Abgasbetrug: Daimler erzielt Vergleich in den USA
(Bild: Florian Pillau)
Daimler will unter den Abgasbetrug in den USA einen Schlussstrich ziehen. Justizministerium und Konzern einigten sich auf einen Vergleich.
Daimler legt mit zwei Vergleichen die Ermittlungsverfahren der US-Behörden und zahlreiche Klagen von Autobesitzern bei, wie das Justizministerium und der Konzern selbst am Montagabend (14. September 2020) mitteilten. Dem Konzern und seiner Tochter Mercedes-Benz USA wurden ĂŒberhöhte Abgaswerte bei rund 250.000 Autos mit Dieselmotor vorgeworfen. Der Vergleich, der von Gerichten noch bestĂ€tigt werden muss, kostet Daimler rund 1,5 Milliarden US-Dollar.
Die Einigung sende eine "klare Botschaft" an Autohersteller, dass die US-Regierung bei der Einhaltung von Emissionsstandards hart durchgreife, sagte der Leiter der Umweltbehörde EPA, Andrew Wheeler, bei einer Pressekonferenz in Washington. Daimler habe "dubiose Software zur Abgaskontrolle" gegenĂŒber den Behörden nicht offengelegt. Das Justizministerium verhĂ€ngte nach eigenen Angaben ein zivilrechtliches BuĂgeld von 875 Millionen Dollar.
Einigung auch mit privaten KlÀgern
Der Konzern selbst hatte bereits im August 2020 verkĂŒndet, bezĂŒglich der Rechtskonflikte eine Grundsatzeinigung nicht nur mit den Behörden, sondern auch mit privaten KlĂ€gern in den USA erzielt zu haben. Am Montag lieferte Daimler auch hierzu Details. Demnach werden zur Beilegung der US-Sammelklagen von Autobesitzern rund 700 Millionen Dollar fĂ€llig, sodass sich der rechtliche Befreiungsschlag in den USA insgesamt auf deutlich mehr als zwei Milliarden Dollar summiert.
Ob die in den Fahrzeugen verwendeten Funktionen "defeat devices" sind, also eine unzulĂ€ssige Abschalteinrichtung der Abgasreinigung, werde in dem Vergleich aber nicht festgestellt, betonte Daimler. "In den Vergleichsvereinbarungen wird explizit festgehalten, dass das Unternehmen die VorwĂŒrfe der Behörden sowie die AnsprĂŒche der SammelklĂ€ger bestreitet und keine Haftung gegenĂŒber den USA, Kalifornien, den KlĂ€gern oder in sonstiger Weise einrĂ€umt."
Mindestens 3290 Dollar EntschÀdigung
Die KlĂ€geranwĂ€lte verbuchten den Kompromiss als Erfolg. "Besitzer von schmutzigen Mercedes-Dieselautos werden endlich die Kompensationen erhalten, die sie verdienen", erklĂ€rte Steve Berman. Er leitet die GroĂkanzlei Hagens Berman, die schon vielen anderen Konzernen, darunter Volkswagen in der "Dieselgate"-AffĂ€re oder General Motors im Skandal um defekte ZĂŒndschlösser [1] zu schaffen machte. Seiner Kanzlei nach können betroffene Mercedes-Besitzer durch den Vergleich mindestens jeweils 3290 Dollar an EntschĂ€digung erhalten.
Seit 2016 ist Daimler wegen eines zu hohen AusstoĂes von Stickoxid im Visier der US-Justiz. Gezielte Manipulationen der Abgastechnik mit einer Software, wie sie jahrelang bei Volkswagen zum Einsatz kam, hatte der Konzern jedoch stets zurĂŒckgewiesen. Anders als der Volkswagen-Konzern, der 2015 auf Druck der US-Behörden Abgasbetrug im groĂen Stil eingerĂ€umt [2] hatte, gibt Daimler im Rahmen der Vergleiche kein SchuldeingestĂ€ndnis ab und muss auch keine Fahrzeuge von Kunden zurĂŒckkaufen oder sich kĂŒnftig durch einen Aufpasser von den US-Behörden ĂŒberwachen lassen.
Update wird angeordnet
DafĂŒr muss Daimler die Autos, Ă€hnlich wie in Europa, per Softwareupdate nachbessern, hinzu kommen weitere UmweltmaĂnahmen, fĂŒr die der Konzern zur Kasse gebeten wird. ZusĂ€tzlich zu den in den Vergleichen festgelegten Summen rechnet Daimler mit Kosten in mittlerer dreistelliger Millionenhöhe fĂŒr die Umsetzung der Einigung.
Komplett erledigt ist die Angelegenheit fĂŒr Daimler allerdings noch nicht. Die Vergleiche mĂŒssen in den USA noch gerichtlich genehmigt werden und beenden nur Zivilverfahren, sodass weitere strafrechtliche Konsequenzen nicht auszuschlieĂen sind. Die US-Umweltbehörden pochen seit den massiven Verletzungen des Luftreinhaltungsgesetzes durch Volkswagen penibel auf die Einhaltung der Emissionsstandards und haben auch Fiat Chrysler schon einen teuren Vergleich abgerungen. US-Sammelklagen wegen angeblicher Abgasmanipulationen laufen auch noch gegen einige andere Autohersteller.
(mfz [3])
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-4893847
Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/GM-soll-wegen-defekter-Zuendschloesser-900-Millionen-Dollar-zahlen-2819137.html
[2] https://www.heise.de/news/Der-vorlaeufige-Stand-der-Dinge-in-Sachen-Diesel-Stickoxide-und-Volkswagen-2832601.html
[3] mailto:mfz@heise.de
Copyright © 2020 Heise Medien