes Eigenkapital [12] als Insolvenzursache. (gs [13])
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-1727896
Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/hintergrund/So-koennen-Sie-das-Risiko-einer-Insolvenzanfechtung-reduzieren-1251687.html
[2] http://www.buergel.de/produkte-leistungen/wirtschaftsinformationen.html?pmb=&pds=g&pkw=%2Bwirtschaftsauskunft&pmt=b
[3] https://www.heise.de/hintergrund/Zahl-der-Insolvenzen-2011-weiter-gesunken-1389895.html
[4] https://www.heise.de/hintergrund/Insolvenzrecht-Finanzministerium-plant-Glaeubiger-Ranking-1074594.html
[5] https://www.heise.de/hintergrund/Dickes-Plus-bei-Auftraegen-und-Umsaetzen-1232281.html
[6] https://www.heise.de/hintergrund/Jungunternehmer-besonders-oft-von-Insolvenz-betroffen-1587218.html
[7] https://www.heise.de/hintergrund/Bessere-Chancen-auf-eine-Sanierung-1369596.html
[8] https://www.heise.de/hintergrund/Mehr-Schein-als-Sein-1711747.html
[9] https://www.heise.de/hintergrund/Selbstaendigkeit-in-der-Insolvenz-Das-Finanzamt-darf-gegenrechnen-1142016.html
[10] https://www.heise.de/hintergrund/Wenn-aus-der-GmbH-eine-Personengesellschaft-wird-1711283.html
[11] https://www.heise.de/hintergrund/Erleichterung-fuer-kleinere-Unternehmen-1662797.html
[12] https://www.heise.de/hintergrund/Unternehmensfinanzierung-trotz-Eurokrise-unproblematisch-1619569.html
[13] mailto:gs@ct.de
Copyright © 2012 Heise Medien