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Schutz der PrivatsphÀre: "US-Parlament ist gezwungen zu handeln"

| Daniel AJ Sokolov

Trotz aller Zwistigkeiten werde das US-Parlament beim Thema PrivatsphĂ€re tĂ€tig werden mĂŒssen. Das meint Marc Rotenberg von EPIC (Electronic Privacy Information Center). Bei seinem Einsatz fĂŒr die PrivatsphĂ€re aller BĂŒrger arbeitet er mit Abgeordneten beider Parlamentsparteien.

Kommendes Jahr laufen drei zentrale Bestimmungen des USA Patriot Act aus [1] – sofern nicht eine neuerliche VerlĂ€ngerung beschlossen wird. "Das Parlament wird Anfang kommenden Jahres handeln mĂŒssen", war sich Marc Rotenberg im GesprĂ€ch mit heise online sicher. Außerdem wirft er ein scharfes Auge auf drei GesetzesantrĂ€ge, die noch dem gegenwĂ€rtigen, alten US-Parlament vorliegen: Reformen bei der NSA, beim FBI-Zugriff auf E-Mails und bei der Weitergabe von Daten fĂŒr Sicherheitsbelange.

Marc Rotenberg: "Die Demokraten haben nichts fĂŒr die PrivatsphĂ€re getan, seit sie von Snowden mit heruntergelassenen Hosen erwischt wurden."

Marc Rotenberg: "Die Demokraten haben nichts fĂŒr die PrivatsphĂ€re getan, seit sie von Snowden mit heruntergelassenen Hosen erwischt wurden."

(Bild: Daniel AJ Soklolov / heise online)

Rotenberg ist PrĂ€sident des Electronic Privacy Information Center [2] (EPIC). Diese Nichtregierungsorganisation setzt sich fĂŒr die PrivatsphĂ€re der BĂŒrger ein und nimmt Spenden auch nur von diesen an. Unternehmen als Geldgeber sind nicht willkommen. Denn sie haben oft anders gelagerte Interessen: "Die Technologiebranche kĂŒmmert sich um Privacy nur in Zusammenhang mit ihrem Umsatz", wirft Rotenberg dem Silicon Valley vor. "Nur bei der NSA sind sie aktiv. Sonst lobbyieren sie gegen PrivatsphĂ€re."

Der zunehmende Einfluss von Internetfirmen auf die Politik bereitet Rotenberg Sorgen. Beispielhaft nennt er die im September erfolgten Ernennungen im Weißen Haus: US-PrĂ€sident Barack Obama hat den von ihm 2009 geschaffenen Posten [3] des US-CTO (Chief Technology Officer) mit Megan Smith neu besetzt [4]. Smith war zuvor VizeprĂ€sidentin bei Googles Entwicklungsabteilung Google X. Nun berĂ€t sie den US-PrĂ€sidenten.

Als ihr Stellvertreter wurde Alexander Macgillivray berufen. Er soll sich in Obamas Regierung vor allem um Internetpolitik, ImmaterialgĂŒterrechte, Big Data und PrivatsphĂ€re kĂŒmmern. Bis 2013 war Macgillivray noch Twitters Chefjurist und dabei auch fĂŒr Lobbying zustĂ€ndig. Davor arbeitete auch Macgillivray bei Google [5].

NSA-Skandal
NSA

Die NSA, der britische GCHQ und andere westliche Geheimdienste greifen in großem Umfang internationale Kommunikation ab, spionieren Unternehmen sowie staatliche Stellen aus und verpflichten Dienstleister im Geheimen zur Kooperation. Einzelheiten dazu hat Edward Snowden enthĂŒllt.

Die drei GesetzesantrĂ€ge, die fĂŒr EPIC besondere Bedeutung haben, sind der USA Freedom Act, eine Novelle des Electronic Communications Privacy Act, sowie CISPA. CISPA steht fĂŒr Cyber Intelligence Sharing and Protection Act. Das Gesetz, das schon 2012 und erneut 2013 vom ReprĂ€sentantenhaus beschlossen [12] wurde, soll den Datenaustausch zwischen Unternemen und Behörden fĂŒr Zwecke der IT-Sicherheit ermöglichen. "Es gibt aber keine EinschrĂ€nkungen fĂŒr die weitere Verwendung der Daten!", ist Rotenberg empört.

Obama hat ebenfalls fehlende Schranken moniert und angekĂŒndigt, das Gesetz nicht zu unterschreiben. Daraufhin hat der Senat gar nicht darĂŒber abgestimmt. Es hat bislang also keine Rechtskraft erlangt. Dieses Jahr wurde jedoch im Senat ein Ă€hnlicher Antrag (CISA) eingebracht. Der USA Freedom Act [13] derweil ist aus Sicht Rotenbergs ein "bescheidener Vorschlag" fĂŒr eine NSA-Reform.

