Der Alptraum von Fukushima
Vieles spricht dafür, dass sich in den Reaktorblöcken 1, 2 und 3 im Kernkraftwerk Fukushima I eine teilweise Kernschmelze gebildet hat. Der Stand und Verlauf der Katastrophe schält sich aber nur langsam aus dem Informationspuzzle heraus. Der Artikel und die Chronologie der Ereignisse werden deshalb laufend aktualisiert und ergänzt. Letztes Update: 21.4.2011.
- Niels Boeing
- Dr. Wolfgang Stieler
Vieles spricht dafür, dass sich in den Reaktorblöcken 1, 2 und 3 im Kernkraftwerk Fukushima I zumindest eine teilweise Kernschmelze gebildet hat. Eine Katastrophe als fortwährendes Informationspuzzle:
Letztes Update dieses Artikels: 29.4.2011.
Das Versagen der NotkĂĽhlung
"Solange ... keine ausreichenden und auch belastbaren Sachinformationen zu den nuklearen Ereignissen vorliegen, ist es für eine qualifizierte Bewertung oder Schlussfolgerungen zu früh", heißt es in einer Presseerklärung des Deutschen Atomforums zu den Problemen im japanischen Kernkraftwerk Fukushima I. Doch auch wenn die Informationen der japanischen Atomaufsicht NISA und des Kraftwerksbetreibers TEPCO eher tröpfeln als fließen, ist das Bild inzwischen recht klar: Was in den Reaktorblöcken 1, 2 und 3 passiert ist, die 1971, 1974 bzw. 1976 in Betrieb genommen wurden, hätte nach Sicherheitsauslegung der Anlagen eigentlich nicht passieren dürfen.
Der vom japanischen Energieversorger Tōkyō Denryoku (TEPCO) betriebene Atomkomplex Fukushima I besteht aus insgesamt sechs Blöcken mit so genannten Siedewasserreaktoren. Die ersten beiden Siedewasserreaktoren sowie Block 6 wurden von General Electric gebaut, Block 3 und 5 von Toshiba und Block 4 von Hitachi. Die Reaktoren in den Blöcken 1 bis 5 sind vom Typ GE Mark 1, der Reaktor in Block 6 vom Typ GE Mark 2.
In Siedewasserreaktoren gibt es im Unterschied zu Druckwasserreaktoren nur einen Kühlkreislauf. Das Wasser, das von den Brennstäben erhitzt wird, geht im Reaktordruckbehälter direkt in die Dampfphase über und speist eine Turbine. Das Wasser dient zudem auch als so genannter Moderator für die Kettenreaktion: Es bremst die schnellen Neutronen, die bei der Kernspaltung frei werden und sorgt so dafür, dass die Kernreaktion nicht abreißt.
Als es am Freitag, 11. März, um 14:46 Ortszeit 130 Kilometer östlich der japanischen Hafenstadt Sendai zu einem unterseeischen Beben kommt, werden die an der Küste gelegenen Reaktorblöcke 1, 2 und 3 wie vorgesehen heruntergefahren (die anderen sind wegen Inspektion außer Betrieb). In Siedewasserreaktoren müssen die Steuerstäbe für die Notabschaltung von unten in den Reaktordruckbehälter gefahren werden. Das geschieht bei einer Notabschaltung in der Regel hydraulisch und scheint offenbar funktioniert zu haben. Eine mit Diesel betriebene Stromversorgung springt sofort an, um den Kühlkreislauf des Siedewasserreaktors aufrecht zu erhalten und die so genannte Nachzerfallswärme aus dem Reaktordruckbehälter abzuführen.
Die Nachzerfallswärme beträgt zwar Sekunden nach dem Abschalten des Reaktors nur noch sieben Prozent der thermischen Leistung im Reaktorbetrieb. Die Zahlen, die sich daraus ergeben, sind jedoch noch beachtlich. Denn der Reaktorblock 1 hat zwar "nur" eine elektrische Leistung von 480 Megawatt, die thermische Leistung liegt aber dreimal höher. Das bedeutet, dass die Reaktoren in den ersten Minuten bis Stunden nach dem Abschalten noch immer mit gut 100 bis einigen zehn Megawatt thermischer Leistung das Kühlwasser aufgeheizen. Da die Nachzerfallswärme exponentiell abklingt, dürfte sie im Laufe einiger Tage im einstelligen Megawatt-Bereich ankommen – die Kurve läuft allerdings sehr langsam aus, das heißt, dass diese Leistung noch über längere Zeit abgeführt werden muss.
(Bild:Â Nuclear Energy Institute)
55 Minuten nach der Schnellabschaltung versagen die Diesel-Aggregate in allen drei Blöcken. Wie der Tsunami sich auf sie ausgewirkt hat, ist noch immer unklar: Die erste Flutwelle erreichte die Küste um Fukushima I bereits sechs Minuten nach dem Beben um 14:52 Uhr (eine Übersicht über die Tsunami-Ankunftszeiten bietet der japanische Wetterdienst). Die Aggregate liefen also noch 49 Minuten weiter. Als sie ausfallen, versuchen die Kraftwerkstechniker mobile Notstromaggregate in Gang zu bringen, was aber nicht gelingt. Verschiedenen Meldungen zufolge sollen passende Kabel gefehlt haben, um sie anzuschließen.
An diesem Punkt ist die Lage zwar heikel, aber noch nicht aussichtslos. Der Kühlkreislauf ist so konstruiert, dass die Zirkulation des Wassers dampfgetrieben fortgesetzt wird. Die hierfür nötigen Pumpen und Ventile können einige Stunden mit Batteriestrom betrieben werden. Versiegt er, ohne dass Notstromaggregate angeschlossen werden können, kann die Nachzerfällswärme nicht mehr abgeführt werden: Temperatur und Druck im Reaktor beginnen zu steigen. In der Nacht von Freitag auf Samstag gibt TEPCO bekannt, dass der Druck im Reaktordruckbehälter von Block 1 bereits doppelt so hoch ist wie sonst. Die anderen Blöcke laufen offenbar normal.
Am frühen Samstagmorgen, um 5:30 Uhr, entschließt sich die Kraftwerksleitung, Druck über ein Notfallventil abzulassen, was in den folgenden Stunden wiederholt wird. Dabei treten unweigerlich radioaktive Stoffe aus Block 1 aus. Für das, was nun im Reaktordruckbehälter passiert, gibt es zwei Indizien: Am frühen Nachmittag meldet die japanische Nachrichtenagentur Kyodo News, das Cäsium 137 außerhalb des Reaktors nachgewiesen worden sei, und um 15:36 Uhr kommt es zu einer Explosion, die Dach und Teile der Wände des Reaktorhauses wegreißen.
[pagebreak Kernschmelze]
Partielle Kernschmelze und Wasserstoffexplosionen
Das radioaktive Isotop Cäsium 137 ist eines der Spaltprodukte von Uran 235, dessen Kern in einen schwereren (Massenzahl um 140) und einen leichteren Trümmerkern (Massenzahl um 95) zerfällt. Die Spaltprodukte sind im Normalfall in den Brennstäben eingeschlossen und können aus diesen nicht austreten. Sind die Brennstäbe jedoch nicht mehr vollständig von Wasser bedeckt, passieren drei Dinge. Bei etwa 1100 Kelvin platzen die Brennstabhüllen aus der Legierung Zircaloy auf. Dabei gelangen Spaltprodukte direkt in das Wasser-Dampf-Gemisch im Reaktorkern.
Bei etwa 1500 Kelvin reagiert das Zirkonium im Zircaloy (Anteil: ca. 90 Prozent) dann mit dem umgebenden Wasserdampf in einer so genannten Hydrationsreaktion: Es entsteht freier Wasserstoff, während das Zirkonium allmählich oxidiert – dabei wird zudem weitere Wärme frei, da die Reaktion exotherm verläuft. Der Druck im Reaktordruckbehälter steigt also weiter. Die Spaltprodukte gelangen bereits in den Wasserdampf, der sie, wenn er zur Druckentlastung abgelassen wird, aus dem Containment, dem Sicherheitsbehälter um den Reaktordruckbehälter, heraus transportiert. Auch der Wasserstoff gelangt so nach außen – und explodiert später unter dem Dach des Reaktorhauses von Block 1.
Der Reaktortyp Mark 1 wurde übrigens schon in den 1970er Jahren von Fachleuten heftig kritisiert. 1972 empfahl Stephen Hanauer von der Atomic Energy Commission, den Mark 1 wegen Konstruktionsmängeln des Containments nicht mehr zu genehmigen. Eine Analyse der Nuclear Regulatory Commission kam 1985 zu dem Schluss, dass es im Falle einer Kernschmelze "ziemlich wahrscheinlich" sei, dass das Containment binnen weniger Stunden wegen des enormen Überdrucks berste. Die Sicherheitsbehälter der Mark 1-Reaktoren mussten in der Folge – jedenfalls in den USA – mit einem Notfallventil nachgerüstet werden, um zu hohen Innendruck ablassen zu können. Auf diesem Weg könnte das Wasserstoffgas in die Reaktorhäuser gelangt sein.
