Das PhÀnomen der High Sensitive Persons
Viele Mitarbeiter, bei den die Diagnose Burnout gestellt wird, sind nicht krank, sondern hochsensibel. FĂŒr Arbeitgeber, die das wissen, sind "High Sensitive Persons" kein Problem, sondern eine Bereicherung.
Das Thema Burnout [1] ist in aller Munde und auch die Frage, warum ein Mensch davon betroffen ist und der andere nicht, wurde schnell geklĂ€rt: Eine Arbeit, die mit Sinn erfĂŒlle, fĂŒhre nur selten zum "Ausbrennen", so die gĂ€ngige ErklĂ€rung. Wer das GefĂŒhl hat, seine Arbeit [2] frei gestalten zu können und etwas sinnvolles zu tun, erkranke nicht daran. Nun warten Psychologen aber auch mit einer anderen ErklĂ€rung auf, die ebenfalls sehr einleuchtend ist. So wird bei vielen Menschen ein Burnout diagnostiziert [3], obwohl die Ursache ihrer Ăberlastung [4] woanders liegt: Sie gehören zu den "High Sensitive Persons", kurz HSP genannt.
In Deutschland ist das PhĂ€nomen der breiten Ăffentlichkeit noch nicht bekannt. Das dĂŒrfte sich allerdings bald Ă€ndern, denn nachdem sich immer mehr Wissenschaftler ernsthaft mit dem Thema befassen, greifen auch die Medien es auf. Ăber das Thema Burnout ist nun wirklich alles geschrieben worden. Warum so viele Menschen daran erkranken, obwohl wir im Durchschnitt deutlich weniger Zeit mit Arbeit verbringen, als z.B. noch vor 100 Jahren, konnte aber bisher niemand erklĂ€ren. Nun gibt es eine ErklĂ€rung: HSP. Nicht die Arbeitsbelastung ist das Problem, sondern die vielen Reize der modernen Welt. Eine ErklĂ€rung, die den Meisten von uns einleuchtet. Es dĂŒrfte also nur eine Frage der Zeit sein, bis das Thema genauso "populĂ€r" wird, wie der Burnout.
Doch auch wenn HSP bisher eher in der Esoterikszene bekannt war und Betroffene hier als âEngel der Neuzeitâ oder âWĂ€chter der Menschheitâ gehandelt wurden, handelt es sich um eine durchaus ernste Angelegenheit. Denn diese HochsensibilitĂ€t hat nichts mit kosmischen Energien oder göttlichen FĂŒgungen, sondern sehr viel mit einem besonders empfindsamen Nervensystem zu tun.
Wissenschaftler schĂ€tzen, dass 8 bis 15 Prozent der Bevölkerung HSPs sind. Menschen, die visuelle Eindrucke, GerĂ€usche, GerĂŒche und auch Emotionen besonders deutlich wahr nehmen. Man könnte es auch anders formulieren: Ihr "Filter", der nur bestimmte Informationen ins Gehirn bzw. ins Bewusstsein lĂ€sst, ist deutlich durchlĂ€ssiger, als der einer normalen Person. Sie stoĂen schneller an ihre Grenzen, die Leitungen sind ĂŒberlastet. Entsprechend schnell leiden solche Menschen dann auch an einer ReizĂŒberflutung [5] und reagieren z.B. auch deutlich sensibler auf Kritik. Kein Wunder also, dass diese Menschen sich viel öfter ausgebrannt fĂŒhlen, als der Rest der Bevölkerung. Entsprechend hĂ€ufig diagnostizieren Ărzte dann auch Burn-Out, Angststörungen oder gar eine soziale Phobie, obwohl es sich "nur" um eine HochsensibilitĂ€t des Nervensystems handelt.
Abstellen kann man diese SensibilitĂ€t ĂŒbrigens nicht, man muss lernen, damit zu leben. Das gilt fĂŒr den Betroffenen und fĂŒr seinen Arbeitgeber [6]. TatsĂ€chlich sind hochsensible Mitarbeiter ein groĂer Gewinn fĂŒr jedes Unternehmen: Zu den typischen Merkmalen dieser Menschen gehört eine groĂe KreativitĂ€t und die Kunst, sich sehr intensiv in Themen einzuarbeiten. ZuverlĂ€ssigkeit und ein gewisser Hang zu Perfektionismus wird ihnen ebenfalls nachgesagt. Und natĂŒrlich sind diese Menschen im Umgang mit Kunden besonders empathisch, erfassen deutlich schneller, was der GegenĂŒber will und meint. Auch die Stimmungen in der Firma erfassen diese Mitarbeiter sehr viel schneller als der Durchschnitt â oder der Chef.
Wer Mitarbeiter mit der Diagnose Burnout vor sich hat, sollte deshalb auch das Thema HSP ins Auge fassen. So wĂŒrde sich das Problem eventuell schon dadurch lösen lassen, dass der sensible und ansonsten doch sehr erfolgreiche Vertriebsmitarbeiter in Zukunft nicht mehr im GroĂraumbĂŒro, sondern in einem kleinen Einzelzimmer arbeiten kann. Ihm einfach nur Kunden abzunehmen, wird das Problem der ReizĂŒberflutung durch die GerĂ€usche der Umgebung nĂ€mlich nicht lösen.
Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter: http://www.hochsensibel.org/dokumente/Broschuere.pdf [7] (gs [8])
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[1] http://www.heise.de/resale/artikel/Die-IT-Branche-frisst-einen-auf-1340708.html
[2] https://www.heise.de/hintergrund/Wer-in-der-IT-Branche-arbeitet-braucht-keine-Vergnuegungssteuer-zu-zahlen-1251964.html
[3] https://www.heise.de/hintergrund/Burnout-weiter-auf-dem-Vormarsch-1230727.html
[4] https://www.heise.de/hintergrund/Zeitwertkonten-und-Sabbatical-so-nehmen-Sie-sich-eine-Auszeit-1184956.html
[5] https://www.heise.de/hintergrund/Erste-Hilfe-gegen-Stress-1050975.html
[6] https://www.heise.de/hintergrund/5-Mitarbeiter-Typen-die-eine-Firma-unbedingt-braucht-1104049.html
[7] http://www.hochsensibel.org/dokumente/Broschuere.pdf
[8] mailto:gs@ct.de
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