Konkurrenz zu Starlink: StratosphÀrenflieger sollen Internet-Zugang bringen
(Bild: CG Alex/Shutterstock.com)
Elon Musk und Softbank wetteifern um den Aufbau des Satelliten-Netzes. Die HAPS-Allianz will nun mit etwas tiefer fliegenden Sendestationen kontern.
Mobilstationen durch Ballons oder Flugzeuge in der StratosphĂ€re ist bisher ein unerfĂŒllter Traum. Erst Anfang des Jahres wickelte der Internetriese Alphabet wegen fehlender Gewinnaussichten sein Moonshot-Projekt Loon ab [1], das mit hochfliegenden Ballons Internet zu den armen Massen in EntwicklungslĂ€ndern bringen wollte. Doch das globale Konsortium fĂŒr die "High Altitude Platform Station" (HAPS) [2], dem auch Airbus und die Deutsche Telekom angehören, gibt nicht auf: Am Montag fand das erste Gipfeltreffen der HAPS-Allianz statt, um der im Sinkflug befindlichen Idee wieder mehr Auftrieb zu verleihen.
Kommerzielle Dienste fĂŒr das Internet aus der Luft könnten 2027 abheben, verhieĂ Ryuji Wakikawa, VizeprĂ€sident von Japans Mobilnetzbetreiber Softbank Corp. und nicht zufĂ€llig Hauptsprecher beim öffentlichen Auftakt der zweitĂ€gigen Internetkonferenz. Das japanische Mobilnetz des globalen Tech-Investors Softbank hĂ€lt an der Idee fest und hat gerade die Patente von Loon erworben. Wakikawa gab sich daher optimistisch: "Die Herausforderung ist nicht die Technologie, sondern nationale Regeln und die Akzeptanz am Markt."
FĂŒr Wakikawa steht die globale Telekomunikationsindustrie damit vor einem Paradigmenwechsel. Die Netzwerkstrategie verschiebe sich "von der Abdeckung des gröĂtmöglichen Teils der Bevölkerung zur gesamten Landmasse", erklĂ€rte der Softbanks-Mitarbeiter fĂŒr das hauseigene Unternehmen HAPS Mobile. Und seine BegrĂŒndung ist das "Internet der Dinge."
Fliegende Basisstationen sollen fĂŒr Monate kreisen können
Mit den neuen 5G-Netzen werden nicht nur mehr Menschen vernetzt, sondern auch Maschinen, Messtationen und Sensoren, argumentierte Wakikawa â und dies auch in entlegenen Regionen, die bisher mangels Menschen nicht abgedeckt werden wĂŒrden. Daher wetteifern seit Jahren verschiedene Unternehmen mit Ideen, Internetzugang ohne irdische Basisstationen in allen Winkeln der Welt zu ermöglichen.
Die HAPS-Allianz ist ein der Mitstreiter. Die Anbieter wollen dafĂŒr Ballons, Luftschiffe oder mit Sonnenstrom betriebene Leichtflugzeuge mit groĂer Spannweite 20 Kilometer hoch in die StratosphĂ€re aufsteigen lassen, wo die fliegenden Basisstationen fĂŒr Monate kreisen können. Allerdings konkurriert die Idee mit dem Satelliten-Internet, das sich prominenter UnterstĂŒtzung erfreut.
Kein geringerer als Tesla-GrĂŒnder Elon Musk verteilt mit seinem Weltraumunternehmen SpaceX bereits Satelliten fĂŒr sein Starlink-Projekt in erdnahen Umlaufbahnen [4]. Erst im Oktober twitterte Musk [5], dass Kunden ĂŒber sein All-gegenwĂ€rtiges Netz auch in Flugzeugen nicht auf Breitbandinternetdienste verzichten mĂŒssten. Auch Softbank wettet mit einem Investment in das Start-up OneWeb [6] auf die Basisstationen im All.
Bisher fehlt ein tragfÀhiges GeschÀftsmodell
Aber fĂŒr Wakikawa bleibt HAPS eine Alternative zu dem teuren Satelliten-Internet. Aspekte sind die geringeren Startkosten fĂŒr die StratosphĂ€renflieger, ein anderer die geringere Zeitverzögerung beim Datentransfer. Bei Satelliten betrage die sogenannte Latenz 20 bis 500 Millisekunden, bei einem HAPS-Netz nur 0,3 Millisekunden, wirbt er. AuĂerdem plĂ€diert er dafĂŒr, Satelliten- und StratosphĂ€ren-Internet nicht als Konkurrenz anzusehen, sondern zwei Technologien, die sich ergĂ€nzen.
Doch bei allem Enthusiasmus schimmerte bei der digitalen Tagung auch durch, dass bisher ein tragfĂ€higes GeschĂ€ftsmodell fĂŒr das HAPS-Netz fehlt. Noch sind die Kosten zu hoch, um die soziale Mission zu erfĂŒllen, auch den Ă€rmsten Menschen in den entlegensten Regionen der Welt Zugang zum Internet zu verschaffen.
Eine wichtige Forderung in der Online-Konferenz war daher eine volle Automatisierung der schwebenden Basisstationen. "Wir brauchen ein autonomes Flottenmanagementsystem", sagte Andy Thurling, der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Aviation in der HAPS-Allianz. Aber auch er gibt sich zuversichtlich. 2020 habe die Arbeitsgruppe damit zugebracht, ihren Zweck zu definieren. "Nun sind wir im Betriebsmodus."
(jle [8])
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[1] https://www.heise.de/news/Keine-Internetanbindung-ueber-Ballons-Google-Mutter-Alphabet-schliesst-Loon-5032615.html
[2] https://hapsalliance.org/
[3] https://www.heise.de/tr/thema/Post-aus-Japan
[4] https://www.heise.de/news/SpaceX-plant-Satelliten-naechster-Generation-fuer-Starlink-Internet-6171684.html
[5] https://twitter.com/elonmusk/status/1446125877494833162
[6] https://www.heise.de/hintergrund/Megakonstellationen-Bedrohung-fuer-die-Weltraumfahrt-4356343.html
[7] https://www.heise.de/
[8] mailto:jle@heise.de
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