E-Bilanz: Dem Mittelstand mangelt es an Know-how
Noch bis Ende diesen Jahres haben Unternehmen Zeit, sich auf die E-Bilanz einzustellen. Ab 2013 akzeptiert das Finanzamt nÀmlich nur noch elektronische SteuererklÀrungen.
Die E-Bilanz [1] kommt, daran gibt es keinen Zweifel mehr. Schon in diesem Jahr sollte es eigentlich soweit sein, doch weil die Behörden die technischen Probleme [2] nicht rechtzeitig in den Griff bekamen , wird die E-Bilanz nun doch erst 2013 [3] eingefĂŒhrt. Dann akzeptieren die FinanzĂ€mter [4] nur noch elektronische SteuererklĂ€rungen [5], Ausnahmen werden nur unter strengen Auflagen gemacht.
FĂŒr die Unternehmen [6] bedeutet das nicht nur eine technische Umstellung. Auch mĂŒssen sie sich darauf einstellen, dass die Finanzverwaltung deutlich mehr Informationen [7] verlangt, als bisher. Bisher mussten ein typisches mittelstĂ€ndisches Unternehmen laut einem Bericht der "Financial Times" [8] zwischen 20 und 80 Pflichtfeldern bei seiner SteuererklĂ€rung ausfĂŒllen. KĂŒnftig sollen es mehr als 900 sein.
Eigentlich sollten die meisten Unternehmen auf diese Anforderungen eingestellt sein. Doch wie eine aktuelle Umfrage des Rechnungswesen- und Controlling-Spezialisten Diamant Software [9] zeigt, ist das bei weitem nicht der Fall. Demnach haben im Augenblick gerade einmal 20 Prozent der mittelstĂ€ndischen Unternehmen [10] das fachliche Know-how, um wenigstens mittelfristig die Anforderungen der E-Bilanz erfĂŒllen zu können.
Abgefragt wurde vor allem, wie detailliert die AbschlĂŒsse erstellt werden und ob sie damit ĂŒber die nötige Informationstiefe verfĂŒgen, die die E-Bilanz in Zukunft fordert. Das Ergebnis: Leider nur im Ansatz positiv. So gab die HĂ€lfte der Befragten an, sich nicht nur zum GeschĂ€ftsjahresende, sondern laufend mit den AbschlĂŒssen zu beschĂ€ftigen. 40 Prozent erstellen ihren Jahresabschluss [11] ohne UnterstĂŒtzung durch Dritte, also lieber mit eigener Buchhaltung statt mit externen Steuerberatern.
Der Eindruck, dass bereits eine relativ groĂe Gruppe der Unternehmen heute schon fit fĂŒr die E-Bilanz ist, tĂ€usche jedoch, so das Fazit der Umfrageauftraggeber. Denn es komme auch hier auf die Details an. Bisher haben Steuerberater [12] oder die eigene Buchhaltung [13] auf Basis einer HGB-Bilanz am Jahresende eine Steuerbilanz erstellt, in Zukunft wird eine kontinuierliche Erfassung und Bewertung der Daten notwendig sein. In den meisten FĂ€llen wird neben der HGB-Buchhaltung auch eine steuerliche Buchhaltung zu fĂŒhren sein.
Allerdings beschĂ€ftigen sich laut Umfrage derzeit nur 37 Prozent der Unternehmen aktiv mit den Unterschieden zwischen Handels- und Steuerrecht. Nur 16 Prozent bilden Ăbergangsrechnungen von der Handels- in eine Steuerbilanz direkt in ihrem Rechnungswesen ab. Eine separate Steuerbilanz neben dem HGB-Abschluss erstellen derzeit nur 17 Prozent. Lediglich 18 Prozent ermitteln auch latente Steuern autark. Unterm Strich sind demnach nur 20 Prozent der Unternehmen wirklich in der Lage, die Anforderungen der E-Bilanz selbst umzusetzen. Immerhin sind sich die meisten Befragten offenbar bewusst, dass es ihnen am notwendigen Know-how fehlt: 77 Prozent ĂŒberlassen mindestens die Erstellung der JahresabschlĂŒsse einem externen Steuerberater. (gs [14])
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[3] https://www.heise.de/hintergrund/Pflicht-zur-elektronischen-Bilanz-Uebermittlung-wird-verschoben-1132709.html
[4] http://www.heise.de/thema/Finanzamt
[5] http://www.heise.de/thema/Steuererkl%C3%A4rung
[6] http://www.heise.de/thema/Unternehmen
[7] https://www.heise.de/hintergrund/Pilotphase-E-Bilanz-Bundesfinanzministerium-sucht-Freiwillige-1159595.html
[8] http://www.ftd.de/
[9] http://www.diamant-software.de/Buchhaltung-Buchhaltungsprogramme-Buchhaltungssoftware-1.html
[10] http://www.heise.de/thema/Mittelstand
[11] https://www.heise.de/hintergrund/Rueckstellungen-fuer-die-Pruefung-1396606.html
[12] https://www.heise.de/hintergrund/Geschaeftsfuehrer-kann-Steuerberater-haftbar-machen-1421722.html
[13] https://www.heise.de/hintergrund/Die-zehn-schlimmsten-Anfaenger-Fehler-in-der-Buchhaltung-1417564.html
[14] mailto:gs@ct.de
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