Weil die Oxidation von Zirkonium die Stäbe rasant weiter aufheizt, kann die Temperatur binnen weniger Minuten auf 2150 Kelvin steigen, den Schmelzpunkt von Zirkonium. Dies ist der Beginn der Kernschmelze. Dieser mögliche Verlauf ist eigentlich seit dem Atomunfall von Harrisburg bekannt. Zircaloy wird jedoch wegen seiner "guten Materialeigenschaften" noch immer weltweit als Rohrmaterial für Brennelemente verwendet, bestätigt Professor Marco Koch, Reaktor-Experte der Ruhr-Universität Bochum.
(Bild:Â Wikipedia)
Der Begriff "Kernschmelze" ist ein wenig unscharf und wird in verschiedenen Zusammenhängen unterschiedlich verwendet. Wissenschaftler der Abteilung Nukleartechnik am MIT haben in einem inzwischen viel zitierten Blog Posting darauf hingewiesen, dass der eigentliche Kernbrennstoff – das Uranoxid – in Form von keramischen Pellets vorliegt, die erst bei etwa 2800 Grad Celsius schmelzen. Verlässliche Angaben über die Temperatur in den Reaktorkernen liegen zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht vor.
Unabhängig davon wird das Eintreten der Kernschmelze von den Verantwortlichen zunächst bestritten. Am Montag Abend, 14. März, räumt die japanische Nuclear und Industrial Safety Agency ( NISA) dann jedoch ein, dass nur eine Kernschmelze die Wasserstoff-Explosion verursacht habe könne. Dabei kann es sich allerdings nur um eine teilweise Kernschmelze handeln, weil die Brennstäbe in Block 1 nach Angaben der japanischen Zeitung Asahi noch zu 1,70 Meter – weniger als die Hälfte – mit Wasser bedeckt waren.
Bei einer Kernschmelze sammelt sich im unteren Bereich des Reaktordruckbehälters eine Pfütze aus sehr heißem, flüssigen Metall. Der Stahl des Reaktordruckbehälters selbst schmilzt typischerweise bei etwa 1700 Grad Celsius - allerdings fängt er, wegen des hohen Innendrucks schon bei einer kritischen Temperatur von rund 700 Grad Celsius an zu kriechen. Bei dieser Verformung besteht die Gefahr, dass die Wand so dünn wird, dass sie an einer Stelle reißt. Wissenschaftler der TU Dresden haben aus der Computersimulation einer Kernschmelze geschlossen, dass ein solches Szenario ohne eine Außenkühlung des Reaktordruckbehälters nicht mehr zu beherrschen ist. Ob eine solche Außenkühlung seit Samstag Abend (12.3.) mit Meerwasser vorgenommen wurde, ist zur Zeit jedoch unklar. Dennoch kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Druckbehälter in einem der Blöcke bereits beschädigt ist.
Diese Sequenz der Ereignisse in Block 1 wiederholt sich auch in den anderen beiden Blöcken: In Block 3 kommt es am Montag um 11:01 Uhr Ortszeit (NISA) zu einer Wasserstoff-Explosion, in Block 2 am Dienstag um 6:10 Uhr. Besonders heikel ist die Situation in Block 2: Trotz Einspeisen von Meerwasser liegen die Brennstäbe dort am frühen Dienstag morgen, 15. März, fast völlig frei, wie die japanische Tageszeitung Nikkei berichtet. TEPCO gibt bekannt, dass bei der Explosion das Containment beschädigt worden sei, so dass radioaktives Gas von dort nach außen entweichen könne.
Sorgen macht manchen Experten zudem, dass der Reaktor 3 mit so genannten Mischoxid-Brennelementen (MOX) betrieben wird. Die enthalten neben Uran auch reaktortaugliches Plutonium 239 und Plutonium 241. Anders als Uran 235 lässt sich Plutonium sehr gut durch ungebremste, schnelle Neutronen spalten. In einer Brennelement-Schmelze könnten also Zonen entstehen, in denen die kritische Masse wieder überschritten wird und erneut eine Kettenreaktion einsetzt. Wie groß die Gefahr einer solchen „Rekritikalität“ ist, darüber sind sich die Experten uneinig.
Am Mittwoch, den 16. März, eskaliert die Situation in den Reaktordruckbehältern der Blöcke 1, 2 und 3 zwar nicht weiter. Wie die von der NISA täglich veröffentlichten Daten in der untenstehenden Tabelle zeigen, ist die Lage in den Reaktoren weit entfernt von der Normalität. Zum Vergleich: In Block 1 von Fukushima II Daini liegt der Wasserspiegel elf Meter über dem oberen Ende der Brennstäbe – in Fukushima I ist es bisher nicht gelungen, mehr Wasser in den Druckbehälter zu pumpen. Beunruhigend sind vor allem die Druckverhältnisse in Block 1 – der Innendruck des Druckbehälters würde in einem ordnungsgemäß heruntergefahrenen Reaktor wie Fukushima II Daini Block 1 bei einem bar liegen.
| Parameter | Einheit | Fukushima I Block 1 | Fukushima I Block 2 | Fukushima I Block 3 |
| Innendruck des Reaktor- kessels |
bar(= 100 kPa = 0,1 MPa) |
2,95 (18.3. 22:00) 3,06 (19.3. 16:50) 2,88 (20.3. 15:00) 2,99 (21.3. 14:25) 3,17 (22.3. 15:30) 4,81 (23.3. 16:00) 5,40 (24.3. 17:00) 4,53 (25.3. 16:30) 4,81 (26.3. 13:00) 5,17 (27.3. 09:00) | 0,96 (18.3. 22:00) 0,92 (19.3. 16:30) 0,85 (20.3. 15:00) 0,78 (21.3. 14:25) 0,79 (22.3. 15:30) 0,65 (23.3. 14:00) 0,65 (24.3. 17:00) 0,85 (25.3. 14:00) 0,74 (26.3. 13:00) 0,83 (27.3. 0:00) | 1,17 (18.3. 22:00) 1,87 (19.3. 17:25) 2,63 (20.3. 16:00) 1,46 (21.3. 14:55) 1,37 (22.3. 10:35) 1,35 (23.3. 09:10) 1,39 (24.3. 18:00) 1,37 (25.3. 16:10) 1,39 (26.3. 11:15) 1,33 (27.3. 10:10) |
| Wasserstand, gemessen vom oberen Ende der Brennstäbe | Meter | -1,80 (18.3. 22:00) -1,75 (19.3. 16:50) -1,75 (20.3. 15:00) -1,75 (21.3. 14:25) -1,80 (22.3. 15:30) -1,75 (23.3. 16:00) -1,65 (24.3. 17:00) -1,65 (25.3. 16:30) -1,65 (26.3. 13:00) -1,65 (27.3. 09:00) | -1,40 (18.3. 22:00) -1,30 (19.3. 16:30) -1,40 (20.3. 15:00) -1,35 (21.3. 14:25) -1,30 (22.3. 15:30) -1,25 (23.3. 14:00) -1,40 (24.3. 17:00) -1,40 (25.3. 14:00) -1,20 (26.3. 13:00) -1,20 (27.3. 09:00) | -2,30 (18.3. 22:00) -2,30 (19.3. 17:25) -2,00 (20.3. 16:00) -2,03 (21.3. 14:55) -2,35 (22.3. 10:35) -2,30 (23.3. 09:10) -2,30 (24.3. 18:00) -2,30 (25.3. 16:10) -2,30 (26.3. 11:15) -2,30 (27.3. 10:10) |
| Innendruck des Sicherheits- behälters (Contaiment) | bar | 1,80 (18.3. 22:00) 1,80 (19.3. 16:50) 1,70 (20.3. 15:00) 1,60 (21.3. 14:25) 1,75 (22.3. 15:30) 3,60 (23.3. 16:00) 4,00 (24.3. 17:00) 2,75 (25.3. 16:30) 2,75 (26.3. 13:00) 2,70 (27.3. 09:00) | 1,40 (18.3. 22:00) 1,35 (19.3. 16:30) 1,25 (20.3. 15:00) 1,20 (21.3. 14:25) 1,10 (22.3. 15:30) 1,10 (23.3. 14:00) 1,10 (24.3. 17:00) 1,20 (25.3. 14:00) 1,10 (26.3. 13:00) 1,10 (27.3. 09:00) | 1,60 (18.3. 22:00) 2,10 (19.3. 17:25) 2,90 (20.3. 16:00) 1,10 (21.3. 14:55) 1,00 (22.3. 10:35) 1,00 (23.3. 09:10) 1,07 (24.3. 18:00) 1,08 (25.3. 16:10) 1,07 (26.3. 11:15) 1,08 (27.3. 10:10) |
[pagebreak Brodelnde Abklingbecken]
Brodelnde Abklingbecken in den Reaktorruinen
Am Dienstag morgen macht auch erstmals der vor dem Beben heruntergefahrene Block 4 Probleme: Dort kommt es um 6:00 Uhr Ortszeit zu einer Explosion in der Halle mit den Abklingbecken. Diese befinden sich in Fukushima I in der oberen Etage der Reaktorhäuser, da Siedewasserreaktoren nur von oben be- und entladen werden können (siehe Grafik) – was auch bedeutet, dass sie in den teilweise zerstörten Reaktorhäusern von Block 1 und 3 inzwischen freiliegen. Die Explosion führt zu einem Brand, der zwar gelöscht werden kann, doch das Wasser in den Abklingbecken hat nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo News am Dienstag Nachmittag den Siedepunkt erreicht.
