Roboter-Forscher: "Im Grunde geht es darum, Menschen zu verstehen"
(Bild: Panasonic)
Panasonic will mit Robotern das Alltagsleben verbessern. Im Interview spricht Forschungschef Takeshi Ando ĂŒber die PlĂ€ne des Konzerns.
Hierzulande ist Panasonic eher fĂŒr Consumer-Elektronik bekannt. In seiner japanischen Heimat mischt der Konzern jedoch auch krĂ€ftig in der Automatisierung mit. Jetzt will Panasonic seine Erfahrungen mit Robotern in der Logistik und Produktion nutzen, um Service- und Kommunikationsroboter fĂŒr den Alltag zu entwickeln. So bringt ein autonomer Rollstuhl Menschen mit Gehbehinderung vollautomatisch an ihr Ziel. Und ein knuddeliges Roboter-Trio [1] etwa soll Kleinkinder bespaĂen, und aktuelle Fotos von den lieben Kleinen an die Eltern schicken, die derweil ihren GeschĂ€ften nachgehen. Im Interview mit Technology Review spricht Takeshi Ando, Forschungschef des konzerneigenen Robotics Hub ĂŒber das zukĂŒnftige Leben mit Robotern.
Mr. Ando, was sind also aus Ihrer Sicht die schwierigsten technischen Herausforderungen, die es zu lösen gilt, wenn Sie Roboter im Alltag einsetzen wollen? Und wie wollen Sie diese Herausforderungen angehen?
Takeshi Ando: Vielen Dank fĂŒr Ihre Frage. Wir sind uns bewusst, dass es viele Herausforderungen gibt, die wir bewĂ€ltigen mĂŒssen. Was die technischen Aspekte von Robotern betrifft, so gibt es meiner Meinung nach zwei Dinge, die wir berĂŒcksichtigen mĂŒssen. Das eine ist, dass ein Roboter heute verschiedene Dinge handhaben mĂŒssen, die unterschiedlichste Formen und Beschaffenheit haben. Das unterscheidet sich sehr von der Situation, die Sie in der Fabrik haben. Die Roboter mĂŒssen etwas handhaben, das beispielsweise eine ganz weiche Beschaffenheit hat, und verschiedene Formen annehmen kann. Ich denke also, dieser Aspekt ist technisch sehr, sehr anspruchsvoll.
Der zweite Punkt, auf den ich eingehen möchte, bezieht sich nicht auf die Technologie, sondern auf den geschÀftlichen Aspekt der Roboter. Ich denke, in der Welt der Automatisierung war das sehr einfach. Wenn man die Effizienz verbessert, und wenn man die ProduktivitÀt steigert, dann bringt ein Roboter eine Menge Wert. Der KÀufer des Roboter kann die durch die Roboter erzielte Kostensenkung direkt sehen.
Aber wenn darum geht, Roboter in das tĂ€gliche Leben der Menschen zu integrieren, ist es schwieriger ein GeschĂ€ftsmodell zu finden. Es geht um emotionale Bindung. Und emotionaler Wert ist sehr schwer in Geldwert zu ĂŒbersetzen. Wir durchlaufen einen Prozess von Versuch und Irrtum, um zu lernen was fĂŒr eine breitere Ăffentlichkeit akzeptabel ist.
Roboter lernt von Anderen
TR: Sie erwĂ€hnten das Greifen verschiedener Objekte. Wie wollen Sie dieses Problem lösen? Die andere Frage ist die Fortbewegung der Roboter. Ich denke, es ist eine Sache, in einer sehr kontrollierten Umgebung, wie z.B. einer Produktionsumgebung, mit Robotern zu arbeiten. Man lĂ€sst sie einfach mit RĂ€dern hineinrollen. Aber Roboter im Alltag der Menschen zu haben, dafĂŒr wĂ€re es besser, gehende Robotern zu haben. Arbeiten Sie also daran?
Ando: Sicherlich ist Transfer-Lernen dabei sehr effektiv. Aber ich denke auch, dass es wichtig ist, den mechanischen Ansatz zur Lösung dieses Problems zu betrachten. Beim Transfer-Lernen geht es darum, die Software zur Erhöhung der FlexibilitĂ€t einzusetzen, beim mechanischen Ansatz geht es darum, die Hardware zur mechanischen Verbesserung der FlexibilitĂ€t einzusetzen. Das ist ein Bereich, auf den sich Panasonic konzentriert. Was Ihre zweite Bemerkung zu den Beinen betrifft, kann ich Ihnen jetzt nicht alle Details verraten, aber in der Vergangenheit hat Panasonic an Robotern mit Beinen gearbeitet. Wir können nicht verraten, was wir derzeit entwickeln. Ich hoffe aber, Sie freuen sich auf die zukĂŒnftigen Produkte, die wir prĂ€sentieren werden.
