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Ubuntu 18.04 LTS: Ubuntu Desktop statt Unity, Kernel-Livepatching

| Thorsten Leemhuis

Unity hat ausgedient, Wayland muss zurĂŒckstecken, Gnome & X-Server sind zurĂŒck. Ubuntu 18.04 LTS macht es Anwendern zudem leichter, lĂ€stigen Neustarts aus dem Weg zu gehen. Neu dabei ist die Minimal-Installation und ein frischer Server-Installer.

Ein Jahr nach AbkĂŒndigung von Ubuntu Phone und Unity Desktop [1] ist Donnerstagnacht eine neues Ubuntu mit Langzeitpflege erschienen: Ubuntu 18.04 LTS. Statt Unity setzt die HauptausfĂŒhrung der Linux-Distributionsfamilie den "Ubuntu Desktop" auf Gnome-Basis ein. Er Ă€hnelt Unity auf den ersten Blick sehr; anders als bei Ubuntu 17.10 lĂ€uft er aber nicht im modernen Wayland-Modus, sondern mit einem X-Server. Neu dabei ist ein Willkommensdialog, der zur Einrichtung des Livepatch-Service von Canonical animiert. Außerdem gibt es den Ubuntu Server jetzt in zwei Varianten. Details zu diesen und zahlreichen weiteren Neuerungen liefert die folgende Bilderstrecke:

Die Neuerungen der Ubuntu-18.04-Distributionsfamilie (0 Bilder) [2]

[3]

Wer vom letzten LTS-Release 16.04 auf die neue Version wechselt, muss sich ein wenig umgewöhnen, weil der Ubuntu Desktop sich auf den zweiten Blick eben doch von Unity unterscheidet. Einige Hinweise dazu und Tipps fĂŒr produktive Arbeit liefert der in c't 23/2017 erschienene Artikel "Einblick in die BedienoberflĂ€che von Ubuntu Desktop 17.10", den Sie ab jetzt kostenlos auf ct.de lesen können.

Aus dem c't-Artikel stammende Grafik zu den wichtigsten Elementen des Ubuntu Desktop.

Die wichtigsten Elementen des Ubuntu Desktop.

(Bild: c't 23/2017, S. 122)

Der Text geht auch auf eine Reihe von Eigenarten und Probleme im Wayland-Modus ein, in dem die BedienoberflĂ€che bei 17.10 von Haus aus lĂ€uft. Um die brauchen Sie sich bei 18.04 LTS aber normalerweise nicht sorgen: Dort arbeitet Ubuntu Desktop standardmĂ€ĂŸig ganz traditionell mithilfe eines X-Servers von X.org. Der Umstieg auf die Wayland Display Architecture ist deshalb aber noch lange nicht vom Tisch, denn er soll bis spĂ€testens Ubuntu 20.04 auch in der Langzeitpflege-Variante Einzug erhalten.

Die neue Version von Ubuntu Desktop steht auf der Webseite des Ubuntu-Projekts zum Download [4] bereit; dort gibt es auch Installations-Images mit dem Ubuntu Server, die entweder den alten oder den neuen Server-Installer nutzen. Einige wichtige Hinweise zum Einsatz und einige weiteren Änderungen nennen die Release Notes fĂŒr diese und weitere Distributionsvarianten [5], die Canonical selbst betreut.

FreigabeankĂŒndigung [6] und Pressemitteilung [7] zu Ubuntu 18.04 liefert noch einige zusĂ€tzliche Informationen. Bezugsquellen und Versionshinweise der anderen Ubuntu-Varianten finden sich ĂŒber die erwĂ€hnten Versionshinweise [8] sowie den Webseiten zu Ubuntu-AusfĂŒhrungen wie Kubuntu [9], Lubuntu [10], Ubuntu Budgie [11], Ubuntu MATE [12], Ubuntu Studio [13] und Xubuntu [14].

Ein Tutorial erlĂ€utert das Upgrade auf die neue Version des Ubuntu Desktop [15]. Wie gewohnt dĂŒrfte Ubuntu-16.04-Installationen das Update auf 18.04 erst von sich aus vorgeschlagen, sobald mit Ubuntu 18.04.1 die erste von fĂŒnf grĂ¶ĂŸeren Überarbeitung erhĂ€ltlich ist. Das sollte im FrĂŒhsommer der Fall sein.

Ubuntu 18.04 ist wieder ein Release mit Long Term Support (LTS); Canonical verspricht daher, alle im Repository "Main" liegenden Pakete fĂŒnf Jahre zu pflegen und mit Sicherheitskorrekturen zu versorgen. Die Pakete in den Repositories "Universe" und "Multiverse", die bei den fĂŒr Desktops und Notebooks gedachten Distributionensvarianten standardmĂ€ĂŸig aktiv sind, betreut hingegen die Ubuntu-Community. Die will lediglich einen Bruchteil der dort liegenden Software fĂŒnf Jahre warten; um einen etwas grĂ¶ĂŸerer Teil kĂŒmmert sie sich immerhin drei Jahre. Beim Gros der Software ist frĂŒher Schluss; manche Pakete haben gar niemand, der sie pflegt.