Block 4 war erst kurz vor der Katastrophe planmäßig für eine Inspektion herunter gefahren worden. Sämtliche Brennelemente dieses Blocks sind in das Abklingbecken oberhalb des Reaktors umgeladen worden. Das japanische Nuclear Energy Institute (NEI) hat in einem Hintergrundpapier Fakten zur Lagerung abgebrannter Brennelemente auf der Reaktorgelände veröffentlicht.
Aus dem Papier geht nicht eindeutig hervor, wie viele Brennelemente sich im Becken von Block 4 befinden – dennoch hilft es bei der Einschätzung der Gefahrenlage ein wenig weiter: Laut NEI ist das Becken von Block 4 nämlich das einzige, das voll beladen ist. "All Things Nuclear", der Blog der "Union of Concerned Scientists" hat zudem aus japanischen Medienberichten mittlerweile eine Übersicht über den Kernbrennstoff-Bestand im gesamten AKW zusammengestellt. Demnach sind die Reaktoren mit Gebinden aus jeweils 60 Brennstäben beladen, die insgesamt 170 Kilogramm Uran pro Gebinde enthalten - in Summe befinden sich also allein in den Lagerbecken rund 800 Tonnen Uran. Laut New York Times sind 32 der 514 Gebinde in Block 3 zudem mit MOX-Brennelementen beladen, die mehr Plutonium enthalten als gewöhnliche Brennelemente. Wie viele MOX-Elemente sich im Reaktor selbst befinden, ist zur Zeit noch unklar.
- Block: 400 Gebinde im Reaktor, 292 im Pool
- Block: 548 Gebinde im Reaktor, 587 im Pool
- Block: 548 Gebinde im Reaktor, 514 im Pool
- Block: 0 Gebinde im Reaktor, 1479 im Pool
- Block: 418 Gebinde im Reaktor, 946 im Pool
- Block: 634 Gebinde im Reaktor, 867 im Pool
Die anderen rund 60 Prozent des abgebrannten Kernbrennstoffs auf dem Gelände von Fukushima Daiichi befinden sich im Becken eines gemeinsamen Zwischenlagers auf dem Gelände. Nach Schätzungen des französischen Institut de Radioprotection et de Sûreté Nucléaire (IRSN) sind das rund 6200 Brennelement-Gebinde in einem gemeinsamen Zwischenlagerbecken. Die Brennelemente sind laut IRSN schon länger abgeklungen als die Brennelemente in den Becken der sechs Reaktorblöcke und produzieren deshalb eine geringere Nachwärme. Angaben über den Zustand der Kühlung des Zwischenlagers liegen allerdings nicht vor.
34 Prozent der abgebrannten Brennelemente sind auf die Abklingbecken der Reaktorblöcke verteilt – der Löwenanteil davon in Block 4. Der Wasserstand in den Becken ist normalerweise so eingestellt, dass die Stäbe rund 4,5 Meter - andere Quellen sprechen von sieben bis acht Meter - hoch mit Wasser bedeckt sind. Die Pools in Block 2, 3, 4, und 5 haben ein Volumen von 1425 Kubikmeter - das Becken von Block 1 ist mit 1020 Kubikmetern etwas kleiner, das von Block 6 mit 1497 Kubikmetern etwas größer, als die anderen.
Jedes Becken fasst maximal etwa 1300-1400 Tonnen Wasser, wobei etwa 500 Tonnen notwendig sind, um die Brennstäbe vollständig zu bedecken. Laut MIT hat das Wasser in solchen Abklingbecken unter normalen Bedingungen eine Temperatur von 30-40 Grad Celsius. Diese Temperatur wurde aber zwischenzeitlich in Block 4 weit überschritten, weil der Wasserstand weit unter diese Marke gerutscht ist. Wenn das Wasser zu kochen beginnt, kann man abschätzen, dass rund drei Tonnen pro Stunde verdampfen - das entspricht rund 70 Tonnen Wasser pro Tag, die nachgefüllt werden müssen. Nach verschiedenen Presseberichten sind in den ersten Tagen jedoch nur rund 50 Tonnen Wasser über Block 3 abgeworfen worden. Am 20. und 21. März gelang es den Rettungskräften jedoch 1137 Tonnen Meerwasser in Richtung des Pools von Block 3 und 90 Tonnen in Pool 4 zu pumpen. Wieviel davon jeweils in das Becken gelangt ist, ist jedoch nicht bekannt.
Auch in Block 5 und 6 sind die Temperaturen zeitweise zu hoch gestiegen:
| Block 4 | Block 5 | Block 6 | |
| 14.3., 19:08 JST | 84,0 °C | 59,7 °C | 58,0 °C |
| 15.3., 19:00 JST | Keine Daten | 60,4 °C | 58,5 °C |
| 16.3., 14:00 JST | Keine Daten | 62,7 °C | 60,0 °C |
| 17.3., 12:00 JST | Keine Daten | 64,2 °C | 62,5 °C |
| 18.3., 13:00 JST | Keine Daten | 66,3 °C | 64,0 °C |
| 19.3., 18:00 JST | Keine Daten | 48,1 °C | 67 °C |
| 20.3., 16:00 JST | Keine Daten | 35,1 °C | 28 °C |
| 21.3., 17:00 JST | Keine Daten | 42,3 °C | 36,5 °C |
| 22.3., 17:00 JST | Keine Daten | 33,5 °C | 27,5 °C |
| 23.3., 18:00 JST | Keine Daten | 41,1 °C | 19,0 °C |
| 24.3., 17:00 JST | Keine Daten | 49,0 °C | 28,5 °C |
| 25.3., 18:00 JST | Keine Daten | 37,9 °C | 22,0 °C |
| 26.3., 14:00 JST | Keine Daten | 42,8 °C | 30,0 °C |
| 27.3., 14:00 JST | Keine Daten | 37,8 °C | 21,0 °C |
Die Ursache fĂĽr den sinkenden Wasserspiegel in den Abklingbecken ist zur Zeit noch unklar. Die UCS verweist jedoch auf eine interessante, konstruktionsbedingte Fehlerquelle. Demnach sind die Becken so konstruiert, dass man die Brennelemente bei einer Revision nicht aus dem Wasser heben muss, um sie aus dem Reaktorkern in das Abklingbecken umzuladen. Vielmehr wird dazu eine Art Spundwand zwischen Reaktorkern und Abklingbecken heruntergefahren und der gesamte Bereich geflutet.
(Bild:Â UCS)
Nachdem die Brennstäbe umgeladen sind, wird die Wand wieder hochgefahren. Abgedichtet wird dieses technische Wunderwerk von mit Luft aufgepumpten Dichtungen, deren Druck mit Hilfe elektrischer Pumpen aufrecht erhalten wird. Das Versagen der Stromversorgung könnte also auch zu einem langsamen Versagen der Dichtungen im Abklingbecken geführt haben.
Wenn die Brennstäbe größtenteils nicht mehr von Wasser bedeckt sind, heizen sie sich stark auf, da die Luft nicht genügend Wärmeenergie abtransportieren kann. Dabei kann es dann auch in den Abklingbecken zu einer Oxidation der Zircaloy-Hüllen kommen – auch bei dieser Reaktion wird explosiver Wasserstoff produziert. Ein völliges Schmelzen der Brennstäbe sei aber „sehr unwahrscheinlich“, da die Brennstäbe wesentlich weniger dicht als im Reaktor gepackt wären, so die MIT-Forscher. Mit sinkendem Wasserspiegel würde jedoch auch die Strahlenbelastung stark ansteigen.
Seit Donnerstag, dem 24.3. gibt es zumindest wieder Temperatur-Messwerte aus den Abklingbecken der Reaktoren 5 und 6. Dort betragen die Temperaturen 49 beziehungsweise 28 Grad Celsius. Auch die Kühlung des gemeinsamen Zwischenlagerbeckens ist provisorisch wieder hergestellt. Das Wasser in den Zwischenlagerbecken von Block 1,2 und 3 scheint jedoch immer wieder zu kochen - jedenfalls berichten japanische Medien von weißem Rauch, der aufsteigt - dabei könnte es sich um Wasserdampf handeln.