Am ursprĂŒnglichen Electronic Communications Privacy Act [14] hat der Jurist Rotenberg selbst mitgearbeitet. Nun steht eine Novelle an. Damit soll klar gestellt werden, dass das FBI fĂŒr den Zugrif auf E-Mail-Server einen Durchsuchungsbefehl braucht. Das ist aus EPIC-Sicht aber nicht hinreichend. "Wir wĂŒrden aber gerne weiter gehen", hielt Rotenberg fest, "Wir mĂŒssen regulieren, wie Google und Co mit den persönlichen Daten der Nutzer umgehen."

Insbesondere das Anlegen von Profilen ĂŒber die Nutzer (user profiling) mĂŒsse eingeschrĂ€nkt werden. "Google hat bisher jedwede GesetzesĂ€nderung blockiert", so Rotenberg, "Es ist offen, ob sie das weiterhin werden tun können."

"Wir arbeiten (mit Politikern) querfeld", sagte Rotenberg, "Das Thema PrivatstphĂ€re geht quer durch die Parteien." Zwei Abgeordnete der Demokraten werden ihm im neuen Parlament abgehen – "beim Thema PrivatsphĂ€re", wie er betonte: Mark Begich aus Alaska und Mark Udall aus Utah sind nicht wiedergewĂ€hlt worden. DafĂŒr kann er weiterhin mit Republikanern wie den ReprĂ€sentanten Jason Chaffetz aus Utah und Joe Barton aus Texas reden. Auch Senator Rand Paul aus Kentucky ist ein Ansprechpartner [15].

Von der Arbeit der Demokraten ist Rotenberg enttĂ€uscht. Manche ausgearbeitete GesetzesantrĂ€ge seien gar nicht erst im Parlament eingebracht worden. Und: "Sie haben nichts fĂŒr die PrivatsphĂ€re getan, seit sie von Snowden mit heruntergelassenen Hosen erwischt wurden."


Dieser Artikel ist Teil einer Serie zur Lage nach den US-Wahlen. Heise online trifft dazu in der US-Hauptstadt Washington, DC, Experten mit unterschiedlichen Einstellungen und Arbeitsgebieten.
Bislang erschienen:

Die Midterm Elections haben der republikanischen Partei deutliche Mandatsgewinne gebracht. Sie haben nun auch im Senat eine Mehrheit. Auch in vielen Staaten konnten sie reĂŒssieren. Die Demokraten, die Partei US-PrĂ€sident Barack Obama, sind nun in beiden Kammern auf republikanische Zustimmung angewiesen. (ds [19])


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https://www.heise.de/-2445845

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[1] http://www.heise.de/newsticker/meldung/US-Parlament-verlaengert-Patriot-Act-um-vier-Jahre-1251456.html
[2] https://epic.org
[3] http://www.heise.de/ct/meldung/Obama-ernennt-Chief-Technology-Officer-213977.html
[4] http://www.heise.de/newsticker/meldung/Obama-ernennt-Google-Managerin-zur-Technikchefin-2356517.html
[5] http://www.heise.de/ct/meldung/Twitter-wirbt-Copyright-Experten-von-Google-ab-6047.html
[6] http://www.heise.de/thema/NSA
[7] http://www.heise.de/extras/timeline/
[8] https://www.heise.de/news/NSA-Skandal-Die-technischen-Details-der-Ueberwachung-2762550.html
[9] http://www.heise.de/thema/1-Jahr-NSA_Skandal
[10] https://www.heise.de/meinung/Kommentar-Die-Ueberwachung-durch-NSA-Co-gefaehrdet-die-Demokratie-1974714.html
[11] https://www.heise.de/news/Zwischenruf-Warum-die-NSA-Affaere-alle-angeht-1939902.html
[12] http://www.heise.de/newsticker/meldung/US-Repraesentantenhaus-beschliesst-Gesetz-zur-Cybersicherheit-1845866.html
[13] http://www.heise.de/newsticker/meldung/US-Repraesentantenhaus-stimmt-fuer-Einschraenkung-der-NSA-Spionage-2196207.html
[14] https://en.wikipedia.org/wiki/Electronic_Communications_Privacy_Act
[15] http://www.heise.de/newsticker/meldung/Tea-Party-vs-NSA-US-Senator-Rand-Paul-klagt-2112139.html
[16] https://www.heise.de/hintergrund/Public-Knowledge-Nach-US-Wahlen-mehr-direkte-Demokratie-2443313.html
[17] https://www.heise.de/hintergrund/Foust-US-Budgetstreit-ist-groesstes-Risiko-fuer-Weltraumforschung-2444126.html
[18] https://www.heise.de/hintergrund/Nach-US-Wahl-Sorge-um-Supreme-Court-2444879.html
[19] mailto:ds@heise.de