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Hayabusa 2: Ein Bremer fĂŒr Japans Raumfahrtprogramm

Martin Kölling

(Bild: Jaxa)

Japans Raumsonde Hayabusa 2 brachte am Wochenende wohlbehalten Staub vom Asteroiden Ryugu zurĂŒck. Ein Star der Mission war ein deutsch-französischer Rover.

Japans zweite Hayabusa-Mission markiert einen Wendepunkt fĂŒr die ferneren Weltraumexpeditionen der Menschheit. Der erste Versuch, Bodenproben von einem Asteroiden zur Erde zurĂŒckzubringen, glich noch einem dramatischen Abenteuer, bei dem die Sonde mehrfach fast havarierte. Der jetzige Hin- und RĂŒckflug zum Asteroiden Ryugu, den Hayabusa 2 innerhalb von sechs Jahren absolvierte, glich dagegen eher Routine. Doch nicht alles lief wie geplant, weiß Tra-Mi Ho, eine Projektleiterin des Deutschen Zentrums fĂŒr Luft- und Raumfahrt DLR in Bremen.

Hos Team war fĂŒr einen Star der Mission zustĂ€ndig: dem Lander Mascot. Bei dem kleinen, rĂ€derlosen Rover handelt es sich um eine Co-Produktion vom DLR und der französischen Raumfahrtbehörde CNES. Das knapp 10 kg schwere GerĂ€te sollte auf dem kleinen Asteroiden landen [1], um seine OberflĂ€che aus allernĂ€chster NĂ€he in Augenschein zu nehmen.

Dazu hatte der Rover ein Mikroskop zur Bestimmung der Mineralogie, eine Kamera, ein Magnetometer und ein Radiometer fĂŒr die Messung der thermischen Emission des Asteroiden an Bord. Die gewonnenen Erkenntnisse dienen wie der Rest der Mission dazu, durch die Erforschung des kleinen Himmelskörpers die Entstehung des Sonnensystems und von Leben auf der Erde zu erhellen.

Der Grund: Asteroiden gehören zu den Àltesten Objekten im Sonnensystem. Ryugus Alter wird beispielsweise auf 4,6 Milliarden Jahre geschÀtzt. Die japanische Weltraumbehörde Jaxa hofft nun, in den Proben organisches Material zu finden, das mit AsteroideneinschlÀgen vor Urzeiten der Erde quasi Leben eingeimpft haben könnte.

Die Landung des Rovers war dabei eine besondere Herausforderung, erzĂ€hlt Ho. Denn das Studienobjekt ist klein und hat nur eine sehr geringe Anziehungskraft. "Da muss man dem Himmelskörper sehr nahekommen, damit die Gravitation wirkt", erklĂ€rt die Wissenschaftlerin. Zudem muss die Landung sehr genau erfolgen, damit der Rover nicht zurĂŒckgeworfen wird.

Damit nicht genug: Auch nach der Landung macht der Rover zuerst PurzelbĂ€ume, bis er zur Ruhe kommt. Und dann mĂŒssen die Forscher schauen, ob das GerĂ€t auch richtig liegt. Schauen die Sensoren in die falsche Richtung, dient ein Schwungarm dazu, die Lage zu korrigieren. Soweit die Theorie, nun zur Praxis.

Zweiter Touchdown von Hayabusa2 (6 Bilder) [2]

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4 Sekunden vor dem Touchdown
(Bild: JAXA)

"Die Landung war extrem spannend", erinnert sich Ho. "Die erste Herausforderung war, dass Mascot nicht von der Sonde separierte." Als der Absprung dann gelang, war die Begeisterung erst groß. Doch als der Lander dann zur Ruhe kam, folgte das nĂ€chste Problem. Die Sensoren zeigten, dass der Rover richtig liegen sollte. Allerdings erste Bilder zeigten, dass dies nicht stimmte. "Der Grund war, dass die OberflĂ€che viel dunkler war, als wir angenommen hatten", sagt Ho. Der Lander habe daher seine Lage falsch interpretiert. Die Forscher schrieben kurzerhand ein Programm, um den Rover anzuleiten.

Das folgende Manöver war dann zwar erfolgreich. Allerdings gelang es dem Mikroskop nicht, zu fokussieren. Denn auf der zerklĂŒfteten OberflĂ€che stand es ausgerechnet ĂŒber einer Spalte. Die anderen GerĂ€te arbeiteten dagegen zur Zufriedenheit ihrer Erbauer auf der Erde.

"Die Messungen haben unsere Erwartungen erfĂŒllt", meint Ho. "Wir waren begeistert von der Auflösung der Bilder der Kamera." Die habe den Boden bis auf den Millimeter genau gezeigt. Das Ergebnis: Die OberflĂ€che von Ryugu besteht nicht aus Regolith, jenem feinen Staub, der den Mond bedeckt, sondern grĂ¶ĂŸeren Brocken aus verklumptem Material mit hellen EinschlĂŒssen. "Das versuchen wir nun mit den Meteoriten zu vergleichen, die auf der Erde gefunden wurden", sagt Ho. Zudem ergaben die Messungen, dass Ryugu kein Magnetfeld hat.

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Auch die Jaxa scheint mit der eurasischen Kooperation zufrieden zu sein. Denn auf der nĂ€chsten spektakulĂ€ren Expedition der Japaner ist wieder ein Platz fĂŒr einen Rover aus Europa reserviert. Dieses Mal wird er allerdings RĂ€der haben. Denn die Jaxa will 2025 als erste Raumfahrtorganisation auf dem Mars-Mond Phobos [5] landen und von dort 10 bis 100 Kilogramm Gestein zur Erde zurĂŒckbringen. Und der Rover aus Bremen genießt dann erneut das Privileg, die OberflĂ€che eines unbekannten Himmelskörpers zu erkunden.

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(bsc [7])


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[2] https://www.heise.de/bilderstrecke/2711872.html?back=4985019
[3] https://www.heise.de/bilderstrecke/2711872.html?back=4985019
[4] https://www.heise.de/tr/thema/Post-aus-Japan
[5] http://mmx.isas.jaxa.jp/en/
[6] https://www.heise.de/
[7] mailto:bsc@heise.de