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GeschÀftsklima im Mittelstand bleibt auf hohem Niveau

Marzena Sicking

Nach einer langen Zeit des Aufschwungs erwarten die Experten jetzt wieder Stagnation. Aber die tritt nicht ein. DAllen Prognosen zum Trotz erreicht das GeschÀftsklima sogar ein neues Hoch.

Wer wissen will, wie es den Unternehmen in Deutschland geht, muss sich nur die Ergebnisse des Ifo-Index [1] und des KfW-ifo-Mittelstandsbarometers [2] anschauen. Beide Indikatoren besagen, dass es den Firmen so gut geht wie schon lange nicht mehr.

So ist der Ifo-GeschÀftsklima-Index im Juni um 0,3 auf 114,5 Punkte gestiegen und hat damit den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung erreicht. Auch das KfW-ifo-Mittelstandsbarometer stieg um 0,4 ZÀhler auf 27,0 Saldenpunkte.

Analysten und Experten aus der Finanzwirtschaft hatten allerdings etwas anderes erwartet. Um genau zu sein, erklĂ€ren sie schon seit Februar, dass der konjunkturelle Höhepunkt ĂŒberschritten und mit einer AbkĂŒhlung des Aufschwungs zu rechnen sei. Doch Verbraucher [3] und Unternehmer [4] schienen solche Voraussagen nicht weiter zu stören, das GeschĂ€ftsklima [5] zeigt sich robust und bricht seit Monaten immer wieder die eigenen Rekorde.

Doch die Party scheint jetzt tatsĂ€chlich zu Ende zu sein, die Schuldenkrise in der EU und die hohen Rohstoffpreise trĂŒbt jedenfalls die Stimmung der befragten Unternehmer. Laut Ifo-Index freuen sich die Firmenchefs [6] zwar ĂŒber die aktuell gute GeschĂ€ftslage, doch die EinschĂ€tzung fĂŒr die kommenden Monate ist eher verhalten. Man rechne mit einer Normalisierung oder gar einer AbkĂŒhlung des Aufschwungs. Das hat vor allem Auswirkungen auf die Personalpolitik: die meisten Firmen [7] wollen beim Aufstocken des Personals jetzt erst mal wieder auf die Bremse treten. Trotzdem geht der Ifo-Index noch von einem Wachstum von drei Prozent in diesem Jahr aus, dass wĂ€re das zweite Rekordjahr in Folge.

Auch die mittelstĂ€ndischen Unternehmen, die fĂŒr das KfW-Mittelstandsbarometer befragt wurden, geben sich hinsichtlich der GeschĂ€ftserwartungen fĂŒr die kommenden Monate weniger optimistisch als bisher (-1,8 ZĂ€hler auf 13,9 Saldenpunkte). Ebenso werden hier RĂŒckgĂ€nge bei den BeschĂ€ftigungs- und Absatzpreiserwartungen verzeichnet (-0,7 ZĂ€hler respektive -1,8 ZĂ€hler). Bei den befragten Großunternehmen fĂ€llt die EintrĂŒbung der Erwartungen sogar etwas stĂ€rker ausfĂ€llt als im Mittelstand. Die Prognose fĂŒr das gesamte Jahr bleibt aber trotzdem bei einer ĂŒberdurchschnittlichen Wachstumsrate von 3,5 Prozent.

Fazit: Auch wenn nach den Analysten jetzt auch die Unternehmer selbst nicht mehr daran glauben wollen, dass der Aufschwung so weitergeht wie bisher, gibt es laut Dr. Norbert Irsch, Chefvolkswirt der KfW, ganz sicher keinen Grund zur Sorge: "Es ist mit einem sanften Abflachen der konjunkturellen Dynamik in Richtung der Potenzialwachstumsrate zu rechnen und nicht mit einer scharfen Korrektur.“ Und auch in diesem Punkt sind sich alle Analysten einig: Das Hauptrisiko besteht in einer Ausweitung der Eurokrise ĂŒber den Kreis der aktuell betroffenen EWU-Mitgliedsstaaten hinaus. Allerdings will man "positive Überraschungen“ - insbesondere von der Binnenwirtschaft - auch nicht ausschließen. ()


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Links in diesem Artikel:
[1] http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/a-winfo/d1index/10indexgsk
[2] http://www.kfw.de/kfw/de/I/II/Download_Center/Fachthemen/Research/KfW-ifo-Mi.jsp
[3] https://www.heise.de/hintergrund/Neue-EU-Verbraucherrechts-Richtlinie-Was-auf-den-Handel-wirklich-zukommt-1268875.html
[4] https://www.heise.de/hintergrund/Was-Sie-als-Unternehmer-ueber-das-Datenschutzrecht-wissen-sollten-1264154.html
[5] https://www.heise.de/hintergrund/Kredite-kleine-und-junge-Unternehmen-haben-die-meisten-Probleme-1262982.html
[6] https://www.heise.de/hintergrund/Zahl-der-Unternehmensinsolvenzen-weiter-ruecklaeufig-1274298.html
[7] http://www.heise.de/thema/Unternehmen