Nachbeben und schwierige Aufräumarbeiten
Während der Betreiber in den folgenden Tagen versucht, durch Meldungen über die schrittweise Wiederherstellung der externen Stromversorgung Optimismus zu verbreiten, gibt es auf dem Gelände neue Schwierigkeiten: Am 25.3. müssen die Arbeiten in den Blöcken 1 und 2 zeitweilig unterbrochen werden, da in den Untergeschossen stark radioaktives Wasser gefunden wird. Obwohl das Wasser abgepumpt wird, sammelt sich in Block 2 immer mehr der mit rund 1000 Millisievert pro Stunde strahlenden Brühe. Die Nuclear Safety Commission of Japan (NSC) vermutet, dass dieses Wasser „direkten Kontakt zu geschmolzenem Kernbrennstoff“ hatte und „über einen noch unbekannten Pfad in das Maschinenhaus“ ausgetreten ist. Am 2. April bestätigt TEPCO, dass stark kontaminiertes Wasser aus einem Riss in Block 2 direkt ins Meer fließt. Die TEPCO-Techniker versuchen, den Riss im Betonfundament mit Wasserglas zu flicken - doch der Versuch gelingt erst am 6. April.
Am 6. April um 23 Uhr 32 ereignet sich unterdessen ein schweres Nachbeben mit einer Stärke von 7,1. Die Betreibergesellschaft TEPCO erklärt, das Beben habe "keine neuen Probleme" in den Blöcken 1 bis 6 von Fukushima I verursacht. Auch ein zweites Nachbeben am Samstag, den 9.4. verschlimmert nach offiziellen Angaben die Lage nicht weiter. Eine Woche später bebt die Erde erneut mit Stärke 7 - diesmal ist das Epizentrum an Land. Statistisch ist damit zu rechnen, dass insgesamt etwa zehn Nachbeben dieser Stärke auftreten können.
Verschiedene Experten schließen denn auch nicht aus, dass ein oder mehrere Druckbehälter doch noch bersten könnten, denn sie sind in den vergangenen Wochen massiven mechanischen Belastungen ausgesetzt gewesen, die ihre Auslegung weit übersteigt. In den Reaktordruckbehälter herrscht noch immer ein Druck von einigen bar, die Oberfläche ist siedendheiß und die Brennstäbe liegen noch immer zum Teil frei - und das wird sich auch in den kommenden Wochen und Monaten nur ganz langsam ändern.
Das zeigen auch die Einschätzungen der Betreibergesellschaft: Offenbar auf Druck der japanischen Regierung hat TEPCO am 17. April eine Art Roadmap für den Verlauf der weiteren Arbeiten veröffentlicht: Demnach werde es noch mindestens sechs Monate dauern, bis die Blöcke 1-3 sich in einem stabilen, ausgeschalteten Zustand (cold shutdown) befinden. Die ersten drei Monate werden nach Einschätzung von TEPCO notwendig sein, um die Notkühlung der Reaktoren abzusichern und das Ausmaß der weiteren Freisetzung radioaktiver Materialien zu reduzieren.
Zudem wird immer klarer, dass die radioaktive Belastung der Umgebung sehr viel stärker ist, als zunächst angenommen. Am 12. April 2011 - nur knapp zwei Wochen vor dem 25. Jahrestag des Tschernobyl-Unfalls - stuft die japanische Regierung Fukushima als Unfall der Stufe 7 auf der internationalen INES-Skala ein. Nach Schätzungen von japanischen Experten sind seit dem Unfall zwischen 370.000 und 630.000 Terabequerel an radioaktivem Material in die Umgebung gelangt. Die neue Einstufung sorgte prompt für allerlei Diskussionen - sie orientiert sich jedoch lediglich daran, dass die INES-Skala eine Beurteilung sowohl nach dem Schaden an kritischen Systemen als auch nach der freigesetzten Aktivität erlaubt. Am 21. April erklärt die japanische Regierung die 20-km-Evakuierungszone um Fukushima zum permanenten Sperrgebiet.
Die Aufräumarbeiten im zerstörten Atomkraftwerk Fukushima gehen nur langsam voran. Große Mengen an hoch kontaminiertem Wasser, das sich in den Sicherheitsbehältern der Reaktorblöcke 1-3 angesammelt hat, behindern auch weiterhin die Sicherungs- und Reparaturarbeiten. Zwar konnte Tepco das Abfließen von kontaminiertem Wasser ins Meer aus Blcok 2 am 6. April stoppen Nach einem Bericht, den TEPCO bei der Aufsichtsbehörde NISA eingereicht hatte, sind dabei aber radioaktive Stoffe mit einer Aktivität von rund 4,5 1015 Bequerel in die Umgebung gelangt.
TEPCO hat nach eigenen Angaben mittlerweile rund 1700 Tonnen verseuchtes Wasser aus Block 2 abgepumpt. Laut Gesellschaft für Reaktorsicherheit sollen sich aber in den Reaktorgebäuden insgesamt schätzungsweise rund 87.500 Tonnen belastetes Wasser angesammelt haben. Anfang Mai soll eine Aufbereitungsanlage installiert werden, mit der ab Juni dann täglich 1200 Tonnen des radioaktiven Wasser aufbereitet werden können.
Die Lage an den beschädigten Reaktorblöcken selbst bleibt unterdessen Ende April - vorerst - stabil: Alle drei Reaktordruckbehälter werden mittlerweile kontinuierlich mit Frischwasser bespeist. In Block 1, der den Tepco-Ingenieuren zur Zeit am meisten Kopfzerbrechen bereitet, hat man in den vergangenen Tagen systematisch den Frischwasserzustrom herauf- und wieder heruntergefahren, um aus den Druck- und Temperaturänderungen auf die Funktionsfähigkeit der noch verbliebenen Messinstrumente schließen zu können. Eine abschließende Analyse steht aber noch aus - nach den letzten, veröffentlichten Messwerten beträgt der Druck in Block 1 zwischen 5 und 12 bar, während er in den Blöcken 2 und 3 sehr viel niedriger ist.
In allen drei Blöcken bildet sich durch Radiolyse zudem immer noch Wasserstoff, der sich in den Sicherheitsbehältern anreichert. Block 1 wird deshalb seit Anfang April mit Stickstoff geflutet - bei Block 2 und 3 ist die Einleitung von Stickstoff geplant, aber noch nicht durchgeführt.
Eine Neubewertung der gemessenen Dosisleistungen der Containmentüberwachung ergibt einen Kernschadensanteil von 55 Prozent statt den zuvor vermuteten 70 Prozent. Experten gehen dennoch davon aus, dass die Kernschmelze die Kühlung erheblich erschwert. Für eine dauerhaftere Kühlung müsste der Wasserpegel im Reaktordruckbehälter, der nach den letzten veröffentlichten Daten immer noch 1,7 Meter unter der Oberkante der Brennelemente liegt, weiter erhöht werden. Das könnte aber neue Risse im Reaktor erzeugen.
Unterdessen berichtet die japanische Tageszeitung Nikkei, dass Betreiber Tepco Anfang Mai drei zusätzliche Roboter in die beschädigten Blöcke schicken will. Am 17, und 18. April hatte das Unternehmen bereits einen ersten Anlauf unternommen, und zwei Packbot 510-Modelle des US-Herstellers iRobot zur Inspektion in Block 1, 2 und 3 geschickt. Dort maßen die Roboter Dosisleistungen zwischen 10 und 57 Millisievert pro Stunde - in Block 2 mussten die Roboter allerdings wieder abdrehen, weil zuviel Dampf die Kameralinse beschlagen hatte. Nun sollen laut Nike zwei Talon-Roboter der britischen Rüstungsschmiede Quinetiq und ein in Japan entwickeltes Modell namens Quince zum Einsatz kommen. Die Roboter sollen vor allem stark radioaktive Trümmer aufspüren und kartographieren. Laut World Nuclear News sind bislang vor allem in der Nähe von Block 3 Trümmerstücke gefunden worden, die mit bis zu 300 Millisievert pro Stunde strahlen.
(Bild:Â Nuclear Regulatory Commission)
Angesichts des 25. Jahrestags der Tschernobyl-Katastrophe hat der Vergleich mit dem damaligen Super-GAU bereits Mitte März schnell die Runde gemacht. Die bisherigen Ereignisse weisen aber mehr Gemeinsamkeiten mit dem auf, was 1979 im Kernkraftwerk Three Mile Island in Harrisburg passiert ist: Dort konnte die teilweise Kernschmelze schließlich gestoppt werden - ein Großteil des hochradioaktiven Inventars konnte im Containment zurückgehalten werden. Denn dort kam es dort nicht zu einer Wasserstoffexplosion, weil das Gas im Sicherheitsbehälter eingeschlossen blieb, dort aber nicht genug Sauerstoff für eine Explosion vorhanden war. Bis das ganze Ausmaß des Schadens analysiert werden sollte, dauerte es jedoch auch damals schon über ein Jahr. Auch Fukushima Daiichi wird die Welt noch Monate in Atem halten.