CVE Tracker fĂŒr das Universe Repository von Ubuntu.

Der CVE Tracker fĂŒr das Universe Repository von Ubuntu zeigt, welche Pakete gut gepflegt sind und welche nicht.

Das zeigt sich bei einem Blick auf den CVE-Tracker von Universe [17]: In der Spalte zu Ubuntu 16.04 finden sich bereits nach zwei Jahren allerlei Pakete, denen vermutlich oder bekanntermaßen Korrekturen fĂŒr bekannte SicherheitslĂŒcken fehlen. In den Phpmyadmin- und Zabbix-Paketen dieser Ubuntu-Version klaffen beispielsweise seit lĂ€ngerem schwerwiegende SicherheitslĂŒcken; auch in VLC und Gstreamer-Plugins, die auf vielen Desktops und Notebooks installiert sein dĂŒrften, gibt es allerlei grĂ¶ĂŸere Schwachstellen. Einige davon stecken auch in den Paketen, die sich in den Repositories von Ubuntu 18.04 finden.

Wie ĂŒblich gibt es fĂŒnf Jahre Support auch nur bei Kubuntu und von Canonical betreuten Distributionsvarianten wie Ubuntu Desktop und Ubuntu Server. [Update 2018-04-27-11:30] Anders als gewohnt bekommt Kubuntu diesmal nicht fĂŒnf, sondern nur drei Jahre Pflege [/Update] Die Macher von Lubuntu, Ubuntu Budgie, Ubuntu MATE und Xubuntu versprechen hingegen drei Jahre Pflege fĂŒr die Software, die diese Distributionen standardmĂ€ĂŸig aufspielen. Ubuntu Studio wird sogar nur einige Monate gepflegt, weil dem Projekt die Ressourcen zur Langzeitpflege fehlen; das ist einer der GrĂŒnde, warum die Entwickler an einem "Reboot" dieser Ubuntu-Variante [18] bei Version 18.10 arbeiten.

Welche der installierten Pakete wie lange gewartet werden, verrÀt das Kommando ubuntu-support-status.

Bereits beim Einspielen der fĂŒr gĂ€ngige Video-Formate nötigen Gstreamer-Codecs landen einige Ubuntu-Pakete auf der Platte, bei denen sich bereit erklĂ€rt hat, aktuell oder in Zukunft gefundene SicherheitslĂŒcken zu stopfen.

Bereits beim Einspielen der fĂŒr gĂ€ngige Video-Formate nötigen Gstreamer-Codecs landen einige Ubuntu-Pakete auf der Platte, bei denen sich niemand bereit erklĂ€rt hat, aktuelle SicherheitslĂŒcken zu stopfen.

(Bild: c't)

Mehr Infos

Dieser Text ging einige Stunden vor der geplanten Veröffentlichung von Ubuntu 18.04 online; nach der Freigabe haben wir einige Formulierungen angepasst und Links hinzugefĂŒgt, inhaltlich aber nichts verĂ€ndert.

Die ab dem 12. Mai erhÀltliche c't 11/2018 wird einen Test des neuen Ubuntu enthalten, der auf einige der angerissenen Aspekte und die Neuerungen von Ubuntu 18.04 detaillierter eingeht. (thl [19])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-4030925

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Canonical-gibt-Ubuntu-Phone-auf-und-ersetzt-Unity-Desktop-durch-Gnome-3-3676254.html
[2] https://www.heise.de/bilderstrecke/2415075.html?back=4030925;back=4030925
[3] https://www.heise.de/bilderstrecke/2415075.html?back=4030925;back=4030925
[4] https://www.ubuntu.com/download
[5] https://wiki.ubuntu.com/BionicBeaver/ReleaseNotes
[6] https://lists.ubuntu.com/archives/ubuntu-announce/2018-April/000231.html
[7] https://insights.ubuntu.com/2018/04/26/ubuntu-18-04-lts-optimised-for-security-multi-cloud-containers-ai
[8] https://wiki.ubuntu.com/BionicBeaver/ReleaseNotes#Official_flavors
[9] https://kubuntu.org/
[10] https://lubuntu.me/
[11] https://ubuntubudgie.org/
[12] https://ubuntu-mate.org/
[13] https://ubuntustudio.org/
[14] https://xubuntu.org/
[15] https://tutorials.ubuntu.com/tutorial/tutorial-upgrading-ubuntu-desktop
[16] 
[17] https://people.canonical.com/~ubuntu-security/cve/universe.html
[18] https://lists.ubuntu.com/archives/ubuntu-studio-devel/2018-April/008648.html
[19] mailto:thl@ct.de