Honorarverhandlungen: so bekommen Sie, was Sie wirklich verdienen
GeschÀftspartner wollen Ihre Leistung möglichst billig einkaufen, Sie wollen sich möglichst teuer verkaufen. So finden Sie einen Kompromiss, der beide Seiten zufriedenstellt.
Wer erst seit kurzem selbstĂ€ndig ist, dem sitzt oft die pure Existenzangst im Nacken. Solange die AuftragsbĂŒcher noch nicht voll sind, ist man deshalb versucht, jeden Auftrag anzunehmen und sich dabei auch auf ein niedriges Preisniveau einzulassen. Hauptsache, man hat erst mal den Auftrag, die Preise erhöhen, das kann man spĂ€ter schlieĂlich immer noch. Denken Sie. Und machen damit einen entscheidenden Fehler. Denn in der Dienstleistung ist es genau wie im Handel: wenn sich die Preisspirale erst mal dreht, ist es schwierig, sie wieder aufzuhalten. AuĂerdem: Wenn Sie Ihre Preise plötzlich erhöhen, haben Sie gegenĂŒber dem Kunden deutlich mehr ErklĂ€rungsbedarf, als wenn die Preise bereits von Anfang an ein gewisses Niveau hatten. Ausnahme: Sie stellen klar, dass es sich um "EinfĂŒhrungspreise" o.Ă€. handelt, deren Lebensdauer beschrĂ€nkt ist und das danach wieder die "normalen Tarifeâ gelten.
Die Vorstellung Ihrer Preise oder StundensĂ€tze mĂŒssen Sie aber erst mal durchsetzen. Und das ist gar nicht so einfach. SchlieĂlich will der Kunde genau das verhindern. Wenn Sie in die Verhandlungen gehen, sollten Sie also gut vorbereitet sein und die folgenden Tipps beachten.
Sie sollten genau wissen, wo Ihre Grenze liegt
Leider bringt es Ihnen gar nichts, wenn Sie die Preise so weit senken, dass Sie am Ende ein Minus machen bzw. Ihnen nicht genug zum leben bleibt. Daher mĂŒssen Sie Ihre Kosten genau kalkulieren und wissen, wo Ihre Grenze liegt. Ist der Kunde nicht bereit, diesen Preis zu bezahlen, dann mĂŒssen Sie notfalls eben auf den Auftrag verzichten. Denn Sie wollten ja Geld verdienen und nicht noch welches mitbringen mĂŒssen, oder?
Zeigen Sie sich selbstbewusster
NatĂŒrlich wollen Sie [1] schnell ein paar AuftrĂ€ge [2] ergattern und haben entsetzliche Angst, dass Sie es nicht schaffen werden. Aber das merkt man Ihnen an. Und je mehr Sie zeigen, dass Sie einen Auftrag [3] unbedingt wollen, desto sicherer ist der Kunde, dass er den Preis [4] noch ein wenig mehr drĂŒcken kann. Also signalisieren Sie ruhig, dass Sie den Auftrag gerne möchten. Aber machen Sie auch klar, dass Sie sich nicht unter Wert verkaufen werden. Denn nur, wenn Sie es schaffen, diesen Wert dem Kunden [5] zu vermitteln, wird er Sie auch wirklich ernst nehmen.
Bereiten Sie sich vor
Wenn Sie verhandeln, wissen Sie bereits, welche Arbeiten von Ihnen verlangt werden. Sie sollten also auch eine entsprechende Kalkulation mitbringen und diese dem Kunden [6] vorlegen können. Oft sind fĂŒr den Kunden die StundensĂ€tze einfach nur eine abstrakte GröĂe, die nach vielen Euros klingt. Wenn Sie erklĂ€ren, wie sich Ihre Kalkulation zusammen setzt, kommt es dem Kunden [7] plötzlich nicht mehr so teuer, sondern durchaus logisch vor, dass er diesen Preis bezahlen soll. Fatal: Wenn der Kunde nach Kalkulationsdetails fragt und Sie wegen mangelnder Vorbereitung keine Antwort darauf haben.
Kalkulieren Sie mit Rabatten
Machen Sie nicht den Fehler, in die Verhandlungen gleich mit dem Preis einzusteigen, den Sie tatsĂ€chlich zu akzeptieren bereit sind. Legen Sie lieber 10 bis 15 Prozent drauf. Die können Sie sich dann nĂ€mlich â zĂ€hneknirschend natĂŒrlich â runterhandeln lassen und bekommen trotzdem genau das Geld, das Sie ursprĂŒnglich haben wollten. Wenn Sie gleich mit dem "echten" Preis reingehen, haben Sie keinen Verhandlungsspielraum. Dass Sie dem Kunden dann nicht entgegenkommen, wird keinen guten Eindruck hinterlassen. Tun Sie es dennoch, obwohl Sie keinen Puffer eingerechnet haben, zahlen Sie drauf.
Glauben Sie nicht an Freundschaft
Und machen Sie bitte nicht den AnfĂ€ngerfehler zu glauben, Ihr GegenĂŒber und Sie seien doch Kumpels oder wĂŒrden zumindest "im gleichen Bootâ sitzen. Der Arme hat ja so viele Kosten [8] zu tragen, will Sie so gerne dabei haben, aber kann Sie sich eigentlich nicht leisten. Aber wenn Sie ihm bei diesem Auftrag entgegenkommen, sind Sie beim nĂ€chsten sicher mit dabei und da winken ja ganz andere Konditionen. Geben Sie keine Rabatte aus Sympathie oder als Investition fĂŒr die Zukunft (auĂer, es handelt sich bereits um einen Bestandskunden [9]). Seien Sie lieber ausgesprochen skeptisch, wenn man ihnen auf die "freundschaftliche Tourâ die Preise verhageln will. (Marzena Sicking [10]) / (map [11])
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[2] https://www.heise.de/news/Anzahl-der-IT-Projektanfragen-gestiegen-81807.html
[3] https://www.heise.de/hintergrund/Die-unterschiedlichen-Kundentypen-und-ihre-Beduerfnisse-1194733.html
[4] https://www.heise.de/news/Stundensaetze-der-IT-Freiberufler-leicht-gestiegen-1103519.html
[5] https://www.heise.de/news/IT-Berufe-Festanstellung-bevorzugt-218717.html
[6] https://www.heise.de/hintergrund/Gespraeche-am-Telefon-So-kommen-Sie-zum-Abschluss-1149657.html
[7] https://www.heise.de/hintergrund/So-schafft-man-eine-positive-Atmosphaere-im-Kundengespraech-1083418.html
[8] https://www.heise.de/hintergrund/Wie-Unternehmen-sich-vor-Zahlungsausfaellen-schuetzen-koennen-1074162.html
[9] https://www.heise.de/hintergrund/Wie-man-Bestandskunden-erfolgreich-vergrault-1217583.html
[10] mailto:marzena.sicking%40heise-resale.de
[11] mailto:map@ix.de
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