TR: Lassen Sie uns also ĂŒber Emotionen sprechen. Panasonic hat kleine Roboter zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Eltern und Kindern entwickelt. Können Sie ein wenig mehr ĂŒber die Funktion dieser Roboter erzĂ€hlen?
Ando: Es gibt diese drei Roboter, die eine Gemeinschaft bilden. Wenn ein Kind an Robotern interessiert ist, kann es sich den Robotern nĂ€hern, und die Roboter werden das Kind ignorieren oder sie können auf das Kind reagieren. Und dann kann das Kind anfangen, mit den Robotern zu interagieren, indem es lĂ€chelt oder wĂŒtend wird. Die eingebaute Kamera des Roboters erfasst die Reaktion des Kindes und teilt diese Bilder mit den Eltern. Damit soll die Kommunikation zwischen dem Kind und den Eltern verbessert werden.
Es geht also nicht um die Kommunikation zwischen dem Roboter und dem Menschen. Es geht um die Kommunikation von Mensch zu Mensch. Bei vielen sozialen Robotern in der Vergangenheit ging es darum, eine Kommunikation zwischen Menschen und Robotern zu ermöglichen, um eine freundschaftliche Beziehung zwischen Mensch und Robotern zu schaffen. Doch mit der heutigen Technologie scheinen viele Menschen dies nicht interessant genug zu finden. Deshalb konnten wir auch kein tragfÀhiges GeschÀftsmodell sehen, bei dem Roboter mit Menschen kommunizieren.
Wir mĂŒssen aber noch ein konkretes GeschĂ€ftsmodell unter Verwendung dieser Roboter entwickeln. Denn wir versuchen nicht nur, Roboter zu verkaufen, sondern wir versuchen, aus den Informationen, die Menschen verbinden, Wert zu schaffen. Und wir möchten auch erfahren, wie die Menschen auf bestimmte Aktionen der Roboters reagieren, um genau zu verstehen, aus welchen Aktionen heraus die Menschen Freude und aus welchen sie Trauer empfinden. Es geht also im Grunde genommen darum, die Menschen zu verstehen. Das ist die Essenz des GeschĂ€fts.
"PrivatsphÀre sehr wichtiges Thema"
TR; Aber im Allgemeinen haben wir hier in Europa eine gröĂere Skepsis gegenĂŒber Robotern als in Japan - auch wenn diese speziellen Roboter sehr niedlich sind. Zudem gibt es besonders in Deutschland ein starkes Bewusstsein fĂŒr PrivatsphĂ€re und Datenschutz. Wie gehen Sie damit um wenn Sie hier auf den Markt kommen wollen?
Ando: Wir erkennen an, dass die PrivatsphĂ€re in Europa ein sehr wichtiges Thema ist. Ich glaube, dass Europa in diesem Bereich weiter fortgeschritten ist als Japan, aber ich glaube auch, Japan holt auf. Um dieses Problem anzugehen, mĂŒssen wir uns in erster Linie an die regulatorischen Anforderungen halten.
Generell möchte ich jedoch sagen, dass man in der zukĂŒnftigen Gesellschaft nicht zu allen Datenanfragen nein sagen kann. Man kann nicht alle Datenanfragen ablehnen, man muss bestimmte Daten zur VerfĂŒgung stellen. Wenn Sie also bestimmte Daten bereitstellen mĂŒssen, dann halte ich es fĂŒr wichtig, dass die Person, die Daten zur VerfĂŒgung stellt, das auch fĂŒr lohnenswert hĂ€lt.
Und wenn Sie in unserem Beispiel die Eltern nehmen, die viel Freude empfinden, wenn Sie Fotos ihrer Kinder erhalten, und die sehen, wie sich die Beziehung zu ihrem Kind mit unserer Technologie verbessert, dann stimmen diese Eltern vielleicht zu, uns Informationen zur VerfĂŒgung zu stellen. Ich denke also, wir mĂŒssen sicherstellen, dass wir einen Win-Win-Mechanismus entwickeln. (wst [3])
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