Milliardenschaden durch Warenschwund
Der Ladendiebstahl hat weltweit einen neuen Höchststand erreicht. Allein in Deutschland verschwanden innerhalb eines Jahres Waren im Wert von mehr als fĂŒnf Milliarden Euro.
Das "Globale Diebstahlbarometer" [1], eine unabhĂ€ngige Studie ĂŒber die wichtigsten Trends im Bereich KriminalitĂ€t und Warenschwund [2] im Einzelhandel [3], zeichnet seit 2001 jĂ€hrlich die entsprechende Entwicklung in 43 LĂ€ndern auf. Und die Ergebnisse der aktuellen Studie sind erschreckend: Hatte man 2009/2010 noch einen leichten RĂŒckgang zu verzeichnen, sind in den zwölf Monaten von Juli 2010 bis Juni 2011 weltweit Waren im Wert von insgesamt 119.092 Milliarden Euro verschwunden.
7,3 Milliarden Dollar bzw. 5,4 Milliarden Euro entfielen dabei auf den Handel in Deutschland. Damit gehen 1,2 Prozent des Umsatzes [4] auf diesem Wege verloren. Ebenfalls erschreckend: Damit ist in Deutschland im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Anstieg von 7,1 Prozent zu verzeichnen. Dennoch ist das eine der geringsten Schwundquoten in Europa.
Am hÀufigsten verschwinden Modeartikel, Kosmetika und Wein. Aber auch Unterhaltungselektronik lassen die Diebe gerne mitgehen. Hier sind vor allem Elektronische Spiele und tragbare MusikgerÀte begehrt, aber auch DVDs [5], Datensticks, E-Reader und iPods [6]. Und selbst PCs [7] lösen sich in Luft auf: Hier verschwindet am Umsatz gemessen 0,92 Prozent der Waren.
Zwar werden beim "Schwund" auch verwaltungstechnische Fehler verbucht, doch die Analysten gehen davon aus, dass der GroĂteil des "Schwunds" auf Diebstahl durch Kunden oder Mitarbeiter sowie organisierte KriminalitĂ€t zurĂŒckzufĂŒhren ist. 43,2 Prozent der EinzelhĂ€ndler [8] weltweit gehen davon aus, dass sie in erster Linie durch Ladendiebe geschĂ€digt werden, in Deutschland glauben das sogar mehr als die HĂ€lfte. Weltweit glauben 35 Prozent der Befragten, dass die eigenen Mitarbeiter Ware mitnehmen, in Deutschland tun das immerhin auch noch 30,2 Prozent. Eine gute Vertrauensbasis sieht anders aus. In EinzelfĂ€llen gaben HĂ€ndler klauende Mitarbeiter [9] sogar als das gröĂte Problem fĂŒr ihr Unternehmen an. Wenn es die eigenen Mitarbeiter sind, ist der Schaden jedenfalls besonders hoch: WĂ€hrend der Ladendieb im Durchschnitt Ware im Wert von etwa 200 Dollar mitnimmt, verursacht der stehlende Mitarbeiter durchschnittlich einen Schaden [10] von fast 1.700 Dollar. Mitarbeiter sind meistens auch das Problem, wenn Kosten durch Auszeichnungs- oder Buchungsfehler entstehen. Die sollen den Einzelhandel laut Studie immerhin 19,4 Milliarden Dollar pro Jahr kosten.
UntĂ€tig sind die betroffenen HĂ€ndler nicht: Sie sagen dem Warenschwund den Kampf an und rĂŒsten vor allem bei der Diebstahlsicherung [11] hoch. Durchaus mit Erfolg: Im Berichtsjahr 2011 wurden mehr als sechs Millionen TĂ€ter erwischt. (gs [12])
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[1] http://www.checkpointsystems.de/images/cont/news/diebstahlbarometer-5.pdf
[2] https://www.heise.de/hintergrund/Diebstahl-von-Wertsachen-im-Versandhandel-1337796.html
[3] https://www.heise.de/news/Ebay-Chef-Geldboerse-in-zwei-Jahren-obsolet-1420486.html
[4] https://www.heise.de/hintergrund/Klasse-statt-Masse-1277684.html
[5] http://www.heise.de/thema/DVD
[6] http://www.heise.de/produkt/iPod
[7] https://www.heise.de/news/Umfrage-zu-Kaufinteresse-iPad-vor-Computer-1381719.html
[8] https://www.heise.de/news/Nutzeranalyse-fuer-die-Shopping-Mall-1425809.html
[9] https://www.heise.de/hintergrund/Fristlose-Kuendigung-des-Arbeitsverhaeltnisses-1325887.html
[10] https://www.heise.de/hintergrund/Kolumne-1-000-Milliarden-Euro-Schaden-fuer-die-deutsche-Wirtschaft-durch-allerlei-Verschiedenes-273582.html
[11] https://www.heise.de/hintergrund/Videoueberwachung-am-Arbeitsplatz-kann-teuer-werden-1179643.html
[12] mailto:gs@ct.de
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