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Chronologie der Ereignisse im AKW Fukushima I
JST: Japan Standard Time, also Ortszeit; Stand: 28.3.2011 13 Uhr MEZ
Letzte Aktualisierung 11.4.2011
Freitag, 11.3.2011
14:46 JST
Ein unterseeisches Erdbeben östlich von Sendai (Miyagiken-Oki) löst automatische Abschaltung der aktiven Reaktorblöcke 1, 2 und 3 in Fukushima 1 aus.

(Quelle: TEPCO)
15:41 JST
Die Notstrom-Dieselaggregate fallen aus – kein Strom mehr in den Blöcken 1, 2 und 3. Eine Minute später, 15:42, wird Vorfall gemäß Artikel 15, Satz 1, Ausfall des Kühlsystems, festgestellt.
(Quelle: TEPCO)
19:03 JST
Regierungssprecher Yukio Edano gibt bekannt, dass Premierminister Naoto Kan den „nuklearen Notstand“ ausgerufen hat. Zu diesem Zeitpunkt ist offiziell noch kein radioaktives Material ausgetreten.
(Quelle: NISA; BBC)
20:50 JST
Die Evakuierung der – inneren – 3-km-Zone um Fukushima I Daiichi wird angeordnet.
(Quelle: NISA)
Samstag, 12.3.2011
1:00 JST
Nach Angaben von Tepco ist der Druck im Reaktorkessel von Block 1 doppelt so hoch wie normal.
(Quelle: BBC)
5:44 JST
Premierminister Naoto Kan ordnet die Evakuierung der – mittleren – 10-km-Zone um Fukushima I Daiichi an.
(Quelle: NISA)
08:41 JST
Druckentlastung in Block 3.
(Quelle: TEPCO)
11:00 JST
Auch aus Block 2 wird Druck abgelassen.

(Quelle: TEPCO)
14:30 JST
TEPCO hat die Druckentlastung im ĂĽberhitzten Block 1 abgeschlossen.
(Quelle: TEPCO)
15:29 JST
Messungen zeigen, dass die Strahlungsdosis auĂźerhalb des Reaktors die zugelassenen Grenzwerte ĂĽberschritten hat.
(Quelle: BBC)
15:36 JST
Ein Nachbeben erschüttert das Kraftwerk. „Weißer Rauch“ und ein „explosives Geräusch“ werden von Block 1 gemeldet. Auf Außenkameras ist eine Explosion zu sehen, die Dach und obere Wände des Reaktorhauses von Block 1 wegsprengt, so dass nur das Stahlgerüst übrig bleibt. 

(Quelle: TEPCO)
17:10 JST
Japanische Medien berichten, die Aktivität außerhalb des Reaktors sei um das 20-fache gestiegen.
(Quelle: BBC)
18:25 JST
Die Evakuierungszone um Fukushima I Daiichi ist auf einen Radius von 20 km erweitert worden. Laut TV-Sender NHK seien radioaktive Isotope von Cäsium und Jod in der Umgebung des Kraftwerks nachgewiesen worden.
(Quelle: NISA; BBC)
19:35 JST
Spiegel online berichtet von Strahlungsdosen von 1015 Mikrosievert, die in der Umgebung des Kraftwerks von Behörden gemessen worden seien.
(Quelle: Spiegel)
20:20 JST
Die Einleitung von Meerwasser in den Reaktorkessel von Block 1 beginnt. Dem Wasser ist Borsäure beigemischt, um zusätzlich Neutronen zu absorbieren und so weitere Kernspaltungen zu reduzieren (die durch Neutroneneinfang ausgelöst werden).
(Quelle: NISA; TEPCO)
Sonntag, 13.3.2011
0:17 JST
Die japanische Nuklearbehörde stuft den Unfall auf der 8-stufigen Störfallskala (0-7) mit 4 ein.
(Quelle: BBC)
0:40 JST
Die japanische Zeitung Asahi meldet, dass die Brennstäbe in Block 1nur noch zu 1,70 Meter mit Wasser bedeckt seien – mehr als die Hälfte der Brennstäbe liegt damit frei.
(Quelle: Spiegel)
5:10 JST
TEPCO gibt bekannt, dass das NotkĂĽhlsystem auch in Block 3 ausgefallen ist.
(Quelle: TEPCO)
5:58 JST
TEPCO lässt in Block 3 Dampf zur Druckentlastung des Reaktorkessels ab.
(Quelle TEPCO)
8:41 JST
Die Druckentlastung in Block 3 ist abgeschlossen.
(Quelle: TEPCO)
9:08 JST
In Block 3 wird jetzt Frischwasser in den Reaktorkessel gepumpt.
(Quelle: NISA)
11:00 JST
Druckentlastung aus dem Reaktorkern in Block 2 abgeschlossen.
(Quelle: TEPCO)
11:25 JST
AFP zitiert die japanische Regierung, das Ausmaß der Radioaktivität außerhalb des Kraftwerks sei nun Block 3 zuzuschreiben.
(Quelle: BBC)
11:32 JST
Kyodo News zitiert einen Kraftwerks-Operator, die Brennstäbe (in Block 3?) lägen zu 3 Metern frei, unbedeckt von Wasser.
(Quelle: BBC)
12:52 JST
Regierungssprecher Yukio Edano räumt „Möglichkeit, dass eine Kernschmelze stattgefunden hat“, ein. Um 13:26 JST räumt Edano ein, dass es sogar in zwei Blöcken, 1 und 3, Kernschmelzen gegeben haben könnte.
(Quelle: BBC)
13:12 JST
Statt Frischwasser wird in Block 3 nun ebenfalls Meerwasser zur KĂĽhlung verwendet.
(Quelle: NISA)
Montag 14.3.2011
1:10 JST
Die Techniker setzen in Block 1 und Block 3 die Wassereinleitung aus, da das Meerwasser-Reservoir nicht mehr genug Wasser hat.
(Quelle: NISA)
3:20 JST
In Block 3 wird die Meerwassereinleitung wieder aufgenommen.
(Quelle NISA)
11:01 JST
Auch in Block 3 kommt es zu einer Wasserstoffexplosion, die Decke und Teile der Wände des Reaktorgebäudes wegsprengt.
(Quelle: TEPCO)
13:25 JST
Das Notkühlsystem in Block 2 fällt aus. Der Wasserspiegel im Reaktordruckbehälter beginnt rasch zu sinken.
(Quelle: TEPCO)
16:34 JST
Die Einspeisung von Meerwasser in Block 2 beginnt.
(Quelle: Kyodo News)
23:00 JST
Die Brennstäbe im Reaktorkessel von Block 2 liegen vollständig frei, ein GAU wird immer wahrscheinlicher.
(Quelle: Nikkei)
Dienstag, 15.3.2011
6:00 JST
Im Reaktorhaus von Block 4 kommt es an den Lagerbecken der Brennstäbe zur Explosion.
(Quelle: TEPCO)
6:10 JST
Wasserstoffexplosion in Block 2: Laut Betreiberfirma Tepco ist nun auch hier eine Kernschmelze zu befürchten. Dabei ist auch erstmals der Sicherheitsbehälter (Containment) beschädigt worden.
(Quelle: Kyodo News)
8:31 JST
Die Strahlung auf dem Kraftwerksgelände steigt auf 8.217 Mikro-Sievert pro Stunde: das achtfache der jährlich zulässigen Dosisleistung.
(Quelle: Kyodo News)
9:40 JST
In Block 4 ist ein Brand ausgebrochen. vermutlich durch eine weitere Wasserstoffexplosion.
(Quelle: Kyodo News)
10:22 JST
Die Strahlungswerte auf dem Gelände von Fukushima I steigen wieder.
(Quelle: Kyodo News)
11:00 JST
Der Brand in Block 4 ist gelöscht.
(Quelle: IAEA)
16:42 JST
Laut Regierungssprecher Edano gibt es inzwischen auch Probleme mit der Reaktorkühlung der Blöcke 5 und 6, die wegen Wartungsarbeiten zur Zeit des Erdbebens abgeschaltet waren.
(Quelle: Kyodo News)
17:29 JST
Das Wasser in den Brennstabbecken in Block 4 kocht.
(Quelle: Kyodo News)
20:49 JST
Die Strahlenbelastung im Kraftwerk sei inzwischen so hoch, dass das TEPCO-Personal nicht länger in den Leitwarten bleiben könne, meldet die japanische Nachrichtenagentur Kyodo News.
(Quelle; Kyodo News)
22:05 JST
TEPCO schaffe es nicht mehr, die siedenden Abklingbecken von Block 4 mit frischem Wasser zu kĂĽhlen, meldet die japanische Nachrichtenagentur Kyodo News.
(Quelle; Kyodo News)
Das Institute vor Science and International Security erklärt in einer Lageeinschätzung, der Unfall in Fukushima I sei auf der INES-Störfallskala "nun näher an der Stufe 6, und es könnte unglücklicherweise noch Stufe 7 erreichen". Stufe 7 hat bislang nur der Super-GAU von Tschernobyl erhalten.
(Quelle: ISIS)
Mittwoch, 16.3.2011
2:55 JST
Die japanische Regierung hat im Umkreis von 30 Kilometern um Fukushima I eine Flugverbotszone verhängt.
(Quelle: Spiegel online, Live Ticker)
5:45 JST
In Block 4 bricht erneut ein Feuer aus, das eine halbe Stunde dauert.
(Quelle: IAEA)
7:30 JST
Die japanischen Behörden melden, dass die Evakuierung der 20-Km-Zone um Fukushima I abgeschlossen ist.
(Quelle: IAEA)
8:28 JST
70 Prozent der Brennstäbe in Block 1 und 33 Prozent in Block 1 seien nach Schätzungen von TEPCO inzwischen beschädigt, meldet die japanische Tageszeitung Nikkei.
(Quelle: Nikkei)
10:00 JST
Auch aus Block 3 steigt wieder Rauch auf.
(Quelle: Kyodo News)
10:40 JST
Die Strahlungswerte am Eingangsgelände liegen jetzt laut NISA bei 10 Millisievert pro Stunde (10.000 Mikrosievert pro Stunde). Eine Dosis von 500 Millisievert kann laut Bundesamt für Strahlenschutz bereits nach einigen Tagen zu gesundheitlichen Schäden führen. 730 von 800 Mitarbeitern des Kraftwerkpersonals sind laut TEPCO aus Fukushima I abgezogen worden.
(Quelle: Nikkei; BfS)
11:40 JST
Auch in den Abklingbecken in den Blöcken 5 und 6 steigt die Temperatur.
(Quelle: JAIF)
13:37 JST
Laut Regierungssprecher Edano könnte auch der Sicherheitsbehälter in Block 3 beschädigt sein.
(Quelle: Kyodo News)
18:25 JST
Arbmee-Hubschrauber müssen Löschversuche an Block 3 wegen zu hoher Strahlungswerte abbrechen.
(Quelle: Kyodo News )
Donnerstag, 17.3.2011
2:40 JST
Die Strahlungswerte in der Präfektur Fukushima seien 6600 mal so hoch wie normal, zitiert Kyodo News einen Beamten der NISA.
(Quelle: Kyodo News)
10:00 JST
Helikopter kühlen Block 3 nun mit Wasserladungen aus der Luft. Die Strahlungswerte auf dem Kraftwerksgelände sind laut TEPCO immer noch sehr hoch: 3000 Mikrosievert pro Stunde um die zerstörten Reaktorgebäude herum.
(Quelle: Kyodo News)
11:48j JST
Laut Verteidigungsminister Toshimi Kitazaw liegen die Strahlungswerte ca. 100 Meter (300 Fuß) über dem Kraftwerk bei 4,13 Millisievert pro Stunde, in ca. 330 Meter (1000 Fuß) Höhe bei 87,7 Millisievert pro Stunde.
(Quelle: Kyodo News)
15:30 JST
In der Präfektur Fukushima sind 100.000 Menschen an 26 Stationen auf Verstrahlung überprüft worden. Bei sechs Personen hätten die Behörden Radioaktivität festgestellt, die von Gesicht und Händen abgewaschen worden sei, berichtet Kyodo News.
(Quelle: Kyodo News)
20:00 JST
Feuerwehrwagen der Armee beginnen, Block 3 auch vom Boden mit Wasser zu beschießen, um die Brennstäbe in den Abklingbecken zu kühlen.
(Quelle: Kyodo News)
22:28 JST
TEPCO hat nach eigenen Angaben das Kraftwerk wieder an sein Stromnetz angeschlossen, um in Kürze die reguläre Notkühlung in Block 2 wieder in Gang zu bringen.
(Quelle: Nikkei)
Freitag, 18.3.2011
5:00 JST
Laut NISA sind die Strahlungswerte an einem Messpunkt 1 km westlich des Reaktorblocks 2 gesunken: auf 279,4 Mikrosievert pro Stunde. Am Donnerstag hätten sie dort um 20:40 JST noch 292,2 µSv/h betragen, um 12:30 JST sogar 351,4 µSv/h.
(Quelle: Kyodo News 1 und 2)
6:00 JST
Die Temperaturen in den Abklingbecken der Blöcke 5 und 6 weiter: Sie liegen jetzt bei 68,8 bzw. 66,5 Grad Celsius. am Montag lagen sie noch bei 59,7 bzw. 58,0 Grad.
(Quelle: NISA)
14:00 JST
Armee- und Feuerwehreinheiten bespritzen Block 3 wieder mit Wasser, um den Reaktor herunterzukĂĽhlen.
(Quelle: NHK TV)
18:17 JST
Die NISA ändert die Einstufung des Fukushima-GAUs von 4 auf 5 auf der INES-Skala. Auf derselben Stufe wurde 1979 der Atomunfall im US-AKW Three Mile Island bei Harrisburg bewertet.
(Quelle: Kyodo News)
18:40 JST
Die Strahlung einen Kilometer westlich von Block 2 beträgt 292,2 Mikrosievert pro Stunde.
(Quelle: Kyodo News)
Samstag, 19.3.2011
5:00 JST
Mit Hilfe neu angeschlossener Notstrom-Dieselaggregate kann nun die Kühlung der Abklingbecken in den Blöcken 5 und 6 in Angriff genommen. Deren Wassertemperatur ist seit Montag langsam, aber kontinuierlich gestiegen.
(Quelle: NISA)
8:10 JST
Strahlung am Westtor des Kraftwerks beträgt 830,8 Mikrosievert pro Stunde.
(Quelle: JAIF)
12:26 JST
Radioaktive Spaltprodukte aus den Reaktoren von Fukushima I werden erstmals an der WestkĂĽste der USA nachgewiesen.
(Quelle: Kyodo News)
13:30 JST
Das Starkstromkabel zu Block 2 ist fertig verlegt.
(Quelle: NISA)
15:13 JST
In der Präfektur Fukushima werden an Spinat und Milch erhöhte Strahlungswerte gemessen.
(Quelle: Kyodo News; erste Breaking News im Ticker um 15:13 h, mehr dann unter http://english.kyodonews.jp/news/2011/03/79603.html)
22:21 JST
Spuren von radioaktivem Iod seien in Tokio im Trinkwasser nachgewiesen worden, meldet Kyodo News, in Präfekturen Tochigi und Gunma auch Cäsium-137.
(Quelle: Kyodo News)
Sonntag, 20.3.2011
7:00 JST
Die Kühlung der Abklingbecken in den Blöcken 5 und 6: Die Wassertemperatur ist auf 37,1 bzw. 40 Grad Celsius gesunken.
(Quelle: Kyodo News)
8:30 JST
Erstmals wird jetzt auch Wasser in die trocken gefallenen und stark ĂĽberhitzten Abklingbecken von Block 4 gespritzt. Innerhalb von 60 Minuten werden 80 Tonnen nachgefĂĽllt.
(Quelle: Kyodo News)
20:32 JST
Die Lage in den Blöcken 5 und 6 gilt offiziell wieder als "stabil".
(Quelle: Kyodo News)
Montag, 21.3.2011
15:55 JST
Nachdem aus Block 3 grauer Rauch aufsteigt, lässt TEPCO das Kraftwerk evakuieren.
(Quelle: Kyodo News)
18:20 JST
Kurz nachdem der graue Rauch verschwunden ist, steigt nun in Block 2 erneut weiĂźer Rauch auf.
(Quelle: Kyodo News)
19:31 JST
Die japanische Regierung hat laut Kyodo News in vier Präfekturen – darunter Fukushima – den Verkauf von Spinat und einem anderen Blattgemüsen untersagt. Spinat ist derzeit 27 Mal stärker mit Iod-131 belastet als normal.
(Quelle: Kyodo News)
22:52 JST
In insgesamt neun Präfekturen hätten Behörden inzwischen im Trinkwasser radioaktive Spaltprodukte aus den Reaktoren gefunden, meldet Kyodo News. Die japanische Regierung habe den Aktivitätsgrenzwert für eine bedenkliche Kontamination von 6000 auf 100.000 Zerfällen pro Minute – das entspricht 1667 Becquerel – angehoben.
(Quelle: Kyodo News)
Dienstag 22.3.2011
9:21 JST
Die Stromversorgung in Block 1 ist wiederhergestellt.
(Quelle: Kyodo News)
10:20 JST
Laut IAEA ist die Strahlungsbelastung 20 Kilometer vom AKW Fukushima I 1600 Mal höher als normal.
(Quelle: Kyodo News)
16:07 JST
Rettungskräfte melden, dass es ihnen gelungen ist, 18 Tonnen Seewasser in das Abklingbecken von Block 2 zu pumpen. Die Temperatur des Wassers sinkt danach auf 41 Grad Celsius.
(Quelle: MSNBC)
21:50JST
Nach Angaben der Betreibergesellschaft TEPCO sind jetzt alle sechs Reaktorblöcke wieder an eine externe Stromversorgung angeschlossen. Zuletzt wurde Block 3 angeschlossen. Die Stromversorgung der Kontrollräume von Block 3 und 4 soll schon bald abgeschlossen werden. Zunächst müssen jedoch die Verbraucher überprüft werden.
(Quelle: Kyodo News)
Mittwoch 23.3.2011
14:00 JST
Nach IAEA Informationen liegen erste Dosisleistungen für das Containment und die Kondensationskammer in den Blöcken 1-3 für die Anlagen in Fukushima Daiichi vor:
Fukushima Daiichi Containment Kondensationskammer
Block 1: 46 SV/h; 31,6 SV/h
Block 2: 52 SV/h; 1,8 SV/h
Block 3: 60,5 SV/h; 1,75 SV/h
16:20 JST
Über Block 3 wird erneut schwarzer Rauch gesichtet. Die Ursache ist unklar. Es soll keinen Explosionslärm gegeben haben. Die Arbeiter, die an Block 3 und 4 beschäftigt sind, werden abgezogen.
(Quelle: Kyodo News)
Donnerstag 24.3.2011
4:20 JST
Seit 23:30 ist der schwarze Rauch ĂĽber Block 3 zurĂĽckgegangen. Um 4:50 ist kein Rauch mehr sichtbar.
(Quelle: NISA)
5:35 JST
Die Bespeisung des Abklingbeckens von Block 3 mit Meerwasser wird fortgesetzt.
(Quelle: GRS)
18:00 JST
Drei Arbeiter kommen bei Verkabelungsarbeiten in Block 3 mit kontaminiertem Wasser in Berührung und werden dabei schwer verstrahlt. Zwei der Arbeiter werden später in ein Krankenhaus gebracht. Sie seien einer Dosis von bis zu 180 Millisievert ausgesetzt gewesen, meldet Kyodo News unter Berufung auf die NISA einige Stunden später. Das Wasser ist ein Indiz dafür, dass der Sicherheitsbehälter in Block 3 leck ist.
(Quelle: Kyodo News)
18:05 JST
Das Zwischenlager erhält eine externe Stromversorgung. Der Kühlbetrieb des Zwischenlagerbeckens wird wieder aufgenommen.
(Quelle GRS)
21:55 JST
Das japanische Gesundheitsministerium gibt Entwarnung bezĂĽglich des Trinkwassers in Tokio. Nach den letzten vorliegenden Messungen soll die Belastung des Trinkwassers mit radioaktivem Jod jetzt bei 79 Bequerel pro Kilogramm liegen. Am Tag zuvor waren Spitzenwerte von 173 Bequerel pro Kilogramm gemessen worden. Das Gesundheitsministerium hatte daraufhin empfohlen, Kleinkindern kein Trinkwasser zu geben.
(Quelle: World Nuclear News)
Freitag 25.3.2011
13:44 JST
NISA-Sprecher Hidehiko Nishiyama erklärt angesichts des in Block 3 gefundenen radioaktiven Wassers auf einer Pressekonferenz: "Im Moment legen unsere Überwachungsdaten nahe, dass in Reaktorblock 3 einige Eindämmungsfunktionen intakt sind, aber es ist gut möglich, dass der Reaktor beschädigt worden ist." ("At present, our monitoring data suggest the (No. 3) reactor retains certain containment functions, but there is a good chance that the reactor has been damaged.'')
TEPCO vermutet allerdings, dass Brennelemente im Reaktor oder im Brennelementlagerbecken beschädigt sind und stark kontaminiertes Wasser ins Maschinenhaus über ein Leck gelangt ist. Inzwischen sind Entwässerungsarbeiten im Maschinenhaus im Gange (seit 10:25 JST).
(Quellen GRS und Kyodo News)
Samstag 26.3.2011
13:17 JST
Laut NISA sind in Meerwasserproben, die südlich der Reaktoren entnommen wurden, stark erhöhte Iod-131-Konzentrationen festgestellt worden. Sie liegen 1250 Mal höher als normal.
(Quelle: Kyodo News)
15:31 JST
In allen vier Reaktorblöcken stehe radioaktives Wasser, meldet Kyodo News: In Block 1 40 Zentimeter hoch, in Block 2 einen Meter, in Block 3 1,50 Meter und in Block 4 80 Zentimeter.
(Quelle: Kyodo News)
Sonntag 27.3.2011
6:00 JST
Die Meerwasser-Einspeisung in die Reaktordruckbehälter der Blöcken 1 bis 3 wird schrittweise durch eine Süßwasser-Einspeisung ersetzt, da Experten befürchten, dass sich Rohre, Pumpen und Ventile mit Salzablagerungen zusetzen könnten.
(Quelle: NISA; Kyodo News)
12:00 JST
Kyodo News meldet unter Berufung auf TEPCO, in den Wasserlachen in Block 2 sei eine Dosisleistung von 1000 Millisievert (1 Sievert) pro Stunde gemessen worden – 10 Millionen mal höher als normal und knapp ein Viertel der Dosis LD-50 (bei die Hälfte aller Verstrahlten binnen eines Monats stirbt). Am Abend korrigiert TEPCO den Wert auf 10 Millisievert pro Stunde.
Unter den stark strahlenden Materialien im Wasser soll sich auch Jod 134 mit einer Halbwertszeit von 53 Minuten befinden. Das Austreten von Jod 134 wĂĽrde auf einen noch immer laufende Kernspaltung hindeuten. Die Arbeiter an Block 1,2 und 3 werden sofort abgezogen.
(Quelle: Kyodo News; GRS)
Montag 28.3.2011
13:13 JST
Das radioaktiv belastete Wasser in Reaktorblock 2 sei die Folge einer teilweisen Kernschmelze, sagt Regierungssprecher Edano auf einer Pressekonferenz.
(Quelle: Kyodo News)
15:30 JST
Die Atomausichtsbehörde NISA veröffentlicht eine Pressemitteilung, der zu Folge die jüngsten Strahlenmessungen von TEPCO falsch sind. Zwar wird die Dosisleistung bestätigt, in den Proben soll sich aber kein Jod 134 befunden haben. Die Falschmessung sei zustande gekommen, weil die Arbeiter sofort nach dem Ablesen der hohen Strahlungswerte abgezogen worden waren. Sie hätten deshalb keine Zeit gehabt, eine zweite Messung zur Überprüfung durchzuführen.
(Quelle: NISA, TEPCO)
Dienstag 29.3.2011
TEPCO gibt bekannt, dass bereits am 21. und 22.3. im Boden des Kraftwerkskomplexes Fukushima Daiichi Plutonium 238, Plutonoim 239 und Plutonium 240 gefunden worden ist. Laut dem veröffentlichten Messprotokoll liegen die höchsten gemessenen Aktivitäten, die in 500 bis 750 Metern Entfernung von Block 1 und 2 gemessen wurden, bei 1,2 Bequerel pro Kilogramm.
(Quelle: TEPCO)
Mittwoch 30.3.2011
14:48 JST
Laut NISA ist im Meerwasser vor Fukushima erneut eine stark ansteigende Konzentration von Iod 131 gemessen worden. Sie soll das 3355fache des gesetzlich zugelassenen Konzentration von 300 Bequerel pro Liter betragen. Die genaue Quelle der Strahlenbelastung ist laut NISA noch immer unklar. Die Behörde vermutet jedoch, dass Wasser aus den Reaktorblöcken "irgendwie" ins Meer gelangt sind. Eine gesundheitliche Belastung schloss der NISA-Sprecher auf Grund der kurzen Halbwertszeit und starken Verdünnung des radioaktiven Iods jedoch weiterhin aus.
(Quelle: Kyodo News)
17:49 JST
Regierungssprecher Yukio Edano geht davon aus, dass alle sechs Reaktoren des Krafwerks Fukushima 1 abgeschaltet bleiben. Die Betreibergesellschaft TEPCO hatte kurz zuvor darĂĽber spekuliert, dass nur die Reaktoren 1-4 dauerhaft abgeschaltet werden mĂĽssten.
(Quelle: Kyodo News)
Der US-Atomexperte Richard T. Lahey will nach einem Bericht des britischen Guardian in den bisher veröffentlichten Daten Hinweise darauf gefunden haben, dass der Reaktordruckbehälter von Block 2 bereits zu einem frühen Zeitpunkt die Brennelement-Schmelze nicht mehr vollständig zurückhalten konnte. Lahey vermutet, dass geschmolzenes Material entlang der unteren Rohrleitungen aus dem Reaktordruckbehälter gedrückt worden, und dann auf den Boden des Beton-Sicherheitsbehälters gefallen ist.
(Quelle: IEEE Spectrum)
Donnerstag 31.3.2011
17:15 JST
Die schlechten Nachrichten reißen nicht ab: Im Grundwasser unter Block 1 wird eine dramatisch erhöhte Konzentration von Iod-131 festgestellt. Sie sei 10.000 Mal höher als normal, meldet Kyodo News zunächst. Später heißt es, der Messwert sei in dieser Höhe falsch, ein anderer wird aber nicht genannt. Bestätigt wird nur, die Iod-131 sei viel zu hoch. TEPCO-Sprecher Nishiyama entschuldigt sich für den zweiten Datenpatzer innerhalb von nur einer Woche.
(Quelle: Kyodo News)
Greenpeace veröffentlicht Luftaufnahmen der Blöcke 1-4, die von Wärmebildkameras gemacht worden sind. Die Bilder stammen vom Betreiber TEPCO, der sie aber nicht zur Veröffentlichung freigeben wollte. Nach Ansicht der Greenpeace-Experten deuten die Bilder darauf hin, dass in Block 3 einzelne "Brocken" Kernbrennstoff im Reaktorgebäude verteilt sind - sich also nicht mehr im Reaktordruckbehälter befinden.
(Quelle: Greenpeace)
Freitag, 1.4.2011
15:00 JST
TEPCO lässt nun versuchsweise Kunstharz über das Zwischenlager versprühen. Damit will der Betreiber radioaktive Teilchen in den zerstörten Reaktorhäusern binden, um zu verhindern, dass sie aufgewirbelt werdend in die Luft gelangen.
(Quelle: GRS)
15:58 JST
Aus einem Schiff der US-Marine wird Frischwasser für die weitere Kühlung der Reaktoren in einen Auffangbehälter auf dem Kraftwerksgelände gepumpt. Wegen eines fehlerhaften Schlauchs muss die Aktion aber wieder ausgesetzt werden.
(Quelle: GRS)
22:39 JST
Die japanische Regierung und TEPCO kündigen an, Stickstoff in die havarierten Reaktorblöcke einzuleiten, um weitere Wasserstoffexplosionen zu verhindern. Da die Brennstäbe seit den Wasserstoffexplosionen der ersten Tage unverändert teilweise freiliegen, dürfte sich neues Wasserstoffgas nachbilden.
(Quelle: Kyodo News)
Samstag, 2.4.2011
9:05 JST
TEPCO hat vier provisorische KĂĽhlwasserpumpen aufgebaut, die mit Meerwasser das offenbar doch noch umlaufende Frischwasser kĂĽhlen sollen.
(Quelle: NHK, GRS)
18:40 JST
TEPCO bestätigt, dass durch einen 20 Zentimeter langen Riss im Betonsockel von Block 2 radioaktives Wasser mit einer Strahlenbelastung von 1000 Millisievert pro Stunde ins Meer geflossen ist.
(Quelle: Kyodo News)
16:40 JST
Das am Morgen wieder aufgenommene Umpumpen von Frischwasser aus einem US-Kriegsschiff ist abgeschlossen.
(Quelle: GRS)
Sonntag, 3.4.2011
14:55 JST
In einem der Maschinenhäuser werden die Leichen von zwei Arbeitern gefunden, die seit dem Erdbeben vermisst worden waren. TEPCO erwägt nun, das Leck in Block 2 mit einem pulverförmigen Polymer zu bekämpfen, das das 50-fache seines Eigenvolumens an Wasser absorbieren kann.
(Quelle: Kyodo News)
Montag, 4.4.2011
19:00 JST
TEPCO beginnt, 10.000 Tonnen schwach radioaktiv belastetes Wasser aus der zentralen Wasseraufbereitung ins Meer zu pumpen. Zwei Stunden später werden 1.500 Tonnen belastetes Wasser aus den Blöcken 5 und 6 ins Meer abgelassen. Die Maßnahme soll Platz für das stark kontaminierte Wasser in Block 2 schaffen.
(Quelle: GRS)
Dienstag, 5.4.2011
15:58 JST
Laut der Nuklearaufsichtsbehörde NISA befinden sich in den drei Reaktorenblöcken 60.000 Tonnen radioaktives Wasser, die entfernt werden müssen.
(Quelle: Kyodo News)
Mittwoch, 6.4.2011
22:30 JST
TEPCO beginnt mit der Einleitung von Stickstoff in das Containment von Block 1 um weitere Wasserstoffexplosionen zu verhindern.
(Quelle: TEPCO)
23:32 JST
66 Kilometer östlich der Region Miyagi ereignet sich das bislang stärkste Nachbeben mit einer Stärke von 7,1. TEPCO erklärt später, das Beben habe "keine neuen Probleme" in den Blöcken 1 bis 6 von Fukushima I verursacht.
Probleme entstehen jedoch anderweitig: Die Kernkraftwerke Onagawa und Higashidori werden durch das Beben vom Stromnetz getrennt. Folge: Die Notstromversorgung springt offenbar nicht sogleich vollständig an, denn die Kühlsysteme in den Abklingbecken in beiden AKWs fallen 20 bzw. 80 Minuten aus. In den drei Reaktorblöcken von Onagawa ist durch die Erschütterung des Bebens außerdem radioaktives Wasser aus den Becken auf den Flur geschwappt. In Block 1 sollen es 3,8 Liter gewesen sein, die eine Aktivitätskonzentration von 5410 Becquerel pro Kilogramm aufweisen.
(Quelle: Kyodo News und Kyodo News)
Freitag, 8.4.2011

3:30 JST
Das AKW Higashidori ist wieder am Netz, so dass die Notstromversorgung abgeschaltet werden kann. Onagawa folgt kurze Zeit später.
(Quelle: Kyodo News)
Samstag, 9.4.2011
12:20 JST
An Block 2 haben Bauarbeiten fĂĽr eine Stahlbarriere begonnen, die das weitere Auslaufen von kontaminiertem Wasser aus dem Reaktor ins Meer verhindern soll.
(Quelle: Kyodo News)
Montag, 11.4.2011
Nach Angaben der Aufsichtsbehörde NISA sind bislang insgesamt 9070 Tonnen radioaktives Wasser in den Pazifik geleitet worden. Die NISA hat Fukushima-Betreiber TEPCO am Morgen die Genehmigung erteilt, 700 Tonnen kontaminiertes Wasser aus Reaktorblock 2 in ein Auffangbecken zu pumpen.
(Quelle: Kyodo News)
17:16 JST
Ein erneutes schweres Nachbeben erschütter den Nordosten Japans. Das Epizentrum liegt diesmal an Land, etwa 100 Kilometer südwestlich von Fukushima I (Stärke: 6,7 laut GFZ, 7,1 laut USGS). Die externe Stromversorgung der Reaktorblöcke 1 und 2 soll dadurch ausgefallen sein, berichtet Kyodo News.
(Quelle: Kyodo News Ticker)
17:51 JST
Die japanische Regierung hat die Ausweitung der Evakuierungszone von 20 auf 30 Kilometer um Fukushima I angeordnet. Bisher hatten Bewohner, die zwischen 20 und 30 Kilometer vom AKW entfernt waren, in ihren Häusern bleiben dürfen.
(Quelle: Kyodo News)
Dienstag, 12.4.2011
Die japanische Regierung stuft den Fukushima-Unfall ab sofort als Ereignis der Stufe 7 auf der internationalen INES-Skala ein. Als Begründung für die Hochstufung von 4 auf 7 wird die Menge an radioaktivem Material genannt, die seit dem 11. März vermutlich frei gesetzt worden ist. Nach Schätzungen von Experten sind das zwischen 370.000 und 630.000 Terabequerel.
(Quelle: Kyodo News)
Sonntag, 17.4.2011
21:43 JST
Die Betreibergesellschaft TEPCO veröffentlicht eine Roadmap für die Sicherung der havarierten Reaktoren. Demnach soll es noch mindestens sechs Monate dauern, bis die Blöcke 1-3 einen "cold shutdown"-Status erreicht haben. Die nächsten drei Monate werde es voraussichtlich brauchen, um die weitere Freisetzung von radioaktivem Material - überwiegend kontaminiertes Wasser - unter Kontrolle zu bringen.
(Quelle: TEPCO)
Donnerstag, 21.4.2011
17:40 JST
Premierminister Naoto Kan hat die Umgebung von Fukushima I in einem Umkreis von 20 Kilometern zur Sperrzone erklärt. Das Aufenthaltsverbot soll ab Mitternacht gelten.
(Quelle: Kyodo News)
Wird fortgefĂĽhrt. (